Detmold. Nach Wochen mit Abkochgebot, leichtem Chlorgeruch aus den Wasserhähnen und einigen offenen Fragen ist das Detmolder Trinkwassernetz inzwischen wieder in einem stabilen Zustand. Die Einschränkungen sind seit knapp zwei Wochen aufgehoben. Bereits im Sommer hatte eine Verunreinigung des Trinkwassers etliche Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt die Mitarbeiter der Stadtwerke beschäftigt. Sicher ist nach Angaben der Stadtwerke: Die beiden Verkeimungen im Sommer und nun im Dezember stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang, wie Dirk Kornhoff, Bereichsleitung Wasserversorgung bei den Stadtwerken Detmold, erklärt. Zunächst sei im August am „Brunnen 2“, einer von drei Trinkwassergewinnungsanlagen im Ortsteil Klüt, eine mikrobiologische Verunreinigung festgestellt worden, die ein Abkochgebot für das Trinkwasser erforderlich gemacht habe. Der Brunnen wurde abgeschaltet und die Stadtwerke nahmen auf Anordnung des Gesundheitsamtes umfangreiche Beprobungen vor. Der neuerliche Fall betraf derweil den rund 500 Meter entfernt liegenden „Brunnen 1“. Unterwasserkamera kommt zum Einsatz Bereits nach dem ersten Vorfall im Sommer betrieben die Mitarbeiter der Stadtwerke großen Aufwand, um die Ursache der Verkeimung zu ermitteln. Alle drei Brunnen wurden umfassend in Augenschein genommen. „Es musste die Verrohrung gezogen werden. Die Pumpen in den Brunnen, zwischen 40 und 60 Meter tief gelegen, mussten überprüft werden. Mit einer Unterwasser-Kamera wurden die Brunnen befahren, um bauliche Schäden festzustellen, die Grund für die Verunreinigung hätten sein können“, erinnert sich Kornhoff. Gefunden wurde jedoch nichts. „Die Strukturen waren unbeschädigt.“ Mit Chlor wurde das Trinkwasser desinfiziert. Nachdem die Brunnen äußerlich als unauffällig galten, und nach der Freigabe durch das Gesundheitsamt, wurde die Desinfektion zurückgefahren. Doch nun kam es im Dezember wieder zu Verunreinigungen, allerdings im benachbarten Brunnen. Die Ursache bleibt weiterhin unklar. Möglich wäre laut Kornhoff, „dass durch die Brunnen-Prüfungen etwas eingeschleppt wurde, was zu der neuerlichen Verkeimung führte“. Unmittelbar nach Bekanntwerden reagierten die Stadtwerke erneut mit Sofortmaßnahmen. „Als erste Maßnahme erfolgte die Desinfektion mit Chlorgranulat.“ Das sei leicht zu dosieren und sofort einsatzbereit. „Es wird in den Trinkwasserspeichern einfach auf die Wasseroberfläche gestreut“, erklärt Kornhoff. Die Speicher im betroffenen Bereich wurden umgehend damit behandelt, zusätzlich wurde über Dosierpumpen flüssiges Chlor in das Netz eingespeist. Verfahren, die sich bereits im August bewährt hatten. Zuvor erfolgten Netzspülungen, um das von den Keimen belastete Wasser aus den Leitungen zu entfernen. Kornhoff betont: „Das zugeführte Chlor ist, gemessen an den verwendeten Konzentrationen, für die Gesundheit unbedenklich.“ Lediglich Geruch und Geschmack des Wassers würden vorübergehend von dem Zusatz beeinträchtigt sein. UV-Anlagen sollen gegen Keime helfen Die engmaschigen Beprobungen des Trinkwassers zeigten nach Bekanntwerden der Verunreinigung keinerlei Auffälligkeiten. „Bei sämtlichen Nachproben wurde nichts festgestellt, ein sicherer Zustand war sofort wieder erreicht“, sagt Kornhoff. Vorgaben sehen jedoch vor, mehrere Laborergebnisse abzuwarten, bevor das Gesundheitsamt Entwarnung geben kann. Der inzwischen als Auslöser identifizierte Brunnen ist laut den Stadtwerken vom Netz getrennt und wird saniert. Bis zum Abschluss der Arbeiten bleibt die vorsorgliche Chlordosierung bestehen. Langfristig wollen die Stadtwerke weg vom Chlor. „Der Plan ist, das Wasser künftig mithilfe von UV-Anlagen zu desinfizieren“, so Kornhoff. Dabei wird ein Strömungskörper in Form eines Zylinders am Ausgang des Brunnens installiert, der mithilfe von UV-Licht auf schädliche, im Wasser enthaltene, Mikroorganismen einwirkt. Zunächst sollen diese Anlagen an den von den Verkeimungen betroffenen Brunnen in Klüt installiert werden. Perspektivisch, so der Plan, sollen alle 14 Brunnenanlagen im Stadtgebiet die Vorrichtungen erhalten. Die Installation ist mit einigen baulichen Maßnahmen verbunden. Rohrleitungen müssten neu verlegt werden, an dem ein oder anderen Standort müssten zudem aus Platzmangel wohl kleine Anbauten erfolgen. Per se kostet eine UV-Desinfektionsanlage fünfstellig, die Zahlen variieren jedoch für jede Anlage. In Pivitsheide und Berlebeck sind bereits Brunnen mit den UV-Anlagen ausgerüstet.