Kreis Lippe. Wer sich die Nacht um die Ohren geschlagen hat, weiß schon Bescheid. Der Rest wartet noch auf eine Gelegenheit, herauszufinden, wer das Spiel um den Thron gewinnt. Am heutigen Montag endet das Serien-Epos "Game of Thrones" - jetzt heißt es durchhalten, ohne ausversehen von Kollegen, Newsfeeds oder Social-Media-Posts das Ende verraten zu bekommen. Ein garantiert weitgehend spoilerfreier Blick auf das größte Serienspektakel aller Zeiten.
Augen zu und durch ist die Devise. Facebook-fasten, am besten kein Radio hören und überhaupt allen Plattformen ausweichen, die GIFs, Kurznachrichten oder Push-Meldungen zu der erfolgreichen Serie veröffentlichen könnten. Klingt einfach, gestaltet sich aber im Alltag schwierig. Denn am Ende gibt es vielleicht doch den einen Arbeitskollegen, der schon in aller Frühe vor dem Fernseher gesessen hat und nun den ganzen Tag mit verschmitztem Grinsen durch das Büro läuft - schließlich kennt er das ultimative Geheimniss.
Versicherung gegen Spaßverderber
Diese Angst vor dem sogenannten Spoiler (vom Englischen "to spoil" = verderben) macht sich auch eine britische Versicherung zunutze. Die Firma "Endsleigh" verspricht zehn Fans der Serie eine Versicherungssumme von 100 Pfund, umgerechnet also 114 Euro auszuzahlen, wenn ihnen das Serienfinale besonders böse ruiniert wurde. Dafür können sie sich bis zum 26. Mai bewerben.
Der Grund: Die Ausstrahlung der Serie erfolge in Großbritannien immer zeitversetzt zu den USA, von daher sei die Spoiler-Gefahr schon immer sehr hoch gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Wenn der Gag gut ankommt, wolle man überlegen, die Spoilerversicherung auch auf andere Serien auszuweiten.
Brecher der Quoten
Dass eine Versicherung sich solch eine Idee zu eigen macht, kommt nicht von ungefähr. Schließlich stellt "Game of Thrones" fast von Beginn an immer wieder aufs Neue Rekorde auf.
2015 landete die Serie im Guiness-Buch der Rekorde. Grund war die Ausstrahlung der zweiten Folge der fünften Staffel, die in 173 Ländern zeitgleich erfolgte. Eine Folge der aktuellen achten Staffel zeigte eine der längsten Schlachten in der Film- und Fernsehgeschichte. Sie ist sogar länger als die Schlacht um Helms Klamm in "Herr der Ringe: Die zwei Türme".
Das Quasi-Halbfinale der Serie, die fünfte Folge der achten Staffel, die am Sonntag, 12. Mai, in den USA ausgestrahlt wurde, erreichte dort alleine im linearen Fernsehen 18,4 Millionen Zuschauer. Das sind noch einmal drei Prozent mehr, als noch bei der Schlacht um Winterfell in der Folge drei. Dazu kommen etliche Millionen Zuschauer in den USA und weltweit, die die Serie über Streamingdienste verfolgen sowie eine große Dunkelziffer an Zuschauern, die nach wie vor illegale Download-Rekorde aufstellen. Jede Woche schalten also noch mehr Zuschauer in das Epos "Game of Thrones" ein. Und dabei sind längst nicht alle Fans glücklich mit den Entwicklungen der achten Staffel.
Fanatische Fans fordern neue Drehbücher
Tatsächlich meinen einige Zuschauer, die achte Staffel sei ein Armutszeugnis für das Epos, das so liebevoll aufgebaut wurde.
Auf der Website Change.org hat sogar ein besonders ambitionierter Fan eine Petition gestartet, die ein Remake der achten Staffel fordert. "David Benioff und D.B. Weiss haben bewiesen, dass sie furchtbar inkompetente Autoren sind, sobald sie keine Quelle (wie die Bücher) haben, auf der sie aufbauen können", heißt es in der Petition. Und weiter: "Die Serie verdient eine finale Staffel, die Sinn ergibt." Das sehen eine ganze Menge Fans ähnlich. Mehr als 800.000 Menschen haben virtuell unterzeichnet (Stand: Freitag, 17. Mai). Allerdings kann man wohl mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird.
Wein trinken und Bescheid wissen
Für das Autorenduo Benioff und Weiss sind unlängst neue Pläne bekannt geworden: Die beiden werden ihre Schreibfedern für den nächsten "Stars Wars"-Film wieder in Aktion bringen. Der Film, der 2022 ins Kino kommen soll, werde die nächste Generation der Geschichten - es ist erneut eine Trilogie geplant - rund um den Sternenkrieg einläuten und die Skywalker-Saga zu Ende bringen.
Doch bevor es an die Arbeit für das Weltraum-Epos geht, wollen die beiden das Finale von "Game of Thrones" erst einmal sacken lassen. "Wir werden an einem geheimen Ort sein, unsere Handys ausschalten und mehrere Flaschen öffnen", sagte D.B. Weiss im Interview mit Entertainment Weekly. "Ab einem gewissen Zeitpunkt, wenn es sicher ist, wieder herauszukommen, wird uns [jemand] eine Zusammenfassung darüber geben, was so los ist, ohne, dass wir es selbst erleben müssen." Und Benioff meint im Interview: "Ich habe vor, sehr betrunken und sehr weit weg vom Internet zu sein."
Beide wollen natürlich, dass die Fans lieben, wie die Show zu ende geht - schließlich haben sie elf Jahre mit ihr verbracht. Den Autoren sei zudem bewusst, dass es immer Leute geben wird, die nicht mit dem Ergebnis zufrieden sind. "Es gibt keine Version, in der alle sagen: 'Die ganze Welt ist sich einig, das ist die perfekte Version.'"
Spring is coming
Wie man sich denn überhaupt von liebgewonnen Charakteren, Drachen und Spielorten nach so langer Zeit verabschiedet, dürfte auch für viele Fans ein Problem darstellen. Schließlich hat man lange Zeit mitgelitten, mitgefiebert und manch einmal vor Siegesfreude laut aufgelacht.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber am Horizont: Von mehreren Ideen zu Spin-Offs der Serie ist eines bereits in Arbeit. Die Dreharbeiten um das Prequel von Showrunner Jane Goldman sollen bereits laufen. Gerüchten zu Folge könnte der Titel "Bloodmoon" lauten und Tausende Jahre vor der Handlung von "Game of Thrones" spielen. Inhaltlich soll das goldene Zeitalter und die Entstehungsgeschichte der "White Walker" behandelt werden. Allerdings wird zunächst eine Pilotfolge produziert. Erst wenn diese überzeugt, wird das Projekt in Serie geschickt.
Wer solange nicht warten will, kann sich Anfang kommenden Jahres "Game of Thrones - The Concert" anhören. Dann kommt ein Orchester mit 100 Solisten, Sängern und Musikern für neun Konzerttermine nach Europa. "Mit modernster Technologie wird das gewaltige Ensemble der renommierten London Festival Symphonics die Fans auf eine musikalische Reise durch die sieben Königreiche führen", heißt es im Pressetext. Am 20. Januar ist die Show zu Gast in der Bielefelder Stadthalle. Karten gibt es unter anderem auf www.erwin-event.de.
Um das Serienloch nach dem Ende von "Game of Thrones" zu füllen, haben wir ein paar Tipps in petto. Im LZ-Spezial "Serientipps" gibt es jeden Montag einen neuen Artikel zu einer Lieblingsserie der Redaktion oder neuen Veröffentlichungen.
*Alle Zitate übersetzt aus dem Englischen.