Fischvergiftung: Lipper schwebt in Lebensgefahr

Matthias Bungeroth

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Gefährlich: Diese Erreger lösen die lebensbedrohliche Krankheit Botulismus aus. - © picture-alliance / OKAPIA KG, Germany
Gefährlich: Diese Erreger lösen die lebensbedrohliche Krankheit Botulismus aus. (© picture-alliance / OKAPIA KG, Germany)

Ostercappeln/Detmold. Ein Mann aus Lippe schwebt nach dem Verzehr von Trockenfisch in Lebensgefahr. Das bestätigt Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Landkreises Osnabrück. In Ostercappeln, das im Landkreis Osnabrück liegt, hat der Händler des Produkts seinen Sitz. Der betroffene Trockenfisch wurde unter anderem auch in einem Markt in Lage verkauft.

Der Händler hatte am Abend eine Warnung vor dem Verzehr des Produkts herausgegeben. "Nach einer lebensbedrohlichen Vergiftung warnt der niedersächsische Fischgroßhandel vor dem Verzehr bestimmter von dem Großhandel vertriebener Trockenfischprodukte", heißt es in der entsprechenden Erklärung.

Es gehe um Trockenfisch der arten Plötze - unausgenommen sowie ausgenommen - sowie auch Karausche, Flussbarsch, Forelle und Hecht. Die Produkte seien allesamt getrocknet und gesalzen und würden insbesondere in russischen Einkaufsmärkten angeboten. Es sei nicht auszuschließen, dass durch das Essen dieser Trockenfische bei betroffenen Menschen die lebensbedrohliche Vergiftung Botulismus ausgelöst wird.

"Trockenfisch als Produkt nicht ohne Risiko"

Ein Mann aus Lippe sei nach dem Verzehr eines solchen Trockenfischs ins Koma gefallen und schwebe nun in Lebensgefahr, berichtete Burkhard Riepenhoff, Sprecher des Landkreises Osnabrück. "Trockenfisch ist als Produkt nicht ganz ohne Risiko", sagte Riepenhoff.

Der Lipper sei der einzige einer Familie gewesen, der ein solches Produkt gegegessen habe. Nur er leide auch unter den Beschwerden, so der Sprecher des Landkreises Osnabrück. Der Mann sei zur Behandlung ins Klinikum Lippe eingeliefert worden.

Der Zwischenhändler, offenbar von einem Russlanddeutschen geführt, war vom Landkreis Osnabrück kontrolliert worden, ob er die Beprobung der Produkte ordnungsgemäß vorgenommen habe. Es seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Vor zwei Jahren habe es allerdings bereits einen ähnlichen Fall gegeben.

Der vom erkrankten Lipper verzehrte Trockenfisch stammt den Angaben zufolge von einem Einkaufsmarkt in Lage, der die Ware vom Ozean Fischgroßhandel bezogen hatte. Da nicht näher bestimmt werden konnte, welche Art von Fisch der Betroffene gegessen hat, wurde vorsorglich vor dem Verzehr aller Trockenfische gewarnt, die an den Markt geliefert wurden.

Durch die Vergiftung Botulismus können ungewöhnliche Kopfschmerzen und Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall oder Lähmungserscheinungen entstehen. Wer solche Symptome verspüre, solle sofort einen Arzt aufsuchen, heißt es. Auch die Augen und das Sehvermögen könnten von den Lähmungen betroffen sein. Auch Sprechstörungen, ein trockener Mund, Schlucklähmungen oder Atemnot können auftreten.

Sofortmaßnahmen im Kreis Lippe

Nachdem ein Fall von Botulismus in Lippe bekannt geworden ist, hat das Fachgebiet Veterinär und Verbraucherschutz Schutzmaßnahmen ergriffen, darauf weist der Kreis Lippe am Mittwoch hin. Nach Bekanntwerden des Verdachts auf eine mögliche Fischvergiftungsei beim betroffenen Einzelhändler  sämtlicher Trockenfisch präventiv sichergestellt worden. Der Einzelhändler ruft zudem alle unverpackten getrockneten, ausgenommenen und nicht ausgenommenen Fische zurück, die seit dem 15. Juni verkauft worden sind. Über den Rückruf werden die Kunden durch Aushänge im Markt informiert. Wer Symptome wie ungewöhnliche Kopfschmerzen und Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Lähmungserscheinungen oder Atemnot an sich beobachtet, sollte sofort einen Arzt oder das Klinikum Lippe aufsuchen.

Der Trockenfisch wurde laut dem Kreis durch den niedersächsischen „Ozean Fischgroßhandel" geliefert. Der Großhändler warnt eindringlich vor dem Verzehr verschiedener von ihm gehandelter Trockenfische und ruft aktuell mehrere Trockenfische zurück. Nach aktuellem Kenntnisstand ist der Markt in Lage der einzige Einzelhändler in Lippe, der durch den „Ozean Fischgroßhandel" mit Trockenfisch beliefert worden ist.

Beim Botulismus handelt es sich um eine seltene, allerdings schwere Erkrankung, die durch Giftstoffe (Botulinum-Neurotoxine) ausgelöst wird. Die Giftstoffe werden von bestimmten Bakterien gebildet und über Lebensmittel aufgenommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät beim Verzehr von Trockenfisch grundsätzlich zur Vorsicht und weist darauf hin, dass Trockenfisch vor dem Verzehr für mindestens zehn Minuten auf 85 Grad Celsius oder mehr erhitzt werden sollte, um eine Vergiftung durch sogenannte Botulismus-Neurotoxine auszuschließen. Fischerzeugnisse müssen außerdem grundsätzlich kühl gelagert werden.

Information

Botulismus


Die Erkrankung ist laut Infektionsschutzgesetz in Deutschland meldepflichtig. Das schreibt die Techniker Krankenkasse auf ihrer Homepage. Es gibt danach in Deutschland im Durchschnitt weniger als zehn Fälle von Botulismusvergiftungen pro Jahr. Die tatsächliche Zahl könne möglicherweise höher liegen, denn nicht alle Botulismusfälle würden auch als solche erkannt.

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