Lügde-Prozess: Ein Wort der Reue bleibt aus

Janet König

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Detmold/Lügde. Keine Entschuldigung, keine Erklärungsversuche: Sowohl Andreas V. als auch Mario S. verzichten am vorletzten Prozesstag zum Fall Lügde auf das ihnen zustehende letzte Wort. Ob dies als Zeichen für fehlende Reue oder die Erkenntnis über die Ausweglosigkeit der eigenen Situation zu deuten ist, bleibt Spekulation unter den Prozessbeteiligten. Was am Freitag jedoch zählt, sind die Plädoyers der Verteidiger.

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Da große Teile des Prozesses unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt worden sind, bleibt die Tür zum Saal 165 auch während der weiteren Plädoyers geschlossen. Rechtsanwalt Johannes Salmen beantragt für seinen Mandanten zwölf Jahre Haft, damit liegt der Verteidiger zwei Jahre unter dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft. „Mein Mandant hat gestanden und den Prozess trotz seiner Krankheit nicht platzen lassen", begründet Salmen auf dem Flur. Das müsse dem 56-jährigen Dauercamper angerechnet werden.

Die Sicherungsverwahrung habe der Verteidiger in seinem Plädoyer nicht hervorgehoben, dennoch sei sich der Lagenser Rechtsanwalt darüber bewusst, dass diese auf seinen Mandanten zukommt. „Bei so vielen Taten über so einen langen Zeitraum, liegt das einfach nahe", sagt er. Allein die Taten führen jede Verteidigung in eine Art „argumentative Insolvenz". Das sieht sein Kollege Jürgen Bogner ähnlich. „Wer die Gutachter gehört hat, der weiß, dass es für beide auf Sicherungsverwahrung hinausläuft", sagt Bogner. Das habe wohl jeder im Saal heraushören können.

Ende in Sicht: Verteidiger Jürgen Bogner, die Angeklagten Mario S. und Andreas V. sowie Rechtsanwalt Johannes Salmen (von links) in Saal 165. - © Jannik Stodiek
Ende in Sicht: Verteidiger Jürgen Bogner, die Angeklagten Mario S. und Andreas V. sowie Rechtsanwalt Johannes Salmen (von links) in Saal 165. (© Jannik Stodiek)

Der Blomberger Rechtsanwalt verzichtet in seinem Plädoyer darauf, das Strafmaß für seinen Mandanten Mario S. zu beziffern. „Der Spannbreite ist groß", sagt Bogner hinterher. Alles zwischen zehn und 15 Jahren sei angemessen. „Dennoch muss das Geständnis enorm berücksichtigt werden."

Der Meinung ist selbst Opferanwalt Roman von Alvensleben: „Sonst wäre ein Geständnis ja nichts mehr wert." Ob zwölf, dreizehn oder vierzehn Jahre Haft – darauf komme es letztendlich überhaupt nicht an, meint Opferanwalt Thorsten Fust, der einen heute 16-Jährigen vertritt. „Das Wichtigste ist, dass beide Männer nie wieder eine Gefahr für Kinder darstellen", sagt Fust. Er selbst habe in seinem Plädoyer 14 Jahre Haft für Mario S. gefordert, da er bei dem 34-Jährigen im Verhandlungsverlauf trotz Entschuldigung keinen Funken Reue gesehen habe. „Ihm war völlig egal, was er den Kindern angetan hat."

Alle zehn verbliebenen Vertreter der Nebenklage von insgesamt 18 Opferanwälten plädieren am vorletzten Prozesstag. Die meisten schließen sich laut Landgerichtssprecher Wolfram Wormuth dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von vierzehn und zwölfeinhalb Jahren an. Einige Anwälte beantragen höhere Haftstrafen, so Wormuth.

Nach knapp zwei Monaten Verhandlung steht nur noch das Urteil aus. Dann blickt wieder ganz Deutschland auf das Landgericht Detmold und die Entscheidung zum Fall Lügde.

Das Urteil soll Donnerstag, 5. September, um 9 Uhr fallen.

Demo vor dem Gericht

Rund 50 Teilnehmener waren am Freitag Teil des Demostrationszuges, der am Mittag kurz nach Ende der Verhandlung vom Marktplatz zum Landgericht zog. Die Organisatoren waren laut eigenen Angaben mit dem Zulauf zufrieden. "Alle sind immer noch fassungslos und sprachlos", sagte Mitveranstalterin Ina Tolksdorf von der Aktionsgruppe "Kinder von Lügde". Bei der Mahnwache sammelten die Organisatroen auch wieder Unschriften gegen die Verjährungsfrist von Kindesmissbrauch.

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