Frank und Anja Hanfmann machen sich die Sonne zum Verbündeten

Till Sadlowski

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Anja und Frank Hanfmann vor ihrem sanierten Heim. Der vordere Teil des Hauses ist bereits 1937 gebaut worden und wurde gedämmt. Auf dem Dach wurden eine Photovoltaik- und eine Solarthermie-Anlage installiert. - © Till Sadlowski
Anja und Frank Hanfmann vor ihrem sanierten Heim. Der vordere Teil des Hauses ist bereits 1937 gebaut worden und wurde gedämmt. Auf dem Dach wurden eine Photovoltaik- und eine Solarthermie-Anlage installiert. (© Till Sadlowski)

Kreis Lippe. "Tue Gutes und spreche darüber", ist die Devise von Frank und Anja Hanfmann. Weswegen die beiden Detmolder auch gerne dazu bereit waren der LZ die Tür zu ihrem sanierten Heim zu öffnen. Anfang letzten Jahres hat das Ehe-Paar ihr Haus klimafreundlich sanieren lassen und größtenteils autark gemacht. Der Umbau sei aus Überzeugung geschehen. Dabei haben sie festgestellt, dass Energiesparen auch eine spielerische Herausforderung sein kann.

"Ursprung war der Dieselskandal", sagt Frank Hanfmann, "Wir haben uns gefragt was hier eigentlich gerade passiert und begonnen uns über Umwelt-Themen zu informieren", fährt er fort. Was ihn besonders geärgert habe, sei die einseitige Forderung an die Politik und die Autohersteller zu handeln. Die Überzeugung der Hanfmanns: "Man muss selber was tun."Also habe das Paar die Köpfe zusammengesteckt und das eigene Verhalten reflektiert. "Wir haben überlegt was unser Status Quo ist und was angehen müssten um den größten ökologischen Effekt zu erzielen", sagt der 54-Jährige.

Der Blick sei dann relativ schnell auf den vorderen Teil des Hauses gefallen. Dieser wurde nämlich bereits 1937 von Anja Hanfmanns Großeltern gebaut.Im Gegensatz zu dem in den 1990ern errichteten hinterem Abschnitt war dieser natürlich nicht ausreichend isoliert. "Allerdings haben wir beim Sanieren festgestellt, dass schon eine Dämmung vorlag, nur eben nicht zeitgemäß", sagt sie. Wie ihre Großeltern die Außenwand damals errichtet haben beschreiben Anja Hanfmann und ihr Mann als bemerkenswert. "Das war für die Zeit schon raffiniert. Zwischen den Ziegeln haben die 5 Zentimeter Luft gelassen. Das ist nicht nur bereits eine gute Wärmeisolation sondern sorgt auch für Luftzirkulation. Wir haben nicht ein Anzeichen von Schimmel gefunden", berichtet Frank Hanfmann.

Zu alledem habe die Arbeit der Großeltern noch als optimale Grundlage für eine kostengünstige Sanierung gedient, sagt er. Sie haben nur noch innen Silikatplatten einsetzen und die Wand neu verputzen lassen müssen. "Damit haben wir uns gespart, die Außenfassade komplett abreißen, darunter zu dämmen und dann alles neu verkleiden lassen zu müssen. Kostentechnisch war das eine 70 zu 30 Rechnung", sagt Frank Hanfmann. Außerdem habe das Haus so seinen alten Charme behalten, bemerkt Anja Hanfmann. Zusätzlich wurde der Dachstuhl mit 40 Zentimeter dicker Steinwolle gedämmt. Dadurch entstehe ein "Wärmeglocken-Effekt" bei dem sich die warme aufsteigende Luft mit der kalten absinkenden im Haus verteile. So würden sie noch zusätzlich Heizkosten einsparen.

Energieberater hilft

Besonders geholfen haben ihnen im Vorhinein der Energieberater der Verbraucherzentrale, den sie engiert hatten. "Der war jeden Cent wert. Er ist mit uns die gesamte Planung durchgegangen und hat uns massenhaft hilfreiche Tipps zum einsparen von Energie und Kosten gegeben", sagt Anja Hanfmann. Allerdings sei nicht jeder Weg zum energieeffizienten Heim so mühelos gewesen. Gerade die Förderung von Photovoltaik- und Solarthermie- Anlagen seitens des Staates zu durchblicken sei alles andere als einfach gewesen, sagt Anja Hanfmann. "Mein Mann hat gut fünf Tage damit verbracht zu recherchieren." Die bestehenden Informationsplattformen seien hier noch zu undurchsichtig, meint Frank Hanfmann. "Das ist ja in der Anschaffung für viele auch eine Hürde, weil es gar nicht so bekannt ist, dass man abseits von der KFW auch noch Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen kann, bei denen man relativ schnell Geld zurück bekommt," sagt er.

Durch die Installation der Anlagen, seien die Hanfmanns den Großteil des Jahres autark, sagt der Detmolder. Von Ende Aprlil bis Ende September bräuchten sie ihre Gas Heizung gar nicht. An Strom würden sie maximal 500 Kilowatt im Jahr dazukaufen. "Mit beiden Anlagen sparen wir eine Tonne Kohlenstoffdioxid im Jahr und fast 70 Prozent Kosten bei Strom und Gas ein", sagt er. Dass man seinen Alltag ein wenig anpassen müsste, beispielsweise, dass Herd,Waschmaschine und Spülmaschine nicht gleichzeitig laufen können, sei keine Einschränkung. "Man macht sich sein eigens Verhalten bewusst und es ist ein Ansporn rauszufinden wo man noch effizienter werden kann", sagt Anja Hanfmann.

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