Kreis Lippe. Die allermeisten Geschäfte werden am Montag wieder öffnen – dessen ist Ute Wagner sicher. Die Vorsitzende des Handelsverbandes Lippe ist Inhaberin eines Lederwarenfachgeschäfts in Bad Salzuflen und freut sich schon – auf die Kunden und darauf, dass ihre Mitarbeiter wieder zu tun haben: „Bei allem Verständnis für die gesundheitlichen Aspekte – da bin ich dankbar und glücklich. Denn wir müssen auch wirtschaftlich denken." Das Gros der Läden in Lippes Innenstädten erreiche die 800 Quadratmeter Verkaufsfläche bei weitem nicht und werde gemäß der Vorschriften wieder öffnen: „Das heißt, dass Hygieneregeln eingehalten werden und dass wir auf Abstände der Kunden untereinander und zu uns achten." Sie selbst werde drei Kunden gleichzeitig in ihrem Laden bedienen und einen vierten dann höflichst bitten, draußen zu warten. "Vielleicht mit Körbchen am Eingang wie zu DDR-Zeiten" Die Aufregung vor Montag ist Detlev Niehaus deutlich anzuhören. Der Inhaber des Spiel- und Freizeitwarengeschäftes in der Lemgoer Mittelstraße steckt in den letzten Vorbereitungen. Mit einer Verkaufsfläche von knapp 350 Quadratmetern liegt er unterhalb der definierten Grenze. „Wir stellen hier Spuckschutzwände auf, haben Masken angeschafft und das Desinfektionsmittel steht bereit. Wir müssen uns nur noch überlegen, wie wir die maximale Anzahl an Kunden im Laden begrenzen – vielleicht mit Körbchen am Eingang wie zu DDR-Zeiten", erzählt er. Wenn die Körbchen weg sind, wissen die Kunden, dass sie draußen warten müssen. Die Schutzausrüstung hat er nicht im Internet bestellt, sondern unterstützt als lokaler Händler auch den lokalen Handel. „Schöttker hat mir das Desinfektionsmittel geliefert, beim Raumausstatter Tasche habe ich den Mundschutz gekauft, und die Plexiglasscheiben sind von Bracht & Hofmeister", sagt er. Die Stimmung habe sich seit Mitte März deutlich verbessert. „Ich will nicht sagen, dass wir anfangs unter Schock standen, aber es war alles ungewiss." Jetzt zahle sich sein Webshop aus. Viele Kunden bestellen bei Niehaus übers Internet oder Telefon und holen sich die Waren ab oder lassen sie sich in Lemgo und Umgebung liefern. „Die meisten Kunden sind sehr flexibel und die Resonanz ist sehr sehr gut", sagt Niehaus. Vor allem Gesellschaftsspiele sind momentan sehr gefragt. Mit der Bank und seinem Steuerberater hat er schnell Lösungen für die gröbsten Problembereiche gefunden: „Ostern ist ja wie eine Saison für uns. Wir haben viele Warenlieferungen bekommen, Tilgungen, Rechnungen, Gehälter müssen bezahlt werden." Auch in seinem Geschäft wird Kurzarbeit eingesetzt. „Wir wurschteln uns da durch." Expert Bening: Vorbereitungen vorerst umsonst So ganz nachvollziehbar ist die Entscheidung der Bundesregierung für Thomas Wüsthoff von Expert Bening nicht. Es gibt auch die großen Läden in Lippe. Der stellvertretende Leiter der Filiale in Detmold: „In Detmold haben wir knapp 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche, in Lemgo sind es mehr als 1700. Wir können viel besser Räume und Möglichkeiten schaffen, um Schutzbestimmungen zu erfüllen." Das hat er mit seinem Team bereits getan, weil die Möglichkeit ja im Raum stand, dass alle Geschäfte ab Montag wieder geöffnet sind. „Wir haben Spuckwände an den Kassen aufgestellt, „Einbahnwege zwischen den Regalen geschaffen, den Ein- und Ausgang aufgeteilt sowie Desinfektionsmittel bereitgestellt. Es ist alles da, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen." Telefonisch und per Internet können Geräte zur Abholung und Lieferung bestellt werden. „Das wird gut angenommen von den Kunden." Auch Modehaus Schlichting muss geschlossen bleiben Was wird besonders nachgefragt? Das Stichwort Homeoffice fasst die Verkaufsschlager gut zusammen. „Notebooks, Webcams, Monitore gehen gut. Zudem auch Rasierapparate und Zubehör. Den gleichen Umsatz wie mit einem offenen Geschäft erreicht Expert Bening – wie viele andere Einzelhändler auch – gleichwohl nicht. „Viele Kunden sind ja ebenfalls in Kurzarbeit und werden vielleicht nicht mehr dasselbe Geld zur Verfügung haben", dämpft er die Hoffnungen vieler. Auch sein Team ist in Kurzarbeit. Arbeiten normalerweise an die 30 Menschen in der Detmolder Filiale, sind es momentan acht. Unverständnis über die Ungleichbehandlung der Einzelhändler äußert auch Thomas Voss, der das Modegeschäft Schlichting in Lage führt. Die Situation sei für den inhabergeführten mittelständischen Fachhandel ohnehin dramatisch. „Das ist Wettbewerbsverzerrung: Wir sind in Lage das einzige Geschäft, das nicht aufmachen darf." Wie sich das Kaufverhalten der Kunden bei Wiedereröffnung entwickele, könne er nur schwer abschätzen. Er gehe davon aus, dass das Geschäft langsam wieder anlaufen werde. „Jeder Bürger hat es selbst in der Hand, die Lebensqualität seines Standortes mitzubestimmen, in dem er dort kauft, wo er wohnt."