Erste Waldbrände in Lippe - Landwirte hoffen auf Regen

Niklas Böhmer

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Einsatzkräfte der Barntruper Feuerwehr löschen brennenden Waldboden im „Krähenholz".  - © Feuerwehr Barntrup
Einsatzkräfte der Barntruper Feuerwehr löschen brennenden Waldboden im „Krähenholz".  (© Feuerwehr Barntrup)

Kreis Lippe. Ein Blick auf die Wetterprognosen für die nächsten Tage zeigt, dass Niederschläge auch weiterhin auf sich warten lassen werden. Während sich gerade in Zeiten der Coronavirus-Krise die meisten Menschen über das schöne Wetter freuen, erwarten Landwirte sehnlichst den ersten Regen. "Der April ist deutlich zu trocken", muss Dieter Hagedorn, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Lippe, feststellen.

Wie der Verband in einer Mitteilung schildert, leidet die Vegetation unter Trockenstress, der sich auf den Feldern, in den Gärten und den Wäldern widerspiegelt. Zusammen mit den Schäden durch den Borkenkäfer sei dies eine große Gefahr. Die Waldbrandgefahr sei schon jetzt sehr hoch. Erst am vergangenen Dienstag hatte ein Waldstück in Horn-Bad Meinberg auf einer Fläche von 600 bis 700 Quadratmetern gebrannt. Am Wochenende stand das Unterholz in einem Barntruper Waldgebiet in Flammen. Anfang April konnte die Feuerwehr Lügde bei einem Flächenbrand zwischen Falkenhagen und Rischenau Schlimmeres verhindern.

Vertrocknetes Gras und Laub sind leicht entzündlich

„In trockenen Frühjahren besteht die höchste Waldbrandgefahr, weil die vertrockneten Gräser und das vertrocknete Laub aus dem Vorjahr unheimlich leicht entzündlich sind und sich ein Waldbrand zunächst über ein Bodenfeuer verbreitet und dann auf die Bäume überschlagen kann", erklärt Andreas Roefs vom Regionalforstamt. Förster und Waldbesitzer seien bereits in in „Hab-Acht-Stellung", um im
Fall des Falles sofort handeln zu können.

- © Grafik: Land NRW
Waldbrandgefahr (© Grafik: Land NRW)

Permanente Kontrollgänge zeigten, dass Laubstreu, Bodenflora und liegendes Holzmaterial derartig trocken seien, dass ein kleiner Funke eine Katastrophe auslösen könne. Das Rauchen im Wald ist bis Ende Oktober ausdrücklich untersagt. Es gehe auch darum, keine Flaschen achtlos zu entsorgen, weil der „Brennglaseffekt" tatsächlich Feuer entfachen könnte. Auch aus dem Autofenster geworfene Zigarettenkippen können zu Feuern führen.

Flaschen und Zigarettenkippen begünstigen Bodenfeuer

Den lippischen Landwirten habe in diesem Jahr besonders der regenreiche Februar in die Karten gespielt, um bessere Voraussetzungen schaffen zu können. So seien die Böden im Vergleich zum Vorjahr bis Mitte März gut mit Wasser gefüllt gewesen. „In diesem Jahr hat es im Februar dreimal so viel geregnet wie normal", so Hagedorn. Teilweise habe es so viel geregnet, dass auf den Feldern und in den Wiesen das Wasser gestanden hätte.

Mittlerweile sei der Status quo jedoch ein anderer: Die oberen Bodenschichten trocknen durch die Sonne und den Wind zunehmend aus. Auf den leichteren Standorten sind Anzeichen von Trockenstress bei den Ackerkulturen erkennbar. „Die Monate April und Mai sind für die späteren Erträge beim Getreide entscheidend. In dieser Zeit werden die Anlagen für die Getreideähren und das Korn gebildet", erklärt Vorsitzender Hagedorn.

Auch in den Wiesen und Weiden wachse das Gras aufgrund der Trockenheit nicht. Damit fehle die Grundfutterversorgung fürs Rindvieh, mit Engpässen hätten Halter schon in den zwei Jahren zuvor zu kämpfen gehabt. Und auch wenn zumindest in den nächsten Tagen nicht damit zu rechnen ist, bleibt laut Hagedorn nur das Hoffen "auf wüchsiges Wetter mit ergiebigen Regenfällen", denn Platzregen hätte den gegenteiligen Effekt.

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