Kreis Lippe. Der weiter andauernde Lockdown geht auch an die Substanz des Automobilhandels. Laut der Kfz- und Mechaniker-Innung Lippe werde es immer schwieriger, Aufträge zu generieren. Umsatzeinbrüche bei den Betrieben von 60 bis 70 Prozent seien die Regel. Die Hoffnung ruhe nun auf der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch und einem Konzeptplan, der aufzeigt, dass Autohäuser keine Corona-Hotspots sind.
„Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Kfz-Verbandes ergibt Auftragsrückgänge im Privatkundengeschäft bei Neuwagen im Januar 2021 um 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", wird Andrea Hegerbekermeier, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, in einer Pressemitteilung zitiert. Das bestätigt auch Obermeister Dirk Eilers und spricht sogar von Einbußen von bis zu 70 Prozent.
Stellflächen laufen voll
Dirk Eilers sagt: „Selbst finanzstarken Händlern geht langsam die Puste aus: Die Stellflächen laufen voll, sei es mit Leasing-Rückläufern, Vorführwagen oder im Vorjahr bestellten Lagerfahrzeugen, aber es kann kaum Ware abfließen." Diese Fahrzeuge müssten finanziert werden, was zu enormer Kapitalbindung führe. Außerdem sei es momentan kaum möglich, die Fahrzeugbestellungen für das extrem wichtige Frühjahrsgeschäft zu kalkulieren. Existenziell wichtig sei eine klare, verbindliche Regelung zur Wiedereröffnung des Automobilhandels.
„Autohandelsbetriebe sind keine Corona-Hotspots. In der vergangenen Woche hat der Verband dem Bundeswirtschaftsminister einen Konzeptplan unterbreitet, wie der Handel unter Heranziehen von Inzidenzwerten und in Kombination mit einer konkreten Gefährdungsbeurteilung schrittweise wieder geöffnet werden kann", betont Andrea Hegerbekermeier.
Das Konzept steht
Der Konzeptplan schlage eine typisierte, auf bestimmte Branchen oder Tätigkeitsbereiche bezogene Betrachtungsweise unter Berücksichtigung der Inzidenzzahlen vor. „Taugliche Parameter für eine solche typisierte Beurteilung sind etwa die für den Kundenverkehr üblicherweise eröffnete Fläche im Verhältnis zur Kundenfrequenz, die Notwendigkeit oder Vermeidbarkeit direkten physischen Kontakts zwischen Personen sowie sonstige infektionsrelevante Spezifika", heißt es in dem Plan.
Inzidenzzahl und Gefährdungsbeurteilung müssten sich bei der vorgeschlagenen Vorgehensweise zueinander verhalten wie kommunizierende Röhren: Je niedriger die Inzidenzzahlen sinken, desto höher dürfe der Gefährdungsgrad sein, den eine Branche als Voraussetzung für die Wiedereröffnung nicht überschreiten darf – und umgekehrt. Dabei sollten als Puffer zweckmäßigerweise Überlappungsbereiche definiert werden, damit es bei pendelnden Inzidenzwerten nicht zu ständigen, unberechenbaren Hin-und-Her-Effekten komme.
„Werden solche Kriterien zugrunde gelegt, zählen insbesondere die Autohäuser zu den ersten Kandidaten für eine Wiedereröffnung der Verkaufstätigkeit, da von ihnen so gut wie keine Infektionsgefahr ausgeht ", unterstreicht die Geschäftsführerin.