Sanierung schreitet voran: Ein Drittel mehr Tageslicht für das Kreishaus

Martin Hostert

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In 13 Abschnitten wandert die Baustelle um das Kreishaus. Uwe Schulte vom Technischen Gebäudemanagement steuert das Millionenprojekt.  - © Martin Hostert
In 13 Abschnitten wandert die Baustelle um das Kreishaus. Uwe Schulte vom Technischen Gebäudemanagement steuert das Millionenprojekt.  (© Martin Hostert)

Kreis Lippe. Der Kreistag ist frisch gewählt, der Landrat bestätigt, die Verwaltungsspitze wird neu organisiert – aber das Kreishaus verändert sich auch baulich deutlich. 15.500 Quadratmeter Fassade bekommen unter der Federführung des Architekturbüros Pape oder Semke ein deutlich helleres Kleid – darunter mehr als 6000 Quadratmeter Fensterfläche.

Es gibt außerdem neue Sanitäranlagen und verbesserten Brandschutz. Es geht um Klimaschutz. Das Ziel des gesamten Projektes ist, 3900 Tonnen CO2 im Jahr einzusparen. Die erste Erfahrung: An den kalten Tagen Anfang Februar lief die Heizung in den Büros hinter der bereits erneuerten Außenhaut nur auf Minimum.

6000 Quadratmeter Fensterfläche werden ausgetauscht – im Ergebnis gibt es ein Drittel mehr Tageslicht. - © Martin Hostert
6000 Quadratmeter Fensterfläche werden ausgetauscht – im Ergebnis gibt es ein Drittel mehr Tageslicht. (© Martin Hostert)

„In 13 Abschnitten wandert die Baustelle um das Kreishaus"

Im Sommer 2019 hatten Land und EU die Förderung zugesagt, nachdem es zuvor schon einmal eine Absage gegeben hatte. Die Fassade wird mit einblasbaren Zellulosefasern gedämmt und mit zwei Millimeter dünnen, recycelten Aluminiumblechen verkleidet. Überlegungen, komplett mit Holzelementen zu arbeiten, waren bald verworfen worden – sie wären nicht mit Brandschutzauflagen in Einklang zu bringen gewesen. „In 13 Abschnitten wandert die Baustelle um das Kreishaus", erklärt Kreiskämmerer Rainer Grabbe. Bis August 2022 soll die neue Fassade fertig sein.

Einige Büros können aufgrund der Bauarbeiten nicht genutzt werden, die meisten der 523 Büros sind aufgrund der Einzelbesetzung und der Corona-Hotline jedoch belegt. Mitarbeiter sind in Ausweichbüros oder im Home-Office. Vieles geht aber nur im Büro, Kundenkontakt sowieso nur, und viele Akten dürfen nicht mit nach Hause genommen werden. Im alten Telekom-Gebäude hat der Kreis daher Räume angemietet.

Viel Dämmung, neue Leitungen

Bei einem Rundgang schieben Projektsteuerer Uwe Schulte vom Technischen Gebäudemanagement und Rainer Grabbe von der Decke hängende Folien beiseite. Die Böden sind abgeklebt, die Deckenverkleidungen teilweise entfernt. „Wir nehmen die aufgrund des Brandschutzkonzeptes nicht mehr notwendige Glaswolle raus", erklärt Schulte. „Fachgerechte Entsorgung bedeutet einen hohen Aufwand." Zudem gibt es teilweise neue Datenleitungen für eine intelligente Gebäudeautomation. Überall lagert Dämmmaterial, die Holzfasern kommen in den Büros zum Einsatz. „Dies hat extrem große bauphysikalische Vorteile", erklärt Grabbe. Die Fenster gehen über den Passivhausstandard hinaus und wirken dank schmalerer Rahmen größer. Programmierbare Lüftungsklappen sorgen im Sommer für eine nächtliche Auskühlung. Im Ergebnis bekommen die Büros 30 Prozent mehr Tageslicht ab.

Die alten Fenster werden zu 60 Prozent recycelt – die Alurahmen werden eingeschmolzen. Sie hatten nicht nur in Sachen Klimaschutz ihre besten Jahre hinter sich, sondern sind nach 40 Jahren insgesamt abgängig. Sonnenschutz und Scharniere waren komplett hinüber, die Rahmen teilweise verzogen. „Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Eine Reparatur wäre uns ein Drittel teurer gekommen und hätte nur ein paar Jahre gehalten", hat Grabbe errechnet. Der damalige Kreishaus-Architekt Sigurd Scheuermann saß bei den Planungen mit am Tisch, habe sich begeistert gezeigt, was man alles machen kann.

In den Sanitärräumen soll es mehr Platz geben, die Gesamtzahl der Toiletten wird zugunsten der Barrierefreiheit von 119 auf 88 reduziert. Außerdem wird ein neues Wegeleitsystem geplant. Derweil überarbeitet die Gebäudewirtschaft das Raumkonzept unter Berücksichtigung von Digitalisierung und mobilem Arbeiten. Grabbe: „Es wird anders werden, als wir es seit Jahrzehnten kennen." Es wird auch Besprechungsecken geben. Sie sollen flexibles Arbeiten stärken, den Austausch mit Kollegen bei einem Kaffee auf dem Flur.

Klimapositiv

Die Sanierung des Kreishauses und der Sanitäranlagen senkt den Energiebedarf um 55 Prozent. Das entspricht nach Berechnungen des Kreises rund 1,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Die nicht mehr benötigte Fernwärme steht in Absprache mit den Stadtwerken Detmold im Quartier zur Verfügung. Finanziell spart der Kreis bei den Heizkosten etwa 122.000 Euro pro Jahr ein. Die CO2-Emission liegt aufgrund der ökologischen Gutschriften im negativen Bereich. Das sanierte Kreishaus präsentiert sich somit nicht nur klimaneutral, sondern klimapositiv. Die Kosten für die Fassadensanierung liegen insgesamt bei rund 19,72 Millionen Euro. Als Teil des Gesamtprojektes „Lippe_Re-Klimatisiert" fördern Land und EU die Sanierung mit 11,24 Millionen Euro, der Kreis bezahlt voraussichtlich 8,5 Millionen Euro.

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