Gendern oder nicht - das ist für den lippischen Kreistag die Frage

veröffentlicht

  • 11
Wird das Gendern in amtlichen Dokumenten des Kreises Lippe verboten? - © Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn
Wird das Gendern in amtlichen Dokumenten des Kreises Lippe verboten? (© Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn)

Kreis Lippe. Die Kreistagsfraktion von Freie Wähler/Aufbruch C fordert in einem gemeinsamen Antrag mit der CDU und der FDP eine einheitliche Sprachregelung für die Kreisverwaltung. Diese soll sich nach der Definition des Rates für deutsche Rechtschreibung richten.

„Die Gendersprache ist mit ihren Neuschöpfungen wie Sternchen, Doppelpunkten, Schräg- und Unterstrichen oder x-Endungen sperrig, kompliziert, unleserlich", erklärt der Fraktionsvorsitzende Andreas Epp in einer Pressemitteilung. Sie helfe zudem nicht dabei, zum Beispiel die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern. „Dies ist eine gesellschaftliche Aufgabe, bei der die Politik praktische Hilfestellungen geben kann und muss.

Die Veränderung von Sprache ist eher hinderlich, denn sie sorgt mehr für Spaltung, als dass sie in wichtigen Bereichen wie Diskriminierung und Ausgrenzung zu einer Verbesserung beiträgt." Wer mit Gendersprache versuchen müsse, eine Wirklichkeit zu konstruieren, der nutze Handlungsmöglichkeiten nicht aus, ergänzt Carsten Möller (FDP).

Die Verwaltung sei damit beschäftigt, das neue Corporate Design des Landrates umzusetzen und dürfe „gerade in Zeiten einer globalen Pandemie" nicht zusätzlich damit belastet werden, Sternchen, Schräg- und Unterstriche in Formulare und Vordrucke zu platzieren. Und der dritte Mann im Bunde der Fraktionsvorsitzenden, Andreas Kasper (CDU), ist sicher: Chancengleichheit der Geschlechter werde nicht durch Sprache erreicht, sondern durch Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass das eigene Potenzial voll entfaltet werden kann. „Wir wollen eine einheitliche, klare und einfache Sprachregelung für die gesamte lippische Kreisverwaltung".

Rot-Grün: „Krieg der Sternchen"

Mit einer Anspielung an den Star-Wars-Tag am vergangenen Dienstag schlagen SPD und Grüne im Kreistag wie einst das Imperium zurück. „Möge die Macht der Sprache mit uns sein", schreiben sie.

CDU, FDP und Aufbruch C hätten einen „Sternchenkrieg" begonnen, indem sie forderten, die Kreisverwaltung möge eine einheitliche Sprachregelung verfolgen.

Die Chancengleichheit aller Geschlechter sei zwar rechtlich verbrieft, im Alltag erlebten Frauen und Menschen mit diversem Geschlecht aber oft noch Diskriminierung und hätten schlechtere Chancen, schreibt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ilka Kottmann.

„Die drei männlichen Fraktionsvorsitzenden haben richtig erkannt, dass wir Handlungsbedarf haben, und dass die Sprache die Welt nicht alleine verändert." Was sie jedoch verkennen würden, seien die zahlreichen wissenschaftlichen Belege, dass Sprache sehr wohl die Wirklichkeit mitkonstruiere und dass das generische Maskulinum nicht klar als männlich, weiblich und divers verstanden werde. „Beim Wort ,Erzieher‘ denken die meisten sicher nicht an die überwiegende Anzahl von Frauen in diesem Beruf."

Daher stehe die Koalition hinter der Verwaltung, wenn diese versuche, alle Menschen in ihre Kommunikation mit einzubeziehen. „Und da ist die Kreisverwaltung nicht alleine. Die Duden-Online-Reaktion sowie zahlreiche Nachrichten- und Informationsformate haben das Gendern aufgegriffen", ergänzt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Inga Kretzschmar.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung habe seine Auffassung bekräftigt, dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden und sie sensibel angesprochen werden sollen. Der Rat wolle lediglich noch keine der Gender-Formen in das amtliche Regelwerk aufnehmen, sondern den Gebrauch weiter beobachten. „Deutsch ist eine wundervolle Sprache. Sie schafft es, Bilder im Kopf zu erzeugen. Wenn dies das Bild einer freien und vielfältigen Gesellschaft ist, hilft es uns dabei diese Schritt für Schritt in der Realität zu verwirklichen."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2021
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare