Neue Operationsmethode für Lungenkrebspatienten in Lemgo

Anja Imig

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Dr. Jan Groetzner (links) operiert den Patienten Jörg Siemann gemeinsam mit Professor Dr. René Horsleben Petersen (Mitte). - © Klinikum Lippe
Dr. Jan Groetzner (links) operiert den Patienten Jörg Siemann gemeinsam mit Professor Dr. René Horsleben Petersen (Mitte). (© Klinikum Lippe)

Kreis Lippe/Lemgo. Jörg Siemann hat schon einiges hinter sich. Nach einer Darmkrebserkrankung fanden sich im Rahmen einer Routineuntersuchung auffällige Gewebeneubildungen im Bereich der Lunge. Beschwerden machten diese ihm nicht, aber seine behandelnden Ärzte rieten ihm laut Pressemitteilung des Klinikums Lippe aufgrund der Vorerkrankung dennoch zum schnellen Handeln.

Segmentektomie ist der neue Trend

Ein Termin in der Klinik für Thoraxchirurgie in Lemgo brachte dann die Gewissheit: Der 73-Jährige hatte nun auch noch einen Tumor in der Lunge. "Herr Siemann ist einer der ersten Patienten, die wir am Klinikum Lippe mittels Segmentektomie operiert haben. Diese Operationsmethode ist der neue Trend in der Lungenkrebschirurgie", berichtet Dr. Jan Groetzner, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Klinikum Lippe und Leiter des Lungenkrebszentrums Lippe.

Ein Lungenflügel ist anatomisch in Lappen und diese wiederum in zwei bis fünf Segmente aufgeteilt. Ein Lungensegment ist also sozusagen die kleinste Einheit der Lunge. "Wenn es uns als Chirurgen daher möglich ist, bei einer notwendigen Lungengewebsentfernung nur ein Segment statt eines ganzen Lungenlappens zu entfernen, profitiert der Patient davon. Schließlich führt jede Reduzierung des Lungengewebes zwangsläufig ja auch zur verminderten Lungenkapazität und die Patienten leiden möglicherweise unter Luftnot und Kurzatmigkeit", betont Groetzner.

Der erfahrene Lungenchirurg sagt weiter: "Wichtig ist für uns Chirurgen und für die Lebensqualität der Patienten immer, dass der Tumor im gesunden Gewebe komplett entfernt wird. Soll heißen, dass wir zwar so wenig Gewebe wie möglich entfernen wollen, um die Lungenkapazität bestmöglich zu erhalten, aber dennoch einen gewissen Sicherheitsabstand zum Tumor einhalten müssen, um die Gefahr des Wiederauftretens von Krebs zu minimieren. Eine erst kürzlich im Fachmagazin ,The Lancet' veröffentlichte Studie aus Japan verglich deshalb die Effektivität und die Lebenserwartung der Patienten nach einer Segmentektomie mit der bisher üblichen Lobektomie, bei der statt eines Lungensegments ein ganzer Lungenlappen entfernt wird. Das Erstaunliche daran ist, dass bei kleineren Lungentumoren, also bösartigen Geschwüren, die kleiner als zwei Zentimeter sind, die deutlich schonendere Segmentektomie mindestens genauso gute Ergebnisse erzielt."

Farbstoff Indocyaningrün wird gespritzt

Die Segmentektomie ist aufgrund der Lungenanatomie deutlich anspruchsvoller als die Entfernung eines ganzen Lungenlappens, da die Segmentgrenzen mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Um diese dennoch darzustellen, nutzen die Chirurgen die so genannte ICG-Technik. Der Chefarzt erklärt: "Die Durchblutung des befallenen Segmentes wird unterbrochen und in die Blutgefäße des Patienten wird der Farbstoff Indocyaningrün gespritzt. Mittels einer Infrarotkamera leuchten die gesunden Lungensegmente grün, das befallene Segment jedoch nicht, so dass dieses an der ersichtlichen Segmentgrenze abgesetzt wird."

Bei der Einführung der neuen OP-Technik hatte das Team um Dr. Jan Groetzner laut Mitteilung prominente Unterstützung. Im August war Prof. Dr. René Horsleben Petersen vom Rigshospitalet Copenhagen am Klinikum Lippe in Lemgo zu Gast. Petersen verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der minimalinvasiven Thoraxchirurgie, hat in den vergangenen zehn Jahren ein VATS-Segmentektomie-Programm entwickelt und bis dato mehr als 350 Operationen dieser Art mit guten Ergebnissen durchgeführt.

Patienten nach wenigen Tagen wieder auf den Beinen

Erst kürzlich veröffentlichte er im "British Journal of Surgery" eine Studie, dass die mittlere Krankenhausverweildauer nach einer Standard-VATS-Lobektomie in Dänemark zwei Tage beträgt. Ganz so schnell war Jörg Siemann nicht wieder auf den Beinen. Dennoch konnte er nach einer Woche bereits wieder nach Hause entlassen werden. Im Gespräch mit dem Chefarzt, gut anderthalb Wochen nach der Operation, berichtet er, dass die Spaziergänge mit seiner Frau schon immer ausgedehnter werden. "Für einen Patienten, der gerade erst an der Lunge operiert wurde, keine Selbstverständlichkeit", betont Dr. Groetzner.

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