Augustdorf. Mit der Vereidigung drückt der Soldat seine besondere Verbundenheit zur Bundesrepublik Deutschland und ihren Werten und Normen aus. Soweit die Idee hinter dem Gelöbnis - für 142 Männer und acht Frauen war am Wochenende der Zeitpunkt für eben jene Vereidigung gekommen. In der Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne bot sich mit dem Gelöbnis auch für viele Zivilisten, also Angehörige, Frauen oder Kinder der Rekruten, die Chance einen Blick „hinter die Kulissen“ des Flecktarns zu werfen. Sechs Soldaten standen letztendlich stellvertretend an der Fahne und legten den Eid ab. Hier mit den Worten: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“Gelöbnisveranstaltungen sind naturgemäß besser durchgeplant als eine „Wetten-dass “-Show. Ein Panzer hier, ein Hubschrauber dort, die Gäste am Hang oder in einem kleinen Festzelt, die „Augen geradeaus“ und klare Reihenfolgen für Fahnenabordnungen oder das Heeresmusikkorps Kassel mit Märschen wie „Fredericus Rex“. Mittendrin nicht nur die Rekruten, sondern auch Ehrengäste, die ein paar Minuten ans Mikrofon treten. Eines der ältesten Bataillone Diesmal war es Stephan Prinz zur Lippe, der zuvor mit Oberstleutnant Sven Scharnitzki einmal ein Hufeisen innerhalb des Scharnhorst-Platzes abschreiten durfte. Vorbei an Soldaten und der Gewissheit, dass „Bataillon - Stillgestanden!“ genau das meint.Scharnitzki hatte zur Begrüßung erst mal die viele hundert Menschen umfassende Gästegruppe im Blick, als er stellvertretend für die Patengemeinden Markus Baier (Lemgo) sowie seine Amtskollegen Dirk Becker aus der Bergstadt Oerlinghausen, Thomas Kratzer (Augustdorf) oder für alle nicht aktiven Soldaten des PzGrenBtl 212 Generalleutnant a.D. Richard Roßmanith (aus Lemgo) für seine Anwesenheit dankte. Nur mit seinem Blumenstrauß für die Dame, die die weiteste Anreise auf sich genommen hatte, fand er spontan keinen Abnehmer. Eine Mutter wollte 1220 Kilometer aus Ungarn zum Gelöbnis ihres Sohnes anreisen, war aber womöglich noch im Stau steckengeblieben. Scharnitzki kurz über seine ur-eigene Arbeitswelt: „65 Jahre, damit ist das Panzergrenadierbataillon 212 eines der ältesten Bataillone Deutschlands. Insgesamt 17 Auslandseinsätze wurden durch die lippischen Panzergrenadiere durchgeführt.“ Die 65 Jahre feierte man übrigens nach dem Gelöbnis mit den Angehörigen nur wenige 100 Meter entfernt auf einem Festplatz mit Speis und Trank sowie einer Schau mit Technik und Fahrzeugen. Und auch Redner Stephan Prinz zur Lippe wusste mit einer Bundeswehr-Vergangenheit zu überzeugen. Sagte er doch gleich zu Beginn: „Ich habe selbst vor nunmehr fast 45 Jahren bei dem Panzergrenadierbataillon 212 meinen Wehrdienst abgeleistet und mich über Wehrübungen hinweg zu einem Reserveoffizier entwickelt. Die Armeezeit hat viele Eindrücke bei mir hinterlassen. Ich habe hier Kameradschaft und Abenteuer erlebt, habe Vorgesetzte verehrt und verflucht, bin an die Grenzen meiner physischen und psychischen Leistungsfähigkeit gekommen und habe mich für Militärtechnik begeistern lassen. Unvergessen ist die Einladung des Bataillons zu einem Besuch im Kosovo im Jahr 2001, zusammen mit Rainer Austermann, dem damaligen Bürgermeister von Lemgo.“ Kameradschaft fürs Leben Stellvertretend für alle 150 Rekruten, für die das Gelöbnis terminiert wurde, durfte einer von der Truppe sogar ans Rednerpult, ein 36-Jähriger Kölner wollte über die Erfahrungen seiner ersten Monate berichten. Im O-Ton sagte der Soldat: „Das feierliche Gelöbnis, zu welchem wir heute angetreten sind, ist nicht nur irgendein formelles Antreten an einem sonnigen Samstag in Augustdorf. Es ist ein besonderer und vor allem einmaliger Tag im Leben eines jeden Soldaten, an dem er offiziell Teil einer Gemeinschaft wird, die wir Kameradschaft nennen. Eine Kameradschaft, die nicht bei Dienstschluss oder am Kasernentor endet, sondern uns ein Leben lang begleitet.“ Notiz am Rande: Nach der Corona-Pandemie haben sich nicht nur junge Menschen im Alter von 18 bis 20 Jahren der Bundeswehr angeschlossen, selbst Männer zwischen 30 und 35 haben sich beruflich neu orientiert und sich für einen weiteren Berufsweg im Uniform entschieden.