Kreis Lippe. Beinah hinter jedem Tier, das im Tierheim landet, steckt eine oft tragische Geschichte. Viele Hunde und Katzen finden schnell ein neues Zuhause. Aber es gibt sie: die Dauerbewohner. Die, die niemand haben will. Die LZ hat alle lippischen Tierheime gefragt: Welche Tiere haben kaum eine Chance auf Vermittlung? Welche Tiere werden vermutlich ihr gesamtes restliches Leben im Tierheim verbringen? Herausgekommen ist eine Liste mit 14 Hunden und Katzen sowie einem Kaninchen. Diese Tiere gelten bei den Tierheimen als nahezu unvermittelbar. Die Schicksale berühren. Ein Fünkchen Hoffnung setzen die Tierheime jetzt auf die LZ. Sie haben für den Bericht nicht nur viele Infos zum Tier selbst zusammengetragen, sondern geben auch eine Einschätzung von den Hauptbezugspersonen im Tierheim. Da ist zum Beispiel die achtjährige Mischlingshündin Anita, die von einem anderen Tierschutzverein zum Franziskushof nach Kalletal vermittelt wurde, um so vielleicht eine Chance auf ein neues Heim zu haben. Es ist durchaus gängige Praxis, das Tierheime und Tierschutzorganisationen die schwierigeren Fälle nach einer gewissen Zeit austauschen, um vielleicht doch noch ein geeignetes Zuhause für ihren Schützling zu finden. Pseudoschmerzen nach Unfall So auch im Fall von Anita. Die Hündin trägt von einem Autounfall große Narben auf ihrem Körper. Besonders schlimm sind aber die Pseudoschmerzen, die das Tier ertragen muss. Medikamente helfen. Dazu leidet die Hündin im Alter immer mehr unter Stimmungsschwankungen. Ihre Inkontinenz ist ein weiteres großes Problem. Das alles lässt eine Vermittlung in weite Ferne rücken. Der Franziskushof geht zudem davon aus, dass Anita einen Umzug nicht verkraften würde. Sie wird vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft in Kalletal sterben - gesucht werden für die süße Hündin daher Spender oder Paten. Besitzer verstorben Rambo bringt ebenfalls einen gefüllten Rucksack an Erfahrungen mit: Er wurde vom Tierheim vor fünf Jahren vermittelt. Doch er hat sein Zuhause verloren, weil sein Besitzer verstorben ist. Anfang Mai 2022 kam er wieder zurück ins Tierheim. Er hat dann deutliche Stereotypen wie Kreisdrehen entwickelt und soll deshalb zum neuen Jahr auf eine Dauerpflegestelle umziehen, weil er im Tierheim nicht wirklich klarkommt. Auch die Geschichte von Basti berührt. Als Welpe kam er von der rumänischen Tierauffangstation Smeura nach Deutschland. Lebte erst in einer privaten Pflegestelle, danach lange im Zwinger und wartet nun seit mehr als 280 Tagen im Salzufler Tierheim auf seine neuen Besitzer. Bisher vergeblich. Was viele abschreckt: Basti fasst nur sehr schwer Vertrauen zu fremden Personen und er verteidigt seine Ressourcen - auch mit den Zähnen. "Da müssten sich schon sehr erfahrene Hundeleute bei uns melden", schreibt Melanie Vogt vom Tierheim über seine Aussichten auf Vermittlung. Hunde lernen ihr Leben lang Dabei ist Basti erst sechs Jahre alt - muss er noch einmal sechs Jahre im Tierheim verbringen? Eine Antwort hat das Tierheim nicht. Mit viel Training versuchen die Mitarbeiter, Bastis Probleme in den Griff zu bekommen. Aber je länger ein Tier im Tierheim ist, desto schwieriger kann eine Eingewöhnung in einer Familie sein, weiß Hundeflüsterer Mustafa Irmak. "Natürlich lernen Hunde ein Leben lang. Auch älteren Tieren kann man noch Dinge beibringen. Es dauert nur deutlich länger", weiß der Hundetrainer aus Erfahrung. Was bei Tierheim-Hunden oft noch zum Tragen komme: "Die Tiere können in einem familiären Umfeld noch einmal ganz andere Verhaltensweisen aufzeigen, wenn sie nach vier bis sechs Wochen wirklich angekommen sind." In unserer Galerie finden Sie alle Tiere mit Lebenslauf und Einschätzung des Tierheims. Und noch eine Ergänzung: Nicht für jedes Tier bedeutet der Aufenthalt in einem Tierheim eine Qual. Es gibt Tiere, die können sehr gut und sehr glücklich dort sein und verbringen ihre Zeit mit festen Strukturen, klaren Regeln, Zuwendung durch feste Betreuer und mentalen Herausforderungen zum Beispiel durch Training mit Hundetrainern. Tierheime überlastet Lediglich: Die Aufgabe der Tierheime ist natürlich in erster Linie die Sicherung und Vermittlung von Tieren. Immer wieder werden Katzen oder Hunde einfach ausgesetzt oder aus miserablen Verhältnissen heraus beschlagnahmt. Die Tierheime platzen aus allen Nähten und haben kaum Kapazitäten, um neue Notfälle aufzunehmen. Zudem fehlt es oftmals auch einfach an Geld. Die meisten Tierheime sind daher auf Spender oder Paten dringend angewiesen - und natürlich auf Menschen, die einem Tierheim-Tier ein neues Zuhause geben wollen.