Kalletal. Seit genau einem Jahr nimmt der Tierschutzverein Franziskushof in Echternhagen, zusätzlich zu den Kalletaler Fundtieren, auch heimatlose Vierbeiner aus Lemgo, Extertal, Dörentrup und Barntrup auf. Diese Steigerung von eins auf fünf war für die Verantwortlichen des Vereins eine „große Herausforderung, die es zu meistern galt“, wie Sina Endler vom Vorstand erklärt. Ein Weg der Hoffnung 188 Fundtiere landeten im Jahr 2025 in dem Tierheim mit dem selbst gewählten Motto „Ein Weg der Hoffnung“. Von den 33 Hunden wurden drei nicht abgeholt, zwei vermittelt. Lediglich einer blieb im Tierheim zurück. Bei den 134 Fundkatzen sieht das ganz anders aus. Nur 15 von ihnen waren entlaufen und die Besitzer meldeten sich, um sie wieder abzuholen. Neben Katzen und Hunden gab es auch sechs Schildkröten, die gefunden wurden, zwölf Kaninchen sowie eine Ratte, ein Kanarienvogel und einen Hahn. „Man wundert sich gerade bei den Hunden, dass drei der Fundhunde von niemandem vermisst wurden“, erklärt Sina Endler diplomatisch. Der Tierfreundin ist klar, dass diese Tiere gezielt ausgesetzt wurden, weil sie in ihrem Zuhause nicht mehr erwünscht waren. Zwei der drei Ungewollten fanden über den Franziskushof schnell neue Besitzer. Nur einer, der blieb übrig. Es ist Matz, ein schwarzer dreijähriger Mischling, der die typische Geschichte eines ausgesetzten Tieres erzählt. „Er lief im Mai durch Bavenhausen“, erinnert sich Endler an den quirligen Hund. Nachdem Anwohner auf ihn aufmerksam wurden, sammelte die Lemgoer Polizei den kleinen Kerl ein und brachte ihn zum Franziskushof. Polizisten machen einen Super-Job „Wir erhalten viele Fundtiere von der Polizei in Lemgo. Die Polizisten machen im Umgang mit den Tieren einen Super-Job und haben auch schon einmal ein Fundtier über Nacht betreut“, erklärt Endler. Matz durfte am Fundtag erst einmal im Tierheim ankommen. Danach nahmen die Mitarbeiter Kontakt mit ihm auf – und wunderten sich. „Matz war so menschenbezogen und freundlich zu uns. Wir konnten uns nicht erklären, warum er ausgesetzt wurde“, erinnert sich Endler. Dass er ausgesetzt wurde, ist für sie vollkommen klar, denn „wir haben gute Verbindungen zu Hundebesitzern in Bavenhausen. Wäre das ein Hund aus dem Dorf gewesen, dann wäre er schnell wieder zu Hause gelandet“. Beim obligaten Tierarztbesuch stellte sich heraus, dass Matz weder kastriert noch gechipt war – also auch nicht nachvollzogen werden konnte, wo er hingehört. Beides ist mittlerweile vom Tierschutzverein veranlasst worden. Dennoch ist Matz immer noch in der Betreuung vom Franziskushof. „Wir können uns nun, nachdem wir ihn besser kennen, erklären, warum er wohl ausgesetzt wurde. Er ist sehr quirlig und steigert sich beim Spielen sehr in die Sache rein. Außerdem ist er nicht mit allen Hunden gut Freund. Er war bereits einmal vermittelt, kam aber zurück. Jetzt geht Matz bereits in den zweiten Kurs in der Hundeschule und lernt ganz prima“, freut sich Endler, die sich auch für dieses Fundtier ein gutes neues Zuhause wünscht. Alle Katzen werden kastriert Beim Blick auf die Fundkatzen wird Endler nachdenklich. Lediglich 15 von 134 Tieren konnten an ihre Besitzer zurückgehen. Die Zahl der Fundkatzen ist so groß, weil einige der Tiere tragend waren und im Tierheim geworfen haben. „Da kommen dann sehr schnell viele Tiere zusammen“, erklärt Endler, die mit ihrem Team dafür sorgt, dass alle Katzen in Tierheimobhut kastriert werden. Für die scheuen „Wildfänge“ habe man danach Anlaufstellen oder entlasse sie, wenn der Fundort sicher ohne Autoverkehr war, zurück in die dort gewohnte Freiheit. Nicht wenige Katzen bleiben aber im Tierheim, was zur Folge hatte, dass der Franziskushof im Jahr 2025 keine Abgabetiere aufnehmen oder anderen Tierheimen mit der Übernahme von Katzen helfen konnte. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. Der Verein plant einen geschätzt rund 70.000 Euro teuren Anbau an die bestehende Katzen-Quarantäne-Station. Damit würden auf einen Schlag die Aufnahmeplätze von acht auf 40 steigen. Dafür will der Verein nun Spenden sammeln. Das Fazit des abgelaufenen Jahres ist für den rund 400 Mitglieder zählenden Verein insgesamt positiv. Die laufenden Kosten könne man, nachdem die neue Heizung dank Spenden bezahlt sei, aus eigener Kasse tragen. Die Vermittlungsquote sei gut. Im Tierheim leben derzeit 15 Hunde und rund 60 Katzen, womit das Katzenhaus aber immer noch ausgebucht ist. Das Team sei motiviert und auch für Kaninchen, Hahn, Ratte, Kanarienvogel und die Schildkröten habe man eine Bleibe gefunden.