Kreis Lippe. Ein längerer Stromausfall, eine Cyberattacke, schwere Unwetter oder andere Katastrophen können vielfältige Folgen haben - und unter anderem die Trinkwasserversorgung tage- oder wochenlang lahm legen.
Damit genau das nicht so schnell geschieht - und um für den Notfall gewappnet zu sein - haben sich auf Einladung des Kreises Lippe mehr als 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der lippischen Kommunen, der ortsansässigen Wasserversorger sowie der zuständigen Behörden anderer OWL-Kreise in der Phoenix-Contact-Arena mit diesen Themen auseinandergesetzt.
Auf Katastrophen vorbereitet
Welch verheerende Auswirkungen beispielsweise starke Regenfälle und Hochwasser haben können, habe sich jüngst in Süddeutschland gezeigt. Dort sei die Infrastruktur vielerorts beschädigt oder gar vollkommen zerstört. „Umso wichtiger ist es, auf solche und andere Katastrophen vorbereitet zu sein. Die Aufrechterhaltung der Trinkwasserversorgung ist für die Bevölkerung von großer Bedeutung", wird Landrat Dr. Axel Lehmann in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung zitiert. „Unser Ziel ist es daher, gemeinsam mit den lippischen Städten und Gemeinden, den Stadtwerken und anderen Institutionen und Verbänden ein Konzept für die Trinkwassernotversorgung aufzustellen", ergänzt Sabine Beine, Verwaltungsvorständin beim Kreis Lippe.
Zum Auftakt hätten das Gesundheitsamt, das Umweltamt und der Bevölkerungsschutz des Kreises Lippe zu einer Vortrags- und Infoveranstaltung eingeladen. „Das Interesse war immens. Das zeigt, dass wir uns mit diesem Thema genau auf dem richtigen Weg befinden", freut sich Meinolf Haase, Leiter des Bevölkerungsschutzes beim Kreis Lippe.
Der Kreis Lippe verfüge zwar über mobile Notwasserversorgungssysteme. Deren Ressourcen seien bei Eintritt einer Großschadenslage aber begrenzt. „Beim Aufbau einer Trinkwassernotversorgung ist es daher unser Ziel, die leitungsgebundene Wasserversorgung zu härten sowie den ergänzenden Bedarf der leitungsungebundenen und mobilen Notwasserversorgungsressourcen zu ermitteln", erklärt Michael Eich vom Gesundheitsamt des Kreises Lippe.
Trinkwassernetze miteinander verbinden
„Härten" bedeute unter anderem, die Trinkwasserversorgung so aufzubauen, dass sie im Not- und Katastrophenfall weiter funktioniere. Eine Idee sei dabei, die verschiedenen Trinkwassernetze in Lippe miteinander zu verbinden, um beispielsweise beim Ausfall einer Wasserversorgungsanlage in Westlippe vereinfacht gesagt Wasser aus Nordlippe „umleiten“ zu können - oder, dass bei Stromausfall mithilfe von Notstromaggregaten die leitungsgebundene Wasserversorgung sichergestellt werden könne.
Eine entsprechende Risikoanalyse werde in Zukunft auch vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) eingefordert - und sei Voraussetzung für eine mögliche finanzielle Förderung von Härtungs- und Baumaßnahmen des Wassernetzes. Dabei hätten die Kommunen und die einzelnen Wasserversorger eine Mitwirkungspflicht.
Aufbau einer Notfallversorgung
In mehreren Fachvorträgen verschiedener Experten beschäftigten sich die Teilnehmer der Konferenz laut Pressemitteilung mit Grundsätzlichem zum Aufbau einer Notfallversorgung, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Am Ende hätten Michael Eich und Florian Scholle vom Kreis Lippe den Zuhörern einige Arbeitshilfen zur Erstellung einer Risiko- und Notfallversorgung an die Hand gegeben.
Diese müssten nun von den Kommunen und Versorgern weiter ausgearbeitet werden - ehe die Ergebnisse zusammengetragen und in ein Gesamtkonzept einfließen werden. Dies solle im Laufe der kommenden Monate geschehen. „Hervorzuheben ist hier auch die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden der anderen Kreise in Ostwestfalen-Lippe", wird Florian Scholle vom Gesundheitsamt des Kreises Lippe zitiert.