Kreis Lippe/ Lemgo. „Ohne uns geht in Zukunft nichts“ - so könnte man wohl die Bedeutung des Jugendkonvents der Synode der Lippischen Landeskirche beschreiben. Doch auch, wenn nicht alle Mitglieder ein Stimmrecht haben, so haben sie gleichwohl ein Rederecht. Und von dem machen sie auch Gebrauch. Es sei wichtig, dass Jugendliche und junge Erwachsene dabei seien, weil sie bisher zu wenig gehört worden seien, sagt Simon Stricker mit Nachdruck. „Es ist toll, jetzt sprechen zu können.“ Jugendliche könnten aus der Jugendarbeit unterschiedliche Aspekte und Perspektiven einbringen. „Wir werden gehört“, ergänzt Amelie Waldow, es werde nicht nur über die junge Generation gesprochen, gehe nicht mehr nur um die Meinung anderer, sondern um die eigene. Wichtig auch im Hinblick auf die Zukunft, denn denke man an die, müsse man auch an die zukünftigen (Kirchen-)Steuerzahler denken - „ohne Kinder und Jugendliche kommt kein Geld rein“, erklärt Mirja Wöhrmann. Nicht auf Altlasten sitzenbleiben Doch warum ist es den Jugendlichen wichtig, dabei zu sein? Kirche müsse und werde sich verändern, die Kirche der Zukunft müsse so sein, „wie wir sie brauchen“, sagt Madeleine Geuting. Und nicht, wie die Älteren es entschieden, dann würde die Jugend nur auf „Altlasten“ sitzen bleiben. Es soll nicht nur geredet werden, ergänzt Mirja Wöhrmann, „sondern gemacht. Wir wollen Resultate sehen.“ Dazu müsse Kirche umsichtiger und weitsichtiger werden. Und „offener und transparenter“, wie Franka Pieper sagt. Und die Mitglieder des Jugendkonvents wollen die Interessen der Jugendlichen auf der Synode vertreten. So hatten sie im Vorfeld ein kurzes Video bei Facebook veröffentlicht. Dort heißt es: „Damit junge Menschen in unseren Gemeinden gehört und ihre Interessen sichtbarer werden“. Sie wollten „wichtige Themen mitdiskutieren und unsere Meinung äußern“. Jugend ist Zukunft Der Jugendkonvent ist zum ersten Mal bei einer Synode dabei, inklusive Rederecht. Basis sei das Kinder- und Jugend-Vertretungsgesetz, das auf der vergangenen Synode einstimmig beschlossen worden war. Zukünftig sollen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen über Kinder- und Jugendvertretungen dabei sein. Zwei Jugendliche haben Stimmrecht, diese Regelung gibt es allerdings bereits seit 2018. Nicht umsonst stand diese Synode unter dem großen Stichwort „Zukunft“. Denn auf die ist der Blick gerichtet, sei es bei den Finanzen, der Entwicklung der Gemeinden oder dem Bild der Kirche, Stichwort „Corporate Identity“ (zu Deutsch: Unternehmensidentität). Und die Jugendlichen von heute werden die sein, die in Zukunft mit den Auswirkungen der Entscheidungen im Jetzt umgehen müssen. m die Veränderungsprozesse zu unterstützen, hat die Synode einen Corporate Identity Prozess für die Landeskirche auf den Weg gebracht, der im kommenden Jahr starten soll. Das Leitbild soll weiterentwickelt werden. Es geht auch um die Prägung des Umgangs miteinander sowie um das Corporate Design. Ziel eines neuen Designs ist, dass die Lippische Landeskirche in der Öffentlichkeit moderner und ansprechender auftritt. Außerdem soll Kirche ein attraktiver Ort sein, um dort zu arbeiten oder sich ehrenamtlich zu engagieren. Erprobungsräume Ein Kernstück des Zukunftsprozesses in den vergangenen Jahren waren die 13 Erprobungsräume. Kirchengemeinden und Einrichtungen der Lippischen Landeskirche haben neue Formen der kirchlichen Arbeit erprobt, einige laufen noch. „Perspektiven für eine Ausweitung auf die gesamte Landeskirche sehen die Synodalen im Popkantorat und in der interkulturellen Gemeinde Together in Christ“, resümiert die Landeskirche in einer Pressemitteilung. Beide werden mittelfristig weiter finanziell unterstützt. Ziel ist es, dass daraus dauerhafte Aufgaben der Landeskirche werden. Vergangenheit des Zukunftsprozesses Mehrere Jahre wurde im Zukunftsprozess auf diese Beschlüsse hingearbeitet. „Das, was wir auf dieser Synode diskutieren, bündelt die Erfahrungen, Überlegungen, Impulse aus dem bisherigen Zukunftsprozess“, sagte Landessuperintendent Dietmar Arends zum Auftakt. „Wir wollen Kirche nicht bloß irgendwie erhalten, sondern zu ihrer Erneuerung beitragen, an ihrer Transformation arbeiten, aus der Hoffnung heraus, dass Gott selbst Zukunft schenkt.“ In einer Zeit, in der so vieles brüchig wird, in der Vertrauen schwindet, Strukturen wegbrechen, Selbstverständlichkeiten verloren gehen, suchen wir nach dem, was uns trägt und Hoffnung gibt. So wird aus der Sorge um die Zukunft eine Bewegung der Hoffnung.“