Blomberg. Dichtes Gedränge, die laute Musik der Fahrgeschäfte, die Gerüche der vielen Imbissbuden und mittendrin Ponys in ihrer runden Reitbahn, die still, aneinandergedrängt und mit gesenkten Köpfen ihre Runden drehen. Kinder und Erwachsene bleiben stehen, streicheln die Tiere oder holen sich ein Ticket für den kurzen Reitspaß. Was für manche eine kurzweilige Kinderunterhaltung mit Tradition auf dem Wilbaser Markt ist, gilt immer mehr Menschen, Tierärzten und Tierrechtsorganisationen als Zumutung für empfindsame Fluchttiere. Jetzt will der Kreis Lippe die Weichen neu Stellen und das Ponyreiten auf Wilbasen untersagen. Wenn der Kreistag am 6. Oktober eine neue Marktsatzung beschließt, dann ändert sich nicht nur die Gebührenordnung für die Aussteller - auch das umstrittene Ponyreiten hat auf dem Wilbaser Markt ein Ende. Das gilt generell für alle Tierattraktionen. Das neue Regelwerk verbietet dann, Fahrgeschäften oder Betreibern eine Lizenz für den Markt zu erteilen, wenn diese lebende Tiere für Geschäfte nutzen oder zur Schau stellen. Schon am Montag, 8. September, wird diese Satzungsänderung Thema im Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Ordnung sein. Tiere haben Tradition Seit mehr als 595 Jahren lockt der Wilbaser Markt Besucher nach Siebenhöfen. Einst kamen Viehhändler aus ganz Lippe, um Pferde, Ziegen oder Hühner zu kaufen oder zu verkaufen. Heute prägen Fahrgeschäfte, Verkaufsstände, Imbissbuden und Karussells das Bild auf dem Wilbasen-Gelände. Schon 2016 berichtete die LZ, dass der traditionsreiche Viehmarkt kaum noch Anklang findet. Kurz darauf wurde er ganz abgeschafft. Die Ponyreitbahn nahe des Riesenrades ist zwar auch in diesem Jahr Teil des Marktes. Doch schon länger sinkt das Interesse: Das Bewusstsein für den Tierschutz wächst bei vielen Besuchern. Die Tierrechtsorganisation PETA hatte bereits 2022 das Ponyreiten auf Wilbasen scharf kritisiert: Das monotone Im-Kreis-Laufen sei körperlich belastend für die Tiere, die laute Kirmes-Atmosphäre setze die Fluchttiere psychisch unter Druck. Die Attraktion sei nicht mehr zeitgemäß. Natürlich stehen die Tiere auf dem Wilbaser Markt unter dem wachsamen Auge des Kreisveterinäramtes. Pausenzeiten, Zustand der Tiere und so weiter werden kontrolliert - doch der Tierrechtsorganisation geht das alles nicht weit genug. Sie fordert ein generelles Verbot für Tiere auf solchen Jahrmärkten. Bundesweit verschwinden Ponyreitbahnen Zugleich haben bereits viele Städte in Deutschland das Ponyreiten auf Jahrmärkten verboten, Tendenz steigend. Erinnert sei auch an die Abschaffung der lebendigen Krippe beim Bad Salzufler Weihnachtstraum 2019 nach langen Diskussionen in der Öffentlichkeit. Der Kreistag entscheidet am 6. Oktober – dann wird klar sein, ob der Wilbaser Markt ab 2026 ganz ohne Ponys auskommen muss. Die LZ hat bis Redaktionsschluss vergeblich versucht, ein Statement des Betreibers der Ponyreitbahn aus Rietberg zu der aktuellen Entwicklung einzuholen.