Lemgo. Clara Sofia Caparros Dorneich (27) und Philipp Beckmann (24) haben in der Organisation der „O-Woche“ für die Erstsemester nicht nur den Hut auf - sie sind selbst das beste Beispiel dafür, dass das Orientierungs- und Partyevent funktioniert. „Wir haben uns damals bei der Stadt-Rallye hier in Lemgo kennengelernt“, erinnert sich die Studentin der Technologie der Kosmetika und Waschmittel. Daraus habe sich eine Freundesgruppe entwickelt - über Fachgrenzen hinweg. Beckmann, siebtes Semester Elektrotechnik, hatte von seiner Schwester den Tipp bekommen, sich direkt im AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) und in der Fachschaft (die offizielle Vertretung der Studierenden eines Fachbereichs) zu engagieren. „Sie war auch an der TH OWL und meinte, ,so lernst du Leute kennen’“, erzählt Beckmann. Darum gehe es schließlich auch beim Studieren: Dass nicht nur der Studiengang passt, sondern auch das soziale Drumherum. Stadt-Rallye mit 150 „Erstis“ „Nach der offiziellen Einführungswoche von der Hochschulseite aus kümmern wir uns in der ,O-Woche’ um den Start in den schönsten Teil des Studiums“, bringt es Clara Caparros Dorneich auf den Punkt. Will heißen: Bekanntschaften knüpfen und festigen, feiern, Spaß haben. Rund 220 „Erstis“ erreichen der AStA am Standort Lemgo mit seinen Angeboten - insgesamt haben an allen Standorten der TH 1200 Neu-Studierende zum Wintersemester angefangen. Kultcharakter genießt dabei die traditionelle Stadt-Rallye durch Lemgo, bei der 15 Teams zu zehn Personen an den Start gehen und Stationen von Fachschaften und Vereinen anlaufen, dies Jahr zum ersten Mal auch das „Wohnzimmer“ der Technischen Hochschule, das „anno“ in der Mittelstraße. „Kulturschock“ in der Kleinstadt Ebenfalls mit rund 150 Teilnehmenden sehr beliebt: „Natürlich die Kneipentour!“ Dorneich lacht. Die kleine, aber feine Ausgehszene der Hansestadt wolle entdeckt werden. Sie selbst begann ihr Studium in Berlin und kennt den Kulturschock, den so mancher Neuankömmling angesichts einer Kleinstadt durchleben wird. „Viele befürchten, dass außerhalb der Veranstaltungen des AStA nicht viel los ist.“ Was einerseits stimme, andererseits gebe es immer wieder auch für ihre Altersgruppe interessante Events - diese flögen einem vielleicht nicht an jeder Ecke zu, man müsse sich eben informieren. Dazu sei der AStA die beste Quelle. „Wir versuchen, über Social Media alles zu teilen, was relevant ist“, sagt Dorneich. Dreh- und Angelpunkt der AStA-Aktivitäten: Die neue Veranstaltungsfläche „Büchse“, welche die deutlich größere „Spelunke“, die gegenüber der Mensa lag, im März 2025 abgelöst hat. Sie ist im Containergebäude C55 untergebracht und bietet Raum für Partys mit bis zu 200 Personen. Nachteil: Die „Büchse“ liegt nicht mehr ganz so zentral und dadurch „anziehend“, fürchtet das Team. Andererseits hätten sich Anwesende bei kleineren Events in der „Spelunke“ teilweise recht verloren gefühlt. „Die ,Büchse’ hat eher Kneipencharakter, und das wollen wir in Zukunft nutzen“, so Philipp Beckmann. „Internationals“ unter sich An einer kleinen Hochschule könne sich jeder stark in das Campusleben einbringen und mitgestalten, findet er, „man ist hier keine Nummer“. Andererseits sei das soziale Leben an der TH OWL nicht gar so ausgeprägt wie in anderen Studierendenstädten. „Viele studieren hier dual, wohnen weiterhin zu Hause“, kennt der Münsterländer, der nach Lemgo zog, die Gründe. Dass neben Arbeit und vielleicht sogar Familie wenig Raum für Außerakademisches bleibe, sei verständlich. Auch die Gruppe der internationalen Studierenden bleibe noch zu oft unter sich, bedauert Dorneich. Zuletzt habe sich diese Tendenz jedoch gelockert, der AStA gehe, etwa mit englischsprachigen Plakaten, auch verstärkt auf diese Community zu. Sowohl für Beckmann als auch Dorneich ist es die letzte „O-Woche“: Beide sind im siebten Semester, müssen nur noch ihre Bachelor-Arbeiten schreiben. Mit Justin Schiffarth, der seit seinem eigenen Studienbeginn im AStA aktiv ist, haben sie bereits einen engagierten Nachfolger aus dem elfköpfigen Team angelernt. Denn ohne Leidenschaft geht es nicht: „Die Vorbereitung fällt meist in die Klausurenphase, und während der ,O-Woche’ selbst sind wir von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachts auf den Beinen“, schildert Dorneich das Pensum. „Manche“, fügt sie hinzu, „schlafen sogar im AStA-Büro, wo zwei Sofas stehen.“ Der schönste Dank? Mitzuerleben, wie die „Erstis“ Kontakt schließen, wie sie Spaß haben - und „wenn alles gut läuft ein wenig mitfeiern“, sagt Beckmann und grinst.