Kreis Lippe. Die Unschuldsvermutung mit Füßen getreten und den neuen Klinikchef in Misskredit gebracht: Mit einer Pressemitteilung und der Weitergabe von Unterlagen an die Justiz hat der ehemalige Landrat Dr. Axel Lehmann den Interimsgeschäftsführer Dr. Niklas Cruse vor vier Monaten in ein zweifelhaftes Licht gerückt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Detmold alle Untersuchungen eingestellt. Das kommentiert unser Chefredakteur so: „Erst einmal mit Dreck werfen – denn irgendwas bleibt schon hängen. Dass die in der Politik beliebte Taktik für den ehemaligen Landrat Dr. Axel Lehmann und womöglich andere Verantwortliche nicht funktioniert hat, ist gut. Unschuldsvermutung missachtet Die Nachricht, dass die Justiz keinerlei Anzeichen für ein strafbares Verhalten des Klinikgeschäftsführers gefunden hat, beweist vier Monate nach einer denkwürdigen Aufsichtsratssitzung glasklar: Hier wurde versucht, den Neuen derart in Misskredit zu bringen, dass er gehen muss. Nur die Liberalen im Kreistag hatten auf politischer Ebene damals den Mumm, die Sache beim Namen zu nennen. Und sie hatten Recht. Die anschließende Pressemitteilung des Landrates, in der er den vagen Verdacht auf Compliance-Verstöße öffentlich machte, war ein klarer Verstoß gegen die Unschuldsvermutung. Wer fürchtet sich wovor? Warum das alles? Wer muss sich davor fürchten, dass der neue Geschäftsführer womöglich dabei unterstützt, undurchsichtige Vorgänge aufzuklären? Vielleicht hilft bei der Beantwortung dieser Fragen erneut die Justiz. Immer noch ist die Staatsanwaltschaft in Bielefeld damit beschäftigt, in Zusammenhang mit Ausschreibungen für Bauvorhaben Zeugen zu befragen. Erst in einigen Monaten will sie – so bestätigte die Behörde es jetzt – entscheiden, ob es zu weiteren Ermittlungen im Klinikumfeld und dann eventuell auch zu einem Verfahren kommt. Auch wenn das Klinikum Lippe augenscheinlich in ruhigere Fahrwasser gesegelt ist: Unter der Vergangenheit steht noch lange kein Schlussstrich.“ Hier geht es zu den Hintergründen