Kreis Lippe. Der Wille ist da, die Motivation hoch. Trotzdem endet der Weg ins Fitnessstudio für viele schneller als gedacht. Gerade im Januar überschätzen sich viele Neustarter, trainieren zu viel oder mit unrealistischen Erwartungen. Studioleiter und Trainer aus dem Kreis Lippe nennen die häufigsten Anfängerfehler und erklären, wie Neujahrsstarter gute Vorsätze auch nach Ostern noch aufrechterhalten können. Aus Sicht von Willi Braun, Personal Trainer und Studioleiter bei Easyfitness in Bad Salzuflen, sollten es sich Fitness-Neulinge zu Beginn so leicht wie möglich machen. „Zwei Trainingstage à 40 Minuten reichen völlig, um die Grundlagen zu schaffen und langfristig dranzubleiben“, sagt Braun. Später, nach einigen Monaten, könne man das Pensum nach und nach steigern. Viele Neulinge oder auch Trainings-Rückkehrer würden den Fehler machen, „zum Start direkt 150 Prozent“ geben zu wollen - mit vier, fünf oder gar sechs Trainingstagen pro Woche. Viel hilft aber in diesem Fall nicht viel, erklärt Braun: „Das Ganze ist ein Marathon. Gerade als Neuling muss man dem eigenen Körper auch Zeit geben, regenerieren zu können.“ Darüber hinaus ist es seiner Ansicht nach nicht ratsam, sich bei Fitness-Influencern oder auch Vorbildern im privaten Umfeld einfach alles abzuschauen und es nachzumachen. Denn die seien häufig auf einem anderen Trainingslevel unterwegs als man selbst. „Ein bisschen wegkommen von den Insta-Ratschlägen und es erst mal langsam angehen lassen“, rät Braun Fitnessstudio-Neulingen. Gesunde Gewohnheiten schrittweise integrieren Auch Andreas Haugwitz, Studioleiter im Fitnessstudio „Fitness4u“ in Lage rät Trainingsanfängern, zu Beginn ein lockeres bis moderates Pensum an den Tag zu legen: „Anfänger sollten lieber zwei Mal pro Woche trainieren, dies aber regelmäßig über sechs Monate hinweg oder länger.“ So werde eine gewisse Routine entwickelt. Anschließend könne man die Zahl der Trainingstage schrittweise erhöhen. Typische Fehler, die Neulinge seiner Erfahrung nach oft machen, liegen laut Haugwitz vor allem auch im Bereich der Ernährung. „Häufig sieht man ernährungstechnische Harakiri-Aktionen. Gerade jetzt nach dem Jahreswechsel gehen viele von der Völlerei in der Weihnachtszeit dazu über, ganz wenig zu essen. Hier etwas Quark, da eine Mohrrübe und mal einen Apfel.“ Das sei nicht nachhaltig. Wie das Training sollten auch gesunde Ernährungsgewohnheiten nach und nach in den eigenen Alltag eingebaut werden. „Ein Fehler, den Neulinge machen und den wir häufig beobachten ist, zu schnell zu viel zu wollen“, sagt Nicole Serr, stellvertretende Studioleiterin bei Fitness First in Detmold. Mit Trainingsrückkehrern oder Neustartern arbeite sie daher immer erst an den Grundlagen. „Es ist wichtig, sich kleine Ziele zu setzen.“ Und das nicht nur an den Trainingsgeräten: „80 Prozent der körperlichen Gesundheit wird in der Küche gemacht. Crash-Diäten bringen gar nichts.“ Gerade mit Blick auf den guten Vorsatz, abzunehmen, sei das vielen jedoch nach wie vor nicht klar. Feste Termine können helfen, dranzubleiben Damit die Sportlerinnen und Sportler ihre guten Vorsätze nicht alsbald wieder aufgeben, dürfe - bei allem sportlichen Ehrgeiz - ihrer Meinung nach auch ein kurzer Plausch im Studio nicht fehlen. Auch positiver Zuspruch der Trainerinnen und Trainer bedeute vielen Kunden mehr als vielleicht angenommen, weiß Serr. Für Sarah Janz, Sportliche Leiterin im Toyto Club, früher Sportpark Lippe, in Detmold, ist Kontinuität das A und O beim Sportmachen. „Selbst wenn ich nur einmal pro Woche trainiere, sind das trotzdem 100 Prozent mehr, als wenn man gar nichts macht.“ Außerdem hilft es Janz zufolge ungemein, sich einen festen Plan zu überlegen, um dauerhaft am Ball zu bleiben. „Gerade Anfänger sollten sich für das Training einen festen Termin freihalten. Bei vielen sind deshalb Sportkurse in Gruppen besonders beliebt, da sie immer an festen Terminen stattfinden.“ Wer sich außerdem noch mit einem Trainingspartner zum Sporttreiben zusammentue, habe noch mehr Anreiz dranzubleiben, da man die Verabredungen zum Sport schließlich ungern sausen lassen möchte. Delia Enbrecht, Trainerin im Xtrasport Detmold, rät derweil dazu, bei klugen Ratschlägen in den Sozialen Medien Vorsicht walten zu lassen: „Nicht alle Tipps, die im Internet gegeben werden, sind richtig. Im Januar kommen jedoch leider auch viele Neulinge mit falschen Vorstellungen zu uns, die sie bei Influencern aufgeschnappt haben. Sie wollen dann direkt nach ihren eigenen Trainingsplänen trainieren und am besten gleich viermal pro Woche.“ Das funktioniere nicht. Anfängern und Wiedereinsteigern gibt Enbrecht daher mit auf den Weg: „Das Training im Fitnessstudio nimmt Zeit in Anspruch, die sollte man mitbringen. Außerdem ist Disziplin viel wichtiger als Motivation, denn die verfliegt nach einigen Wochen.“ Entscheidend für Erfolge sei, sich auch dann aufzuraffen, wenn einem der Sinn eigentlich nach etwas anderem stehe.