Lage. In der jüngsten Ratssitzung in Lage wollte die Fraktion Aufbruch C über die Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen dem Christlichen Schulverein Lippe und der Kommune abstimmen lassen. Da ein solches Gespräch bereits anberaumt wurde, war der Inhalt des Antrages schon im Vorfeld umgesetzt worden und eine Abstimmung obsolet. Kurzerhand sollte dann über ein Stimmungsbild zum Thema abgestimmt werden. Gut, dass die Fraktion mit dieser Taktik nicht durchgekommen ist, findet LZ-Redakteur Vasco Stemmer. Die Forderung in dem Antrag war klar: Die Stadt soll wieder mit dem Christlichen Schulverein Lippe über ein Projekt sprechen, das vor Jahren in einem Ausschuss von der Politik in Lage abgelehnt wurde. Da die Stadt offenbar aber gar kein Problem damit hat, ein solches Gespräch zu führen, erfüllte sie die Forderung bereits im Voraus. Daraufhin versuchte die Fraktion, die Abstimmung zu einem Stimmungsbarometer in Sachen Schulpolitik umzumünzen. Statt sich für oder gegen erste Gespräche über ein Vorhaben, zu dem kein aktueller Sach- oder Planungsstand vorliegt, auszusprechen, sollten die Ratsleute mit ihrer Stimme plötzlich ein generelles Bekenntnis für oder gegen das Schulprojekt abgeben - ohne dies in den Fraktionen abgestimmt zu haben. Ein offensichtlicher Schachzug Ein offensichtlicher Schachzug, der der Aufbruch C-Fraktion wohl in Opferrolle verhelfen sollte: Die völlig plausible Weigerung der anderen Ratsleute, ein solches Stimmungsbild aus heiterem Himmel abzugeben, versuchte Epp zu einem feindlichen Akt gegen ein offenes Bildungssystem umzumünzen - und sich potenziellen Wählern als einzige Kämpfer für die christliche Sache zu präsentieren. In einer Pressemitteilung schlägt die Fraktion in die gleiche Kerbe und lässt keinen Zweifel daran, was sie bezwecken will: Politische Gegner vor der Kommunalwahl als Feinde der Bildungsvielfalt hinstellen - wohlwissend, dass es durchaus berechtigte Kritik am Christlichen Schulverein gibt. Darunter eine ganz klar homophobe Personalpolitik, die für Fundamentalisten vielleicht angemessen erscheint, aber zur Lebensrealität des 21. Jahrhunderts jeden Bezug verloren hat.