Lage. Ferien - da sind auf dem Wochenmarkt in Lage weniger Händler anzutreffen. Sieglinde Froböse wird ihren Fisch woanders kaufen müssen. „Das macht aber nichts, ich komme gerne auf den Markt.“ Dass die Preise für Lebensmittel laut Statistischem Bundesamt generell noch einmal angezogen haben, ist für sie kein Grund fernzubleiben. „Wir haben immer gearbeitet, haben eine gute Rente und gönnen uns die besseren Lebensmittel“, sagt sie lachend. Die Händler hingegen haben teils Sorge, wie es in Lage weitergeht. Andreas Plaß steht an seinem Obst- und Gemüsestand. Das Angebot ist groß, aber gerade bei den Beeren sind die Käufer zurückhaltend. „Die sind sehr teuer geworden. Ich als Händler höre von den Verkäufern, dass das am Mindestlohn liegt“, sagt Plaß. Generell gebe es weniger Kunden auf dem Markt, aber das sei nicht allein den anziehenden Preisen geschuldet. In den vergangenen fünf Jahren gehe der Umsatz in Lage merklich nach unten. Plaß vergleicht es mit Bad Salzuflen, wo er ebenfalls auf dem Markt steht. „Da sind auch Kurgäste unterwegs, klar. Aber generell ist das Publikum dort kaufkräftiger, der Umsatz besser.“ Der Marktmeister der Stadt strenge sich an, aber es fehle ein Käsestand. Käsestand und besonderer Bäcker fehlt Das sieht auch Andreas Wöhrmeier so, der Fleisch und Wurst anbietet. Er kann ziemlich genau festmachen, seit wann es schlechter läuft: seit anderthalb Jahren, seit dem Weggang der Landbäckerei Hansen und des Käsehändlers. „Sie brauchen auf einem Markt eine Mischung und auch mehrere Anbieter einer Sache. Die Kunden verlassen sich darauf und kommen, wenn sie ihre verschiedenen frischen Lebensmittel hier kaufen können“, sagt Wöhrmeier. Die gestiegenen Preise sieht er nicht in erster Linie als Hemmschuh an, dem Markt einen Besuch abzustatten. Das Drumherum spiele auch eine Rolle - und da sei die Stadt gefragt. Ab und an gebe es einen Musiker, aber der spreche nur eine Altersgruppe an - die Älteren. „Es müsste mit Aktionen auch mal jüngeres Publikum angesprochen werden, und da meine ich die so bis 60. Auch mit entsprechender Musik und auf Social Media.“ Es reiche nicht, mal etwas zu posten, sondern da müsse man viel mehr am Ball bleiben und den Followern laufend aktuellen Content und Aktionen bieten. „Das muss professioneller angepackt werden.“ Auch Wöhrmeier zieht einen Vergleich, denn er steht mit seinem Verkaufsstand auch in Lemgo. Und dort laufe das Geschäft sehr viel besser. In Lage sei der Freitag stärker, aber bezogen auf den Umsatz immer noch deutlich schwächer als ein Mittwochs-Verkaufstag in Lemgo. Kunden kommen, aber kaufen weniger „Es ist nicht einfach, Händler zu finden, das ist klar. Aber daran hängt, wie attraktiv ein Markt ist. Die Stadt müsste generell mehr für den Markt tun“, sagt Wöhrmeier. Kundin Elfriede Siebert (78) sieht die Preise allerdings kritisch. „Das Angebot finde ich ganz gut. Ich kaufe aber weniger Lebensmittel auf dem Markt ein, weil es teurer geworden ist. Das ist generell so, darum kalkuliere ich sparsamer. Aber trotzdem komme ich, denn hier treffe ich immer Leute, die ich kenne.“ Das Ehepaar Sagert schätzt das Angebot in Lage ebenfalls. „Es sieht auch sehr bunt aus, es gibt viele Blumen, ein sehr gutes Café am Marktplatz. Da frühstücken wir freitags und kaufen danach ein“, sagt Claudia Sagert (82). Allerdings gehe es mehr um spezielles Frischfleisch, Fisch, Honig und vor allem Kräuter. „Es ist anderswo schon einiges günstiger zu bekommen, darum kaufen wir nicht alles hier. Wir schätzen aber die persönliche Atmosphäre, und man kommt schnell ins Gespräch, wenn man möchte.“ Bei Leo Hüttenhölscher ist so ein Treffpunkt, der Andrang ist groß, die Eier gehen weg wie die warmen Semmeln. Teurer geworden seien sie nicht, aber eben auch nicht preiswerter. „Normalerweise ist das im Sommer immer so, dass sie etwas günstiger sind. Das ist in diesem Jahr nicht so“, sagt Hüttenhölscher.