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Lesung

Volle Aula: Christian Berkel liest in Lage aus „Sputnik“

Christian Berkel las in der Aula des Schulzentrums Werreanger aus seinem Roman „Sputnik“. © Michael Biermann

Lage. Schauspieler und Bestsellerautor Christian Berkel hat in der Aula des Schulzentrums Werreanger sein Publikum mit Auszügen aus seinem Roman „Sputnik“ begeistert. Der Abend, zu dem der Förderverein Stadtbücherei Lage geladen hatte, wurde von den rund 250 Gästen freudig erwartet, und Berkel löste diese Erwartungen mit einem eindrucksvollen Zusammenspiel aus Lesung, erzählerischen Einschüben und persönlicher Reflexion ein, teilt der Förderverein Stadtbücherei Lage in einer Mitteilung mit.

Bereits vor Beginn der Lesung herrschte in der Aula eine gespannte, zugleich erwartungsvolle Atmosphäre, als sich die Besucherinnen und Besucher zu ihren Plätzen einfanden. Berkel, einer der bekanntesten deutschen Schauspieler, der in europäischen Produktionen ebenso wie in internationalen Kinofilmen mitgewirkt und zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat, stellte in Lage seinen dritten autofiktionalen Roman vor. Mit ruhiger, konzentrierter Präsenz und seiner markanten Stimme eröffnete er den Abend und führte das Publikum ohne große Geste direkt in die Welt von „Sputnik“.

Politische Verrohung

Im Wechsel von gelesenen Passagen und freien Erzählpassagen skizzierte Berkel die Lebensspur seiner Figur „Sputnik“, die als Alter Ego des Autors aufwächst und sich tastend an Fragen von Herkunft, Identität und Zugehörigkeit heranarbeitet. Die ausgewählten Textstellen führten von den Kriegserfahrungen der Elterngeneration über die Atmosphäre der 1950er- und 1960er-Jahre bis hin zu den Umbrüchen der späteren Bundesrepublik – immer durchzogen von Momenten, in denen „Sputnik“ auf der Suche nach sich selbst ist.

In Lage betonte Berkel, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte – geprägt durch Verfolgung, Exil und das Überleben des Holocaust – immer auch eine Auseinandersetzung mit Sprache sei. Er unterstrich, dass politische Verrohung nicht mit Taten beginne, sondern mit Worten, mit dem Ton, den eine Gesellschaft sich selbst gegenüber anschlägt. „Sputnik“ lese sich so zugleich als persönliche Geschichte und als literarische Erinnerung daran, wie fragil demokratische Errungenschaften bleiben, wenn Sprache ausgrenzt statt verbindet. Folgerichtig schwor Berkel die Anwesenden am Ende des Abends darauf ein, miteinander zu reden und Brücken zu bauen anstatt auszugrenzen, heißt es in der Mitteilung.

Intensität des Vortrags

Das Lagenser Publikum folgte der Lesung aufmerksam und reagierte besonders auf eindringliche Passagen mit spürbarer Konzentration, gelegentlichem zustimmendem Murmeln sowie herzlichen Lachern und am Ende mit lang anhaltendem Applaus. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich beeindruckt von der Intensität des Vortrags. In der Pause und in Gesprächen nach der Veranstaltung fielen Worte wie „bewegend“, „nachdenklich machend“ und „großartig erzählt“.

Der Dank des Fördervereinsvorsitzenden Michael Biermann galt am Ende nicht nur dem prominenten Gast, sondern auch einem tollen Publikum. Herzlich dankte er auch der Buchhandlung Brückmann, die die Veranstaltung mit einem Büchertisch unterstützte, der während der Signierstunde mit Berkel stark umlagert war.

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