Lea Block verzaubert das Publikum bei Stern TV

Tobias Schneider und Martin Fröhlich

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Die Familie Block beim Ostseeurlaub im Jahr 2014. Papa Peter Block hat Lea im Arm. - © Familie Block
Die Familie Block beim Ostseeurlaub im Jahr 2014. Papa Peter Block hat Lea im Arm. (© Familie Block)

Lemgo/Köln. Bewegende Bilder eines lebensfrohen Mädchens: Die zwölfjährige Lea aus Lemgo sitzt im Studio von „Stern-TV" und plaudert mit Mutter Nelly Block und Moderator Steffen Hallaschka. Lea ist das überlebende siamesische Zwillingsmädchen, dessen Schwester Tabea bei einer aufsehenerregenden Operation 2004 starb. Eine Geschichte, die viele Menschen in Deutschland berührte.

Das Publikum im Fernsehstudio staunt über die Fortschritte, die Lea gemacht hat. Die Zwölfjährige, die mit einigen Einschränkungen leben muss, wirkt bei ihrem Auftritt voller Gelassenheit und Zuversicht. Sie lacht viel und freut sich sehr über ein Buch, das ihr der Moderator überreicht. Dann der Filmbeitrag, gedreht bei den Blocks in Lemgo: Er zeigt eine fröhliche Lea, die mit ihrem Vater Peter vorsichtig Fangen spielt („Wo kann ich den Papa denn finden? Na, warte!") , jauchzend in einer Schaukel liegt („Mehr Schwung"), Treppensteigen übt und bei Musik entspannt. In einer Szene verschüttet das fast blinde Mädchen eine Dose mit Erbsen – nimmt das Malheur aber mit viel Humor und lacht, weil die jüngeren Geschwister die Erbsen aufsammeln müssen.

Information
Hier geht es zum Bericht über Lea Block auf stern.de.

Im August 2003 ist Lea als siamesischer Zwilling zur Welt gekommen. Mit ihrer Schwester Tabea war sie am Kopf zusammengewachsen. Ein Jahr später entschlossen sich die Eltern dazu, die Kinder durch eine gefährliche Operation trennen zu lassen. Sonst hätten beide wohl keine Zukunft gehabt. Doch nur Lea überlebte den komplizierten, mehrere Tage dauernden Eingriff in Baltimore (USA). Führender Arzt war damals der Neurochirurg Ben Carson. Auch er sitzt heute oft in TV-Studios, weil er sich als Präsidentschaftskandidat der Republikaner für die US-Wahl bewirbt.

Lea hat den Eingriff überlebt, doch Schäden davon getragen: Sie ist halbseitig gelähmt und hat deshalb Schwierigkeiten beim Gehen. Sie ist stark sehbehindert und kann lediglich Hell und Dunkel sowie Farben unterscheiden. Direkt nach der Trennung von der Schwester hatte sie keine stabile Schädeldecke, die ihr Hirn schützt, und musste lange einen Helm tragen. 2009 wurde sie erneut in den USA operiert, wo ihr eine künstliche Schädeldecke eingesetzt wurde.

Doch Lea kämpft sich durch. Sie macht beständig Fortschritte. Seit 2010 besucht sie eine Sonderschule. Im Film zeigt sie unter anderem, wie gut ihr Gedächtnis ist: Alle Verse eines Tastbuches kann sie fehlerfrei auswendig aufsagen.

Beim Tastspiel schlägt Lea Moderator Hallaschka locker

Beim Gespräch im Studio bestätigt Mutter Nelly Block, dass sich ihre Tochter gut entwickelt habe. Sie könne Dinge schneller umsetzen als früher, sei immer bereit, Neues anzupacken, berichtet die Mutter. „Es ist gut, dass sie immer selbstständiger wird."

Neurochirurg Ben Carson hatte nach der OP vor zwölf Jahren gesagt: „Wir haben große Hoffnung, dass Lea kräftig bleibt, sich gut erholt und zu einem gesunden jungen Mädchen heranwächst." Was zunächst nur wie ein Mutmacher klang, ist in weiten Teilen eingetroffen.
Jetzt lernt Lea intensiv die Blindenschrift Braille, bei der Buchstaben mit Fingern ertastet werden. Dann folgt der Höhepunkt des Abends: Bei einer Tastaufgabe mit Spielfiguren, die es zu unterscheiden gilt, schlägt sie Moderator Hallaschka um Längen.

Siamesische Zwillinge nennt man eineinige Zwillinge, deren Körper miteinander verwachsen sind. Statistisch gesehen kommt auf eine Million Lebensgeburten etwa ein siamesisches Zwillingspaar. Die körperliche Verbindung der Kinder kann an verschiedenen Stellen bestehen. Am problematischsten sind Fälle, bei denen die Köpfe zusammengewachsen sind. Dann sind Trennungsoperationen kaum oder nur sehr schwer möglich.

Die Trennung von Lea und Tabea in Baltimore war hochdramatisch. Nach 18 Stunden Operation unterbrachen die Ärzte im September 2004 den Eingriff, weil Tabeas Herz still stand. Es folgte eine 82-stündige Erholungspause für die Kinder unter Narkose. Bei der Fortsetzung der OP gelang zwar die Trennung, Tabea aber starb.

Zum Herunterladen
  1. LZ-Bericht zur Operation als PDF

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