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Lemgo

Lemgoer Reservistenkameradschaft stellt sich vor

Lemgo. Bundeswehr, Krieg, Frieden – für Dr. Reiner Austermann ist das kein Widerspruch. „Ganz im Gegenteil bin ich damals zur Bundeswehr gegangen, weil ich mich für den Frieden einsetzen wollte", sagt das ehemalige Lemgoer Stadtoberhaupt. Und es ist eben dieser Wunsch, der ihn auch zur Reservistenkameradschaft Lemgo führte.

Dort ist er seit Ende der 90er Jahre aktiv, ebenso wie René Schrader, der heute in Bundeswehrkluft mit am Tisch sitzt. Es sind ehemalige Soldaten, die sich in der Reservistenkameradschaft treffen; egal wo, wann und in welchem Rang sie dienten, sie alle eint der Wunsch, den Kontakt zur Bundeswehr zu halten und – wie es Reiner Austermann betont – eine Art Vermittlerrolle zwischen Bevölkerung und Armee auszuüben.

In den 60er Jahren gegründet, ist das die Grundidee der Reservistenkameradschaften, die sich damals quer durch die Republik etablierten. Und eben diese Grundidee ist nach Ansicht von René Schrader und Dr. Reiner Austermann wichtiger denn je. „Früher hatte doch fast jede Familie mit der Bundeswehr zu tun", erklärt René Schrader, doch mit dem Aussetzen der Wehrpflicht sei dieser Grundkontakt in der Bevölkerung nicht mehr verankert. Umso wichtiger empfinden es die beiden Lemgoer, diese Lücke aufzufüllen. Mit Informationen, mit Gesprächen, gern auch kontrovers – denn das, so Dr. Reiner Austermann – gehöre in einer Demokratie doch einfach dazu. Die Bundeswehr, so ist er überzeugt, habe kein Imageproblem, vielmehr geht er mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, der von einem „freundlichen Desinteresse" der Bürger sprach.

Bundeswehr hilft bei Impfeinsätzen

In der Corona-Zeit ist die Bundeswehr als Helfer bei Impfeinsätzen wieder verstärkt in die Öffentlichkeit gerückt, das bringt Bonuspunkte in der Wahrnehmung, und auch Reiner Austermann begrüßt, dass sich die Soldaten in zivilen Bereichen einbringen, doch Kernaufgabe bleibe der militärische Einsatz. Und ob in Afghanistan, Afrika oder im ehemaligen Jugoslawien – „ich halte die militärische Androhung für ein legitimes Mittel, um Frieden zu erhalten oder zu erzwingen".

Und eben darüber wollen sie in der Reservistenkameradschaft reden, organisieren Treffen mit aktiven Soldaten, die von ihren Einsätzen im Ausland berichten, fahren zu Fortbildungen oder Camps. Jedes Mitglied wird eingekleidet, Veranstaltungen werden zum Teil von der Bundeswehr für die Reservisten organisiert. Dann geht es unter anderem um die militärische Grundausbildung wie etwa Schießübungen, Märsche, Funk- oder auch Sanitätsausbildung. Und auch der Lemgoer Verband selbst organisiert regelmäßig Camps oder Fahrten. Das reicht von der Nachmittags-Veranstaltung bis zum längeren Zeltlager, etwa in Augustdorf, auf ehemaligem Militärgelände oder auch im Lemgoer Forst.

„Da kann sich durchaus mal ein Reservist aus dem Dickicht schlagen", sagt René Schrader und grinst. Für die Reservisten ist das meist alles andere als komfortabel. Der 48-Jährige muss lachen, wenn er von seinen Erfahrungen erzählt. Einmal ist er im Bach gelandet, ein anderes Mal hat er mit Plane in einer Erdkuhle übernachtet. „Mir war so kalt", noch immer fröstelt es ihn in der Erinnerung und doch sei es eben das, was die Teilnehmer suchen. Quasi back to the roots.

Vorträge, aber auch Einsätze

René Schrader selbst hat gut acht Jahre als Zeitsoldat gedient, aus der ehemaligen DDR kommend absolvierte er bei der Bundeswehr seine kaufmännische Ausbildung. „Damals bin ich da so reingerutscht, doch dann habe ich mich immer mehr mit der Bundeswehr und ihren Richtlinien identifiziert. Dem Auftrag, anderen Ländern den Zugang zur Demokratie zu ermöglichen." Zwar arbeitet er mittlerweile ganz zivil beim Autohaus Stegelmann, wird aber immer mal wieder von der Bundeswehr beordert. So wie diese Woche, weshalb er in Uniform erschienen ist: Im internationalen Hubschrauberausbildungszentrum Bückeburg vertritt er Soldaten im Infrastrukturteam. Sein Arbeitgeber stellt ihn dafür frei.

97 Mitglieder zählt die Reservistenkameradschaft Lemgo derzeit, Männer und Frauen im Alter von 23 bis über 80 Jahren, und nicht nur bei den Vorträgen, auch bei den Einsätzen sind durchaus auch die älteren noch dabei. „Eines unserer älteren Mitglieder erzählte bei einem Treffen von seinen persönlichen Eindrücken der Kuba-Krise, für die Jüngeren eine unvorstellbare Zeit", erinnert sich René Schrader und grient, denn auch die ganz pragmatischen Tipps sind gefragt: Kochen – ob am offenen Feuer oder in der Feldküche – „da wissen manche gar nicht mehr, wie das geht".

Willkommen sind in der Kameradschaft alle ehemaligen Soldaten und auch Gäste, die Interesse an der Bundeswehr und an der Sicherheitspolitik haben. Rechtsextremes Gedankengut, wie es mitunter von anderen Verbänden zu hören ist, sei im Verband nicht vertreten. „So was gibt es bei uns nicht", sagen die beiden Reservisten. Und Reiner Austermann bekräftigt: „Wer sich so äußert, fliegt raus. Das ist doch klar."

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