Lemgo-Voßheide. Die Voßheider sind sauer auf die Stadt. Zumindest diejenigen, die an der Deichbrede leben. Die Straße gilt in weiten Teilen noch als Baustraße und soll 2026 ausgebaut werden. Das könnte für die Anwohner teuer werden. Für manche vielleicht sogar existenzgefährdend, wie sie sagen. Die Bürger kritisieren den Ausbau als teuer, nicht angemessen und zudem gefährlich. Bei einer Ortsbegehung machten die Anwohner, vor allem in Person von Sprecher Manfred Schnormeier, ihrem Unmut Luft. Über 50 Bürger waren erschienen und auch die Bürgermeisterkandidaten, Kommunalpolitiker und Vertreter der Verwaltung kamen zur Deichbrede, um das Problem zu beraten. Das sehen die Anwohner vor allem in der Art des Ausbaus. So soll die Straße in weiten Teilen endausgebaut werden, schließlich gilt sie noch als Baustraße und damit sind die Anwohner mit 90 Prozent der Kosten dabei. „Ein- und Ausfahrt kaum möglich“ Im oberen Teil würde die Straße den Plänen entsprechend schmaler gestaltet. Dafür gäbe es einen breiten Seitenstreifen für Fußgänger, auf der anderen Seite ist eine Art Muldensystem geplant, ein 1,50 bis 2 Meter breiter Grünstreifen. 20 bis 30 Zentimeter tief würde hier eine Art Sickergrube verlaufen, um vor allem Regenwasser aufzufangen. Unterbrochen würde der Graben durch Zufahrten und Parkflächen. In dem offenen Graben sehen die Anwohner Gefahren für ihre Kinder. Überdies, so ihre Meinung, werde die Straße zu schmal. Für manche Anwohner würde es schwierig werden, mit größeren Fahrzeugen überhaupt noch in die oder aus der Ausfahrt zu kommen, wie ein Bürger mit seinem Transporter eindrucksvoll demonstrierte. Darüber hinaus würden Parkplätze wegfallen. Schon jetzt aber seien die, vor allem auch bei Veranstaltungen auf dem Dorfplatz oder im Kindergarten, Mangelware. Für den Endausbau der Straße rechnet die Stadt mit etwa 637.000 Euro Kosten, die gemäß Veranlagung nach dem Baugesetzbuch zu 90 Prozent von den Anwohnern zu tragen wären. Derzeit geht die Stadt von einem Beitragssatz von rund neun Euro pro Quadratmeter modifizierter Grundstücksfläche aus. Kosten im oberen vierstelligen Bereich kämen damit auf viele Bürger zu. Straße bereits bezahlt? Ob sie aber überhaupt zur Kasse gebeten werden dürfen, halten die Anwohner für fraglich. Dabei verwiesen sie auf Ratsbeschlüsse von 2022, die aus Sicht der Stadt aber gemäß geänderter Landesrichtlinien nicht mehr geltend sind. Zudem gibt es laut Anwohnern Unterlagen, die beweisen, dass die Straße beim Bau in den 1960er-Jahren bereits von den Anliegern bezahlt worden sei. Überhaupt, so machte Sprecher Manfred Schnormeier deutlich, fühlten sich die Anwohner von Politik und Verwaltung nicht ernst genommen. „Wir haben das Gefühl, nicht gehört zu werden“, so der Voßheider. Hieße Bürgerbeteiligung nicht eigentlich, die Anwohner erst zu fragen und dann zu planen, statt sie mit den fertigen Plänen zu konfrontieren? Abteilungsleiter Heiko Fischer hingegen verwies auf die Anliegerversammlung, die bereis stattgefunden habe. Es gebe aber technische und gesetzliche Zwänge, über die sich die Stadt nicht einfach hinwegsetzen könne. Doch natürlich werde die Verwaltung alle Einwände der vor kurzem abgeschlossenen schriftlichen Anwohnerbeteiligung aufgreifen, bewerten und gegebenenfalls auch in die weiteren Planungen einfließen lassen. Anlieger bleiben skeptisch Im Anschluss nahmen auch Bürgermeister Markus Baier und seine beiden Herausforderer Alexander Baer (SPD) und Dr. Burkhard Pohl (Grüne) Stellung. Alle drei verwiesen darauf, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen seien und ein Beschluss noch vor der Wahl im Verkehrsausschuss am 10. September nicht nötig sei. Diesen Termin hatten die Anwohner kritisiert und die Beschlussfassung erst nach der Kommunalwahl gefordert. Dem entsprachen die Politiker, zudem verwies Bürgermeister Markus Baier auf den Ortsausschuss am 27. August als weitere Gesprächsoption. Und natürlich sei es möglich, zum Beispiel bei den kritisierten Grundstückszufahrten gegebenenfalls die Pläne noch einmal zu modifizieren. Alexander Baer (SPD) favorisierte zudem eine weitere Anliegerversammlung. „Da haperte es ja offensichtlich mit der Kommunikation.“ Jetzt gelte es, alles in Ruhe abzuklären, auch etwaige rechtliche Fragen. Auch Dr. Burkhard Pohl (Grüne) sprach sich dafür aus, den Ausbau der Deichbrede noch nicht im September zu beschließen. Die Deichbrede stehe seit Jahren im Ausbauprogramm der Stadt, doch offensichtlich sickerten diese Beschlüsse nur spärlich durch. Mit der Aussicht, sich in weiteren Gesprächen einbringen zu können, zeigte sich Anwohner Manfred Schnormeier zwar zufrieden, blieb aber skeptisch. „Das Gefühl bleibt doch, dass die Verwaltung einfach macht, was sie will.“