Lemgo. Sie sollen Anlaufstellen im Krisen- und Katastrophenfall sein: die sogenannten Leuchttürme. Davon gibt es mehr als 60 in Lippe, obwohl das Kreisgebiet natürlich nicht am Meer liegt. Der Begriff Leuchtturm ist im übertragenden Sinn gemeint: So wie die Bauwerke Schiffen auf See Orientierung geben, so sollen Bürger Orientierung in Ausnahmesituationen erhalten. Die Leuchttürme sind ein Projekt des Kreises Lippe, des Fachbereichs Geoinformation, Kataster und Immobilienbewertung in Kooperation mit dem Bevölkerungsschutz und den Kommunen. In Lemgo gibt es derzeit elf Leuchttürme. Ein Überblick. Die Anlaufstellen sind vor allem für den Fall eines flächendeckenden, langfristigen Stromausfalls vorgesehen. Bei den Leuchttürmen können die Bürger Hilfe durch Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr rufen und Informationen erhalten. Die Stellen sind dann rund um die Uhr mit den entsprechenden Ansprechpartnern besetzt, mit einem Notstromaggregat und Analogfunk ausgestattet. „Es geht also in erster Regel um Kommunikation, aber natürlich können wir auch mal ein Handy laden, wenn es wichtige Gründe gibt“, sagt Christoph Paier, Löschgruppenführer Brake bei der Lemgoer Feuerwehr, der das Konzept jüngst im Ortsausschuss Brake vorgestellt hat. Was die Leuchttürme nicht leisten: Sie sind nicht zum dauerhaften Aufenthalt gedacht, also keine Notunterkunft. Eine Betreuung gibt es daher nicht. Wo sind die Anlaufstellen? Die meisten Leuchttürme befinden sich in Feuerwehrgerätehäusern (FWGH). Folgende Standorte gibt es in Lemgo: die Feuerwache an der Orpingstraße 78, das Schulzentrum Heldmanskamp an der Kleiststraße 11, die Polizeiwache an der Pagenhelle 11 in Brake, der Kindergarten Entrup am Entruper Weg 202, das FWGH in Hörstmar an der Hofbrede 15a, das FWGH in Lieme, das sich derzeit noch an der Bielefelder Straße 127 befindet, das FWGH in Lüerdissen an der Straße Im Bruche 7, das FWGH Ost an der Voßheider Straße 1, das FWGH Wahmbeck an der Hauptstraße 10 und das FWGH in Kirchheide am Driftenweg 34. Je nachdem, wie lange der Stromausfall andauert, gibt es drei Stufen: Bei einem Ausfall ab zwei bis maximal vier Stunden werden alle Leuchttürme (außer die Polizei) mit zwei bis drei Einsatzkräften besetzt, die als Anlaufstelle für Informations- und Hilfesuchende dienen. Ab vier bis zehn Stunden werden die Kräfte durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung und teilweise des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und der Polizei unterstützt. Um auf mögliche Einsätze schnell reagieren zu können, wird die vollständige Einsatzbereitschaft der Feuerwehr hergestellt. Solche Einsätze können laut Paier beispielsweise stecken gebliebene Fahrstühle, ausgefallene medizinische Geräte und kritische Einrichtungen im Gesundheitsbereich oder Mastställe ohne Strom sein. Nach zehn Stunden würden alle weiteren Maßnahmen durch den Stab für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) der Stadt Lemgo in Abstimmung mit Kreisverwaltung und der Polizei veranlasst. Vorbereitung Diese Informationen sind auch auf der Internetseite des Kreises Lippe zu finden. Außerdem hat die Stadt Lemgo einen entsprechenden Flyer herausgegeben, der an verschiedenen Stellen ausliegt und digital abgerufen werden kann. Darin sind unter anderem Tipps enthalten, wie sich Bürger auf Notfälle vorbereiten können. Dazu gehört, sich einen Vorrat an Lebensmitteln zu Hause anzulegen, der für mehrere Tage ausreicht und der auch ohne Strom zubereitet werden kann. Außerdem sollten die wichtigsten Medikamente in der Hausapotheke bereitliegen, ausreichend Hygieneartikel vorhanden sein und eine Notfalltasche bereitstehen. Gegebenenfalls muss der Tierbedarf gedeckt sein. Die Stadt weist darüber hinaus darauf hin, dass wichtige Dokumente gesichert sein sollten.