Die Großgemeinde Leopoldshöhe hat sich gut entwickelt

Thomas Dohna

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So sah es im Leopoldshöher Zentrum vor einem halben Jahrhundert aus. Auf dem Marktplatz durfte man noch parken, es gab einen Kiosk, und im Gebäude rechts residierte die Post. - © Heimatverein Leopoldshöhe
So sah es im Leopoldshöher Zentrum vor einem halben Jahrhundert aus. Auf dem Marktplatz durfte man noch parken, es gab einen Kiosk, und im Gebäude rechts residierte die Post. (© Heimatverein Leopoldshöhe)

Leopoldshöhe. Rudi Strunk ist eine Prominenz in Leopoldshöhe. Im Erzählcafé soll der ehemalige ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde aus 50 Jahren und vor allem von der Gründung der Großgemeinde erzählen. Alle Plätze im Familienzentrum Leos sind daher belegt, und Organisator Detlev Gadow stellt zufrieden fest: „So viele Besucher hatten wie noch nie.“

Ansatzlos beginnt Strunk mit seinen Erzählungen. Bis Ende der 1960er Jahre gab es in Lippe 75 Gemeinden und Städte. In den 1960er Jahren fand man auf Landesebene, dass diese Strukturen nicht zu halten sind, und beschloss eine Kommunalreform. Viele Kommunen versuchten, sich auf freiwilliger Basis zusammenzuschließen – Asemissen, Bechterdissen und Greste zum Beispiel. Die sogenannte ABG-Gemeinde hätte aber nur 5000 Einwohner gehabt. „Zu klein“, erinnert sich Strunk.

Leopoldshöhe sollte eine "Talgemeinde" werden

Rudi Strunk (links) berichtete auf Einladung Detlev Gadows im Erzählcafé von der Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe von 51 Jahren. - © Thomas Dohna
Rudi Strunk (links) berichtete auf Einladung Detlev Gadows im Erzählcafé von der Gründung der Großgemeinde Leopoldshöhe von 51 Jahren. (© Thomas Dohna)

Die Versuche, Helpup mit hinzuzunehmen, scheiterten. Es sollte eine Talgemeinde entstehen – im Gegensatz zur Berggemeinde Oerlinghausen. Eine Kommission unter dem späteren Kultusminister Jürgen Girgensohn bereiste Lippe. Sollte es sechs oder eher neun neue Kommunen im Altkreis Lemgo geben? „Das ist hitzig diskutiert worden“, erinnert sich Strunk. Im Kreistag Lemgo entschied eine knappe Mehrheit, es sollen acht Kommunen werden. Damit seien Leopoldshöhe und Dörentrup beschlossen, eine geplante Großgemeinde Knetterheide aber abgelehnt worden.

Die Zusammengeschlossenen auf dem Gebiet der Großgemeinde Leopoldshöhe hatten nun mehrere Herausforderungen zu bewältigen. „Es gab keine direkte Busverbindung zwischen Asemissen und Leopoldshöhe“, erinnert sich Strunk. Der erste Bürgermeister kam aus Asemissen: August Landermann. Er und der erste Gemeindedirektor Gustav Führing schlugen gleich Pflöcke ein. Sie kauften in den Wochen, in denen sie schon im Amt waren, aber noch kein Rat gewählt war, das Grundstück für das zukünftige Rathaus. Es war das erste, das in den neuen Kommunen gebaut wurde.

Schlechte Infrastruktur

Es gab keinen Kindergarten, aber mehrere Dorfschulen. Im Norden die Dörfergemeinschaftsschule, die später Haupt- und dann die Grundschule Nord werden würde. Frauen gab es im ersten Rat nicht, dafür eine satte Mehrheit der SPD. Gewerbebetriebe gab es auch nicht, dafür viel Fläche und die Chance, mit Hilfe des Flächennutzungsplans Gewerbegebiete einzurichten. Leopoldshöhe sei eine der ersten Gemeinden im Land gewesen, die einen solchen Plan aufgestellt habe, sagte Strunk. Die Mehrheit der neuen Betriebe kam aus Bielefeld. Ärzte, auch Zahnärzte, siedelten sich in beiden Ortsteilen an, Apotheken kamen dazu. „Die Geschäftswelt hat sich ausgewogen gestaltet. Das ist in vielen Kommunen nicht so“, stellt Strunk fest.

Den ersten Teil der Hauptstraße ließ das Land Anfang der 1970er Jahre in Asemissen bauen. Sie reichte bis zum Dahlhauser Wald. Der zweite Teil folgte Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre. Ein Damm quer durchs Windwehetal sollte als Staudamm für einen Badesee dienen, der Grester Windmühlenstumpf als Café mit Anlegestelle. Daraus wurde aber nichts: Die Mühle wird heute bewohnt, im Tal stehen immer noch die Domäne und die Mühle Dahlhausen.

Strunk findet, dass die Gemeinde zu schnell gewachsen ist. Ständig habe die Infrastruktur ausgebaut werden müssen. Dennoch: „Dass er hier fürchterlich schlecht läuft, kann man nicht sagen.“ Mit einem Blick auf Kommunen in Südlippe und im Kreis Höxter mit ihren schwindenden Einwohnerzahlen meint Strunk: „Die haben ganz andere Probleme.“

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