Anwohner wehren sich gegen Baupläne für Schuckenbaum

Birgit Guhlke

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Das neue Baugebiet Brunsheide Süd-Ost soll über den Wagentronsweg von der Herforder Straße aus erschlossen werden. Anwohner der angrenzenden Straßen (hinten) kritisieren die Pläne. - © Birgit Guhlke
Das neue Baugebiet Brunsheide Süd-Ost soll über den Wagentronsweg von der Herforder Straße aus erschlossen werden. Anwohner der angrenzenden Straßen (hinten) kritisieren die Pläne. (© Birgit Guhlke)

Leopoldshöhe. Außergewöhnlich viele Besucher, hitzige Diskussionen, ein Fragenkatalog und eine Fragestunde – die jüngste Gemeinschaftssitzung verschiedener Fachausschüsse des Leopoldshöher Gemeinderates hatte es in sich. Thema war ein städtebaulicher Wettbewerb für das Baugebiet Brunsheide Süd-Ost als mögliches Regionale-Projekt. Damit sollen die Vorgaben geklärt werden für Architekten, die sich an dem Wettbewerb für die neue Quartiersentwicklung beteiligen. Anwohner sehen das gesamte Projekt kritisch.

Viele Nachfragen

Die Gemeinde wächst, Wohnraum ist knapp. Das statistische Landesamt IT NRW ermittelt regelmäßig statistische Daten zur Bevölkerungsentwicklung, demnach wächst die Gemeinde bis zum Jahr 2040 weiter. Aktuell leben in Leopoldshöhe 17.218 Menschen, das sind bereits mehr als 7.000 Menschen mehr als zum Zeitpunkt der Gemeindegründung 1969. Für das Jahr 2040 prognostiziert IT NRW eine Einwohnerzahl von gut 18.400. Das haben Politik und Verwaltung bereits seit Jahren zum Anlass genommen, nach weiteren Möglichkeiten für neue Quartiere, Baugebiete, Wohnmöglichkeiten zu schauen.

Den Fachbereichsleiter für Bauen, Planen, Ordnung, Dirk Puchert-Blöbaum, und seine Kollegen erreichen „fast täglich Nachfragen nach Bauplätzen, Häusern, aber auch Wohnungen". Auch kostengünstige, kleine wie große Wohnungen sind gefragt. Mit dem Baugebiet Brunsheide wollen Politik und Verwaltung mehrere Nachfragen bedienen können. Es soll Einfamilienhäuser, Reihenhäuser, Doppelhaushälften geben, aber auch sozialen Wohnungsbau mit günstigen Mietwohnungen. Dafür sind Mehrfamilienhäuser geplant. „Es geht um die Sicherstellung der bedarfsgerechten Versorgung mit Wohnraum", erklärte Susanne Knipping vom Fachbereich Bauen.

Der Rahmenplan

Das Baugebiet Brunsheide gehört zu einer größeren Rahmenplanung rund um das Schulzentrum. Hier ist bereits einiges geschehen – und wird noch geschehen, wie der Ausbau der Felix-Fechenbach-Gesamtschule. Steigende Schülerzahlen hatten mehr Raumbedarf ergeben. Es gibt verschiedene Programme und Fördertöpfe für diese Erweiterungen, für den sogenannten Bildungscampus konnte die Gemeinde bereits fast 3 Millionen Euro Fördermittel akquirieren. Was dort passiert, ist auch auf den Zuzug im Baugebiet ausgerichtet. Familien, ältere Menschen, Berufsanfänger – hier sollen verschiedene Bevölkerungsgruppen ein neues Zuhause finden können.

Im Zuge der Planungen zum Bildungscampus hatten sich Vertreter des zuständigen Ministeriums und der Bezirksregierung vor Ort informiert, bei einem dieser Termine kam die Regionale 2022 ins Spiel, ein Strukturförderprogramm des Landes NRW. Eine Kommune kann – mit entsprechend guter Bewertung – mit Fördermitteln rechnen. Die aktuelle Regionale steht unter dem Motto „UrbanLand" und solle „für ein ausbalanciertes Verhältnis von städtischen und ländlichen Räumen mit dem Ziel, eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in der gesamten Region" sorgen.

Der Wettbewerb

Ein Bauprojekt in dieser Größenordnung hat es in Leopoldshöhe so noch nicht gegeben. Deshalb hat die Politik entschieden, dafür einen städtebaulichen Wettbewerb auszurufen. In einem Arbeitskreis haben alle im Rat vertretenen Fraktionen erarbeitet, was das neue Quartier leisten und was dort gebaut werden soll. Es ging auch um Aspekte wie Mobilität, Klimaschutz und zentrale Flächen für alle Bewohner des Quartiers. Das Stadtplaner-Büro Drees & Huesmann hat nun eine erste Übersicht für die Wettbewerbsvorgaben während der gemeinsamen Ausschusssitzung (Hochbau- und Planung/Straßen, Plätze und Verkehr/Umwelt- und Klimaschutz) vorgestellt. Daraus sind auch die Eckdaten ersichtlich für das, was dort entstehen soll. Und das ist den Anwohnern an den angrenzenden Straßen zu viel, zu wuchtig, zu unpassend (siehe unten stehender Artikel).

Das Quartier

Auf einer etwa 5,6 Hektar (56.000 Quadratmeter) großen Fläche sollen etwa 246 Wohneinheiten entstehen, erklärte Maria Chudzian (Drees & Huesmann). Insgesamt ist das Wohnraum für 738 Menschen. Sie wies darauf hin, dass es sich erst einmal nur um Richtwerte handele. Es geht um Wohnraum für Familien, Alleinstehende, Paare. 40 Prozent der Netto-Baufläche soll für Ein- und Zweifamilienhäuser sein, der Rest für Wohnungen für Singles, Paare und Familien, seniorengerechte Wohnformen sowie – ergänzend zum Wohnen – gewerbliche Flächen für Dienstleistungen etwa.

Es ist auch die Rede von Tagespflege, einem Café oder einem kleinen Nahversorger. In der Mitte soll es einen zentralen Grünzug geben, der durch das Quartier führt. Maximal dreigeschossig, eventuell plus ein zurückgesetztes Staffelgeschoss, sollen die Mehrfamilienhäuser werden. Ihr Standort soll nicht auf den Flächen sein, die an die bereits bestehende Siedlung angrenzen. Eine Kita soll ebenfalls auf dem Gelände Platz finden, zudem ein Nachbarschaftstreff als „Ort der Begegnung".

Die Erschließung führt von der Herforder Straße über den Wagentronsweg. Innerhalb des Quartiers ist eine Spielstraße vorgesehen. Stellflächen für Fahrräder und Autos sind ebenfalls zu planen. Über die Zahl und ihre Lage wird noch entschieden werden müssen. Ziel sei es ja, ein „autoarmes Quartier" zu schaffen, mit entsprechend zusätzlichen ÖPNV-Angeboten. Insgesamt sollen klimaschutzfreundliche Systeme und Bauarten eingesetzt werden.

So geht es weiter

Die Auslobungsbroschüre für den Wettbewerb wird noch einmal, Anfang Juni, der Öffentlichkeit vorgestellt, dann erst beginnt die Bewerbungsfrist. Die Beiträge der Bewerber werden schließlich auch ausgestellt, ein Preisgericht ermittelt den Sieger. Erst danach fallen die weiteren Entscheidungen – auch darüber, ob es bei einem Regionale-Projekt bleibt –, und der weitere Planungsprozess geht an den Start. Dirk Puchert-Blöbaum: „Es wäre auch ohne Regionale möglich", aber schwieriger. Ein Baugebiet bleibe es aber, das erklärte auch Thomas Jahn (SPD, Vorsitzender des Hochbau- und Planungsausschusses): „Wir brauchen Wohnraum."

Information

Bürger gründen Dorf-Verein

„Verein zur Erhaltung des dörflichen Charakters von Leopoldshöhe" – so heißt der neue Verein, den Anwohner am Baugebiet Brunsheide Süd-Ost gegründet haben, weil ihnen das dort geplante Quartier zu dicht, zu groß und in seinem Konzept nicht passend erscheint. Einige haben im Vorfeld der parlamentarischen Sitzungen zur Brunsheide einen Fragenkatalog zusammengestellt, einige Fragen kamen bereits in der Gemeinschaftssitzung am Donnerstagabend zur Sprache, die restlichen sollen schriftlich beantwortet werden. Stellvertretend für Anwohner, die sich vor allem gegen die geplanten Mehrfamilienhäuser wehren, sagt Vereinsvorsitzende Barbara Schwanold, Ziel des Vereins sei es, „die von der Gemeinde geplante Bebauung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass das Gebiet maximal so, wie ganz ursprünglich (in 2005) vorgesehen, bebaut wird". Damals sei lediglich von Ein- bis Zweifamilienhäusern die Rede gewesen. Eine Wohnform, die sich für sie und ihre Nachbarn gut in das Siedlungsgefüge einfüge. Das neue Konzept sei für eine Stadt, nicht ein Dorf. Mehr als 250 Anwohner seien gegen das Projekt, es gebe eine Unterschriftenliste.

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