Missbrauchsfälle Lügde: Neue Datenträger bei Abrissarbeiten gefunden

Björn Vahle, Lothar Schmalen und Janet König

Die Baracke von Andreas V. wurde Anfang der Woche abgerissen. - © Guido Kirchner/dpa
Die Baracke von Andreas V. wurde Anfang der Woche abgerissen. (© Guido Kirchner/dpa)

Lügde. Beim Abriss des Gebäudes auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde, in dem 40 Opfer für Kinderpornografie sexuell missbraucht worden sein sollen, sind nach Informationen dieser Zeitung weitere Datenträger gefunden worden. Es handelt sich laut Polizei Bielefeld und Staatsanwaltschaft Detmold um zwei CDs und zwei Disketten.

Der Tatort war von den Ermittlern bereits vor zwei Wochen wieder freigegeben worden. Am Donnerstag seien eine CD und zwei Disketten "im Zwischenraum des doppelten, fest verbauten Holzbodens im Wohnwagen des Beschuldigten gefunden" worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. "Nur durch den im Zuge der Abrissarbeiten frei gelegten Hohlraum zwischen den beiden Bodenplatten war die Auffindung der Datenträger möglich." Eine Zerstörung der Behausung "kam bei den Durchsuchungen aus rechtlichen Gründen nicht in Betracht".

Beim Abriss mit schwerem Gerät sei dann am Freitag eine weitere CD gefunden worden. Andere Medien berichteten am Freitag von drei CDs und zwei Disketten. Ob sich auf ihnen kinderpornographisches Material befindet, war zunächst unklar. "Die Beweismittel werden - soweit relevant - Gegenstand der gerichtlichen Beweisaufnahme sein", teilten die Ermittler mit.

Bereits mehr als 15 Terabyte an Daten sichergestellt

Die Datenträger wurden beschlagnahmt und sollen nun ausgewertet werden, heißt es aus Ermittlerkreisen. Anfang der Woche hatte der Campingplatz-Betreiber damit begonnen, die Baracke des Tatverdächtigen Andreas V. abzureißen, in der es zu Tausenden Fällen sexuellen Missbrauchs gekommen sein soll.

Monatelang war der Bereich abgesperrt gewesen, zwei Ermittlungsteams – erst Lippe, dann Bielefeld – führten mehrere Durchsuchungen durch, immer wieder wurden dabei neue Beweismittel gefunden. Nach der Freigabe des Tatorts durch die Staatsanwaltschaft hatte der Campingplatzbetreiber nur darauf gewartet, auch die nötige Rechtssicherheit für den Abriss zu bekommen.

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf dem Campingplatz haben die Ermittler bis Ende Februar bereits rund 15 Terabyte Daten gesammelt. Die drei Hauptverdächtigen, darunter auch Andreas V., sitzen aktuell in Untersuchungshaft. Ihnen soll ab Juni der Prozess gemacht werden.

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