Missbrauchsfall Lügde: Anklage gegen zwei Täter erhoben

Janet König

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Der Tatort: der Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen. - © Torben Gocke
Der Tatort: der Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen. (© Torben Gocke)

Lügde/Detmold. Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde hat das Landgericht Detmold die Anklageschrift gegen zwei der drei Beschuldigten erhalten. Gegen den dritten in U-Haft sitzenden Beschuldigten stehe die Anklage noch aus.

Das Gericht werde den Beschuldigten, einem 56 Jahre alten Dauercamper Andreas V. und dem 49-jährigen Mitbeschuldigten Heiko V. die Anklagen zuleiten und um Stellungnahme bitten, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Danach werde die rund 70-seitige Anklage mit dazugehörigen Haupt- und Fallakten geprüft. Dies werde einige Wochen dauern. Das Material sei umfangreich. Anschließend entscheidet die Dritte Strafkammer des Gerichts, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird.

Anklage gegen Mario S.

In Kürze soll laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter auch die Anklage gegen Mario S. erhoben werden. Dass gegen den zweiten mutmaßlichen Haupttäter im Fall Lügde die Anklageschrift noch nicht fertig sei, habe damit zu tun, dass die Ermittlungen nicht gleichzeitig fertig geworden sind. "Es fehlen Kleinigkeiten", sagt Vetter. Darunter seien die Begutachtung des Sachverständigen sowie die Ergebnisse der IT-Auswertung. 14 Rechner waren im Januar allein aus dem Keller des Elternhauses von Mario S. sichergestellt worden.

Die Verfahren gegen die Hauptbeschuldigten sollen nach der dritten Anklageerhebung zusammengeführt werden. "Hätten wir die Sechs-Monats-Frist nicht vor der Brust, hätten wir sicher noch ein wenig gewartet und zusammen Anklage erhoben", sagt Vetter. Dass es noch vor dem 6. Juni zum ersten Verhandlungstag kommt, hält der Oberstaatsanwalt allerding für utopisch. "Das wär schon recht sportlich", sagt Vetter. Die Prüfung durch das Detmolder Landgericht werde sicherer mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die Staatsanwaltschaft will daher nun die entsprechenden Akten für eine mögliche Haftverlängerung an das Oberlandesgericht Hamm schicken.

Im Fall Lügde werden dem 56-jährigen Andras V. und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim beschuldigt, über viele Jahre hinweg auf einem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen mehr als 40 Kinder missbraucht und dabei gefilmt zu haben. Die beiden Männer sowie der 49-jährige Heiko V. aus Stade sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Gegen weitere fünf Personen wird wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, des Besitzes von kinderpornografischem Material oder Strafvereitelung im Amt ermittelt.

Anwalt Peter Wüller aus Bielefeld, der vier der Opfer als Nebenkläger vertritt, arbeitet sich derzeit durch die Ermittlungsakten, die Grundlage für die Anklage sind. "Es wird einem schlecht, wenn man das liest", sagte er.

Mit Material der dpa

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