Nach Lügde: Zurückgetretener Landrat beklagt Empörungskultur im Internet

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Der ehemalige Landrat, Tjark Bartels, bei seiner ersten Pressekonferenz zum Fall Lügde im Februar 2019. - © Archivfot: Jannik Stodiek
Der ehemalige Landrat, Tjark Bartels, bei seiner ersten Pressekonferenz zum Fall Lügde im Februar 2019. (© Archivfot: Jannik Stodiek)

Der frühere Landrat von Hameln, Tjark Bartels, hat sich erstmals über die Gründe seines Rücktritts im vergangenen Oktober geäußert. Er sei im Zusammenhang mit der Missbrauchsaffäre in Lüdge persönlichen Angriffen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt gewesen, sagte er in einem Interview der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (Mittwoch). Das sei in einem Ausmaß und einer Schnelligkeit geschehen, wie er es bei anderen kommunalpolitischen Konflikten nicht erlebt habe. «Das war einfach viel zu viel, eine furchtbare Zeit.»

Bartels hatte im Oktober wegen eines Burn-outs seinen Rückzug vom Amt des Landrats erklärt. Bei den Ermittlungen zum hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde waren auch massive Behördenfehler ans Licht gekommen. Er habe sich um Aufklärung bemüht, sei aber als Sündenbock an den Pranger gestellt worden, sagte Bartels.

«Politiker sind in immer kürzer werdenden Abständen Empörungswellen ausgesetzt, die immer höher werden und unsere Debattenkultur zerstören», sagte Bartels. Es gehe nicht um kontroverse Diskussionen, sondern darum, möglichst schnell Sündenböcke zu finden, auf die sich dann eine künstlich und gezielt erzeugte Zorneswelle richten könne.

Die Empörungskultur lähme die Gesellschaft und die Akteure. Sie schaffe Strukturen, wie man sie vom Mobbing kenne. Es dürfe nicht sein, dass jemand im Internet zum Freiwild erklärt werde. «Da müssen Staat und Gesellschaft einsteigen.»

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