Von Jungfrauen, Gold und Hunden - Kurioses vom Köterberg

Freya Köhring

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- © Freya Köhring/Silke Buhrmester
Berg (© Freya Köhring/Silke Buhrmester)

Lügde-Köterberg. Was wäre Lippe ohne den Köterberg? Auf jeden Fall um eine grandiose Aussicht und viele Geschichten ärmer. Bestimmt verbindet so manch Lipper ein Erlebnis mit dem Berg, auch "Monte Wau Wau" genannt. Ganz vieles, darunter allerlei Kurioses, hat Rudolf Brand erlebt, der hier oben aufgewachsen ist, später die Gastronomie von seinen Eltern übernahm und sie 2019 an seinen Sohn Florian Brand weitergegeben hat. Bei einem Besuch lässt der 86-Jährige einige Erinnerungen wieder aufleben.

Vor allem an die Soldaten kann er sich noch sehr gut erinnern. Regelmäßig kamen sie nach Kriegsende auf den Berg um zu Feiern oder Manöver abzuhalten. "Wenn die Amerikaner hier gefeiert haben, dann mieteten sie den Saal, brachten ihren eigenen Whiskey mit und luden die "Jungfrauen" aus den umliegenden Ortschaften ein", erzählt Brand und muss Lachen. Daraus sei so manche Ehe entstanden und zu manchen halte er auch noch Kontakt.

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Wie viele Paare sich hier schon Liebesschwüre gegeben haben, darüber darf an dieser Stelle gerne spekuliert werden. Ein ganz Besonderer wird der Familie Brand wohl aber immer in Erinnerung bleiben: Die Motorradhochzeit. "Sogar der Pastor kam auf dem Motorrad und trug einen Helm mit Hörnern", so Brand. Der Berg war rappelvoll. Tausende Biker mit ihren Maschinen tummelten sich, um der Zeremonie beizuwohnen. "Und um 11 Uhr war plötzlich alles wieder leer", sagt seine Frau Ilona Brand.

Doch die Motorradfahrer kommen weiterhin in Scharen. Wer nicht selbst fährt, kann zumindest über die Videoplattform "Youtube" ein Gespür dafür entwickeln, wie sich die Auffahrt aus Sicht eines Bikers gestaltet. Hier haben einige Fahrer Videos hochgeladen. Doch auch Wanderer und Ausflügler schätzen den Berg. Auch Heinrich Lübke, zweiter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, war oft zu Gast. Regelmäßig ließ er sich von seinem Chauffeur bringen, um mit Rudolf Brands Vater Skat zu spielen, so der 86-Jährige. Und ganz sicher war auch der aktuelle Bundespräsident, Frank-Walter Steinmeier, schon des Öfteren auf dem Köterberg.

Immer wieder rauscht der Wind an diesem grauen Tag um das Köterberghaus. Doch das ist harmlos. "Wenn Sturm ist, dann ist hier etwas los", sagt Brand. Viele unterschätzten das. Auch die Deutsche Bundespost, als sie 1971 auf dem Berg den Funkturm errichtete. "Der Kranz oben war eingerüstet. Doch der Wind hatte das Gerüst so verschoben, dass am Ende die Abmessungen nicht mehr stimmten und dann alles erneut berechnet werden musste", berichtet Brand, der damals gerade aus dem Ausland zurückgekehrt war, um nach dem Tod seines Vaters im Köterberghaus mitzuhelfen. 1985 übernahm er die Wirtschaft schließlich ganz.

Im Archiv der Lippischen Landes-Zeitung finden sich ebenfalls immer wieder kleine kuriose Geschichten rund um den Köterberg. Am 27. August 1994 wird beispielsweise von einer Notiz aus der Zeitung des Jahres 1894 berichtet. Darin heißt es, dass damals ein Hund den Vermittlungsdienst zwischen Wanderern, die zur Schutzhütte auf dem Berg gelangt seien und dem Gastwirt unten im Dorf ausgeübt haben soll. Der Hund konnte zwar die Bestellung aufnehmen, doch bringen musste sie am Ende doch der Wirt.

Im Jahr 2001 schrieb die Kollegin über Pastor Johann Heinrich Schönfeld, der von 1795 bis 1850 in Reelkirchen tätig war und sich durch seinen Erfindungsreichtum auszeichnete. Unter anderem soll er seinerzeit den Vorschlag gemacht haben, vom Köterberg aus in den wolkenverhangenen Himmel zu schießen, um so ein mögliches Gewitter fernzuhalten, damit es sich in den "Nachbarprovinzen" entladen kann.

Und dann ist da auch noch die Köterbergsage "Die Springwurzel" der Gebrüder Grimm, die davon erzählt, dass der Berg voller Gold und Edelsteine sein soll. Nur, wer die Springwurzel findet, erlangt Zutritt zur Höhle. Leider soll sich diese aber selbst in der Höhle befinden und ist damit unerreichbar. Im 16. Jahrhundert wurden laut der Stadt Lügde sogar Konzessionen für Schürfrechte (in erster Linie Kupfer) vergeben. Doch gefunden wurde bislang nichts. Goldsucher hat Rudolf Brand noch nicht beobachtet. Doch der Berg wird bestimmt auch zukünftig noch so manche Geschichte erleben.

Eckdaten zum Köterberg

Der Köterberg ist die höchste Erhebung im norddeutschen Raum mit 497 m über Normalnull (NN). Bei guter Wetterlage genießen Besucher hier eine tolle rundum Aussicht über das Lipperland, das Weserbergland bis hin zum Brocken im Harz. Das achteckige Köterberghaus wurde 1929 aus Holz im riesengebirgs Baudenstil errichtet. 1971 stellte die Deutsche Bundespost hier den schon von weitem sichtbaren Funkturm auf.

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