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Vom Brudermeister zum Schützenkönig

Dietrich Günnewich macht bei den Lügder Schützen einen Schritt zurück nach vorn

Lügde. Mit Dietrich Günnewich trat bei der Generalversammlung im März ein echtes Urgestein der Schützenbruderschaft St. Kilian einen Schritt zurück aus dem Rampenlicht. Bis dahin repräsentierte er die Schützenbrüder als deren Brudermeister und füllte dieses Amt mit großem Sachverstand, Empathie und Freude aus, nun reichte er es an Michael Rüsenberg weiter.

Der tritt allerdings in große Fußstapfen. Denn Dietrich Günnewich war ein Brudermeister mit Herz und Verstand, Haut und Haar, und dem Verein seit seinem 16. Lebensjahr, als er endlich laut Satzung eintreten durfte, eng verbunden. Ein Amt bleibt ihm allerdings noch als stellvertretender Bezirksbundesmeister im Bezirksverband Höxter im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Im Gespräch mit der LZ blickt er auf seine Nähe zum Schützenwesen zurück.

Die ganze Familie hat das „Schützen-Gen“

„Ich stamme aus einer Schützenfamilie mit sechs Kindern,“ sagt er, „und schon mein Vater war in Lügde König.“ Auch seine Ehefrau kommt aus einer Schützenfamilie, und das „Schützen-Gen“ haben sie auch an ihre beiden Kinder weitergegeben. „In einer großen Familie muss man sich immer gut verstehen,“ erklärt Günnewich, „da habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen.“ Wohl ein Grund, sich 36 Jahre lang in der Vorstandsarbeit zu engagieren und vor nunmehr 18 Jahren zum Brudermeister gewählt zu werden, dreimal für jeweils sechs Jahre. Auch hier war der Aspekt der sozialen Verantwortung wesentlich, „denn die habe ich auch im Verein gelebt.“

Die Zusammenarbeit mit den politischen Gremien funktionierte immer reibungslos und auf Augenhöhe, „obwohl ich mich immer aus der Politik herausgehalten habe, denn ich hatte rund 500 Mitglieder zu vertreten. Alle Bevölkerungsschichten, alle Berufe, viele verschiedene Ansichten, da musste ich neutral sein und wollte nicht einer bestimmten politischen Richtung angehören.“ Das Stadtschützenfest zu initiieren oder sich für den Bau des Emmerauenparks einzusetzen war Dietrich Günnewich ebenso selbstverständlich wie sein Einsatz für die Schützenbruderschaft, die gerade mehr als 20.000 Euro in die Modernisierung, also Digitalisierung, der Schießanlage investieren will.

„Immerhin haben wir einen konstanten Mitgliederbestand,“ verrät er, „und bei der Jugend können wir sogar einen Zuwachs verzeichnen. Seit vier Jahren haben wir zirka 70 aktive Jungschützen, und das ist äußerst wichtig für den Verein.“ Eine gute Mischung von älteren Erfahrenen und jungen Leuten, die allmählich in die Verantwortung hineinwachsen, hält Günnewich für elementar. „Das geht nur mit guten Mitarbeitern, und das hat mir immer großen Spaß gemacht. Man muss den Willen zur Gestaltung haben.“

Im Jahr 1999 bereits einmal König

Seit 30 Jahren begleitete er, der im Jahr 1999 bereits einmal König war, alle Königshäuser, repräsentierte den Verein im In- und Ausland und ist zudem seit 40 Jahren Mitglied im Holzhäuser Schützenverein in der Nachbarstadt Bad Pyrmont. In seiner verbleibenden Freizeit fährt er leidenschaftlich gern Fahrrad oder schlägt den Golfball über die achtzehn Löcher des benachbarten Golfplatzes. „Einen Tag in der Woche bin ich vielleicht zu Hause,“ erklärt der agile 64-Jährige, „doch glücklicherweise steht meine Familie dahinter.“

Also war es nur logisch, dass Dietrich Günnewich, nachdem er sich im jüngsten Königsschießen zum Kronprinzen geschossen hatte, seine Frau Elisabeth zur Königin erkor. Mit ihr und seinem Hofstaat, den Hofdamen Melanie Köchling, Simone Schlieker, Nancy Rüsenberg, Petra Günnewich, Johanna Günnewich und Andrea Schlüter-Macke feierte er ein grandioses Schützenfest und wird den Verein weiterhin würdig vertreten.

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