Lügde-Sabbenhausen. Um Viertel vor Sieben kam die E-Mail aus Berlin, nur wenige Minuten später las Klaus Meier die Nachricht: „Herzlichen Glückwunsch: Ihr habt den Deutschen Nachbarschaftspreis 2025 in Nordrhein-Westfalen gewonnen! Mit eurem herausragenden Engagement habt ihr unsere Jury überzeugt. Wir gratulieren euch zu dieser Auszeichnung!“ „Da war ich natürlich erst mal von den Socken“, erzählt der Vorsitzende des Fördervereins Sabbenhausen. Dass der Mehrgenerationentreff, in den die Sabbenhausener innerhalb von einigen Jahren eine ehemalige Gaststätte umgewandelt haben, es unter die letzten fünf NRW-Bewerber geschafft hatte, war ihm und seinen Mitstreitern ja bewusst gewesen. Doch so ein Sieg, das ist noch mal eine andere Nummer. „Für so ein kleines Dorf wie Sabbenhausen ist das einfach sensationell“, jubelt Klaus Meier. Beitrag gegen Vereinsamung und Spaltung Seine erste Tat war natürlich, die gute Nachricht in der dorfeigenen Signal-Gruppe zu verbreiten: „Alle haben sich riesig gefreut, wir sind alle so stolz, dass wir das geschafft haben!“ Zumal mit dem Landessieg nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch noch immerhin 2000 Euro Preisgeld verbunden sind. Hinter dem Deutschen Nachbarschaftspreis (DNP) steckt die nebenan.de Stiftung. Sie ist eine gemeinnützige Tochterorganisation des Berliner Sozialunternehmens Good Hood GmbH, das die Nachbarschaftsplattform nebenan.de betreibt. Nach eigener Beschreibung fördert sie konkretes, freiwilliges Engagement in Nachbarschaft und Gesellschaft. „Dadurch wollen wir einen Beitrag leisten gegen Vereinsamung und gesellschaftliche Spaltung – für ein menschliches, solidarisches und lebendiges Miteinander“, heißt es auf der Internetseite der Stiftung. Bundesweit hatten sich über 930 Projekte beworben. Die 2000 Euro Preisgeld wollen die Sabbenhausener natürlich nicht einfach im Siegestaumel auf den Kopf hauen, sondern wieder in Projekte stecken. „Wir haben ja immer Pläne. Wir wollen im Herbst noch eine Streuobstwiese mit Insektenhotel anlegen. Und dann planen wir auch noch eine neue Internetseite mit besserer Anbindung an die Stadt und wir würden gern noch eine digitale Anzeigetafel vor dem Mehrgenerationentreff aufstellen, mit der wir auf Veranstaltungen hinweisen können.“ Hier wird auch sicher das DNP-Logo Erwähnung finden, denn mit dem Preis sollen die gekürten Projekte auch werben und somit noch bekannter werden, wie die Stiftung schreibt. Viele Hände für das eine Ziel Dass es wohl was werden könnte mit dem Sieg, das war Klaus Meier allerdings schon im Vorfeld gedämmert: „Die Stiftung wollte von uns nämlich noch ein besseres Bild haben, wo wir alle mit den Gesichtern nach vorn zu sehen sind“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Für die Dorfbewohner ein Klacks: „Wir haben ganz kurzfristig alle zusammengetrommelt, und es waren fast 70 Leute, die sich da gemeinsam aufs Gruppenfoto gestellt haben, auch die Kinder waren mit.“ Das fand er schon sehr beachtlich, weil es zeigt, wie stark sich die Dorfbevölkerung mit dem Projekt Mehrgenerationentreff identifiziert. „Wir haben es auch wirklich geschafft, das Haus mit Leben zu füllen. Da haben wir samstags das Dorfcafé mit selbst gebackenem Kuchen, und einmal im Monat bieten wir Frühstück an. Allein dabei engagieren sich ungefähr 30 Leute, und beides wird sehr gut angenommen.“ Für die Renovierungsarbeiten im Haus - irgendwas ist immer zu tun - trifft sich noch einmal wöchentlich eine etwa zehnköpfige Truppe. Die Dorfgemeinschaft vermietet das Haus auch für Feiern. „Getränke beziehen die Leute zu vernünftigen Preisen bei uns, aber das Catering müssen sie bei den beiden Gastwirtschaften im Ort ordern, denen wollen wir keine Konkurrenz machen.“ Als Feierlocation hat sich der Saal bewährt: Gerade habe er noch eine Anfrage aus Schwalenberg bekommen. Immer noch im Wachstum ist das kleine Heimatmuseum. „Wir bekommen immer wieder Angebote, neulich erst die Ausstattung einer kleinen Schneiderei oder noch historisches Werkzeug aus einer Schusterwerkstatt. Altes Handwerk interessiert die Leute, und das wollen wir ausbauen.“ Zu viert zur Preisverleihung Doch jetzt muss natürlich erst mal gefeiert werden: „Wäre die Nachricht aus Berlin nicht am frühen Morgen gekommen, hätten wir bestimmt sofort einen Sekt geköpft“, sagt Klaus Meier lachend. Am liebsten würde er mit der ganzen Bagage nach Berlin zur Preisverleihung fahren. „Die findet aber am Dienstag, 11. November statt, mitten in der Woche. Und wir dürfen auch nur zu viert kommen.“ Also werden er und seine Frau Ingrid zusammen mit Ortsbürgermeister Detlef Schake und dessen Frau Martina in die Bundeshauptstadt reisen. Lügdes Bürgermeister Torben Blome freut sich mit: „Ich weiß nicht, was da noch mehr kommen soll. Diesen Preis können sich alle Sabbenhausener an die Brust heften: Wer in so einer Nachbarschaft lebt, der kann wirklich stolz sein.“