Bad Pyrmont. Ein gemütlicher Plausch bei Kaffee und Kuchen in Bad Pyrmonts Wandelhalle – daraus wird im Moment gerade nichts. Denn das bisherige Café gibt es nicht mehr, und die neue Pächterin der zentralen Location kann noch nicht durchstarten. Özgül Ugurlu ist zwar auch jetzt schon regelmäßig vor Ort. Aber Regie in ihrem künftigen Café-Restaurant führen seit Dienstag die Handwerker. Und die haben richtig zu tun. Denn im Gastro-Saal ist unversehens eine weitere Baustelle aufgeploppt. „Nachdem wir einen Heizungsschaden bemerkt hatten, mussten wir jetzt Teile des Fußbodens aufstemmen“, sagt Staatsbad-Technikchef Steve Klassen. Dabei streicht er über eins der vorher unter Estrich und Parkett verborgenen jahrzehntealten Rohre. Als er die Hand wieder hochnimmt, sind seine Finger braun und es kleben ein paar rostige Bröckchen daran. „Die Rohre wurden lange nicht erneuert“, erklärt er. Das machen jetzt die Mitarbeiter des Staatsbad-Technikteams. Böse Überraschung: Brösel-Rohre Eigentlich waren vor dem Einzug der künftigen Gastro-Betreiberin nur die Erneuerung des Sonnenschutz-Stoffes unter der Dach-Abhängung, ein frischer Anstrich sowie einige Arbeiten in der Küche geplant. Doch jetzt geht natürlich die Heizung vor. Dass deren Uralt-Leitungen nun korrodiert und teils geborsten sind, freut zwar keinen. Denn so werden die vom Staatsbad als Vermieter zu tragenden Kosten dessen Chef Dr. Maik Fischer zufolge auf einen „niedrigen fünfstelligen Betrag“ ansteigen. Aber: „Dass der Schaden jetzt aufgetreten ist, ist besser als später im laufenden Betrieb“, findet Steve Klassen. Da er selbst Elektroinstallateur-Meister ist und einen Heizungsbauer im Team hat, hielten sich die Kosten noch in Grenzen. Für die Boden-, Trockenbau- und Malerarbeiten setze man auf Fachfirmen aus der Stadt und dem Landkreis. Am Dienstag ist das Team bereits mit 13 Mann angetreten. Denn vor dem Stemmen musste der Gastro-Saal noch geräumt werden. Jetzt sagen Klassen und Fischer: „Wir liegen gut in der Zeit. Frau Ugurlu wird, wie im Vertrag vereinbart, zum 1. April öffnen können.“ Denn die Arbeiten laufen nun parallel: Während ein Team am Boden zugange ist, schneiden die Kollegen schon den neuen weißen Stoff für die Lichtdecke zu, damit die Sonne später nicht ungefiltert in den Saal scheint. Falls es mit dem Anstrich von Wänden und Fenstern zeitlich knapp wird, will Klassen ihn im Sommer nachholen lassen, wenn sich der Café-Betrieb nach draußen vor die Wandelhalle verlagert. Und, apropos Licht: Regelrecht stolz ist Klassen auch darauf, dass jetzt wieder alle Bodenstrahler an den Wandelgang-Säulen funktionieren. „Daran haben zwei Elektriker eine Woche lang gearbeitet“, sagt er und schätzt die Kosten auf einen „nicht kleinen vierstelligen Betrag“. Denn auch diese Anlage sei korrodiert gewesen. Der Grund: „Die Wandelhalle hat kein Fundament. Von unten drückt immer das Wasser.“ Das wird aus den alten Möbeln Bevor die neue Pächterin einzieht, wird in einer Ecke des Gastro-Saals außerdem noch eine Lüftungsanlage für den Musiksaal nebenan installiert. Sie anderswo zu platzieren, wäre laut Klassen nicht möglich. Das Dachgeschoss sei statisch ungeeignet. „Die leiseren Arbeiten daran machen wir dann, wenn der Konzertraum nicht für Veranstaltungen gebraucht wird“, plant Klassen. Was wird aus den alten Tischen und Stühlen, die jetzt aufgereiht am Rad des Wandelgangs in der Halle stehen? „Die Tische will die neue Betreiberin aufarbeiten lassen und weiter verwenden“, weiß Klassen. Das Schicksal der etwa 100 Stühle ist dagegen noch offen. Denn auch die stabilen unter den schwarz lackierten Holz-Sitzmöbeln passen nicht in das Gestaltungskonzept der neuen Pächterin. Deshalb will Klassen den Verein „Arbeit und Integration Bad Pyrmont“ (AIBP) kontaktieren und fragen, ob der sie abnehmen und ins Sortiment seines Ladens aufnehmen kann.