Oerlinghauser Schützen marschieren über den Times Square in New York

Knut Dinter

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Wie Hähne im Korb: Es ist nicht leicht, auf dem Times Square in New York aufzufallen, mit ihren langen Federn an den Hüten gelingt es den Oerlinghauser Schützen jedoch mühelos. - © Schützengesellschaft
Wie Hähne im Korb: Es ist nicht leicht, auf dem Times Square in New York aufzufallen, mit ihren langen Federn an den Hüten gelingt es den Oerlinghauser Schützen jedoch mühelos. (© Schützengesellschaft)

Oerlinghausen/New York. In der Weltmetropole New York auffallen – das hat eine Abordnung der Oerlinghauser Schützengesellschaft nun geschafft. Die 29 Schützen haben an der berühmten Steuben-Parade teilgenommen. Blickfang waren dabei ihre Uniformen und erst recht die langen Federn an den Hüten. Allerdings mussten die Bergstädter bei ihrem Marsch über den Times Square auf ein wichtiges Utensil verzichten.

Nach 2006 brachen jetzt zum zweiten Mal Mitglieder der Schützengesellschaft zur Neun-Millionen-Stadt an der US-Ostküste auf. Ihr Hotel lag mitten in Manhattan, so dass sie zu Fuß den Central Park und das World Trade Center aufsuchen konnten. Nachts war das Empire State Building eigens in Schwarz-Rot-Gold angestrahlt.

Die Lipper sind ein beliebtes Fotomotiv 

Vor Beginn der Parade stand ein Gottesdienst in der St.-Patrick-Kathedrale auf dem Programm. „Von dort war es nicht weit bis zum Aufstellplatz", berichtete Felix Baehr, der gemeinsam mit Lutz Gronemeier die Reise vorbereitet hatte. Bereits vor dem offiziellen Beginn wurden die Oerlinghauser von „Pauken und Trompeten" begleitet. „Spontan hat sich uns ein Fanfarenzug aus der Eifel angeschlossen", erklärte Baehr.

Die volle Aufmerksamkeit der New Yorker Passanten war ihnen sicher, denn die Oerlinghauser wurden mit ihren typischen langen Federn an den Hüten mehrfach angesprochen, natürlich fotografiert und gelegentlich sogar berührt. Danach mussten die Bergstädter noch lange warten, ehe sie zur eigentlichen Parade stoßen konnten, denn ihre Gruppe war erst für das Ende vorgesehen. Dies erwies sich jedoch als Vorteil. „Während wir warteten, zogen alle anderen Teilnehmer an uns vorüber, so dass wir sie gut beobachten konnten", sagte Baehr.

Der Hitze zum Trotz

Die eigentliche Parade war bereits nach eineinhalb Stunden beendet – nachdem die Schützen zwei Stunden gewartet hatten. Der Tag brachte „typisches Oerlinghauser Schützenwetter" mit sich – 33 Grad Celsius und gefühlte 99 Prozent Luftfeuchtigkeit. „Aber wir haben uns dennoch in unseren Joppen wohlgefühlt", meinte Baehr.

Für Erleichterung bei der Hitze sorgten nicht zuletzt die beiden Versorgungsfahrzeuge des Brooklyn Schützen Corps. Die Amerikaner haben ihre deutschen Gäste während des gesamten Aufenthalts fürsorglich betreut und sie anschließend noch zum „Ompah"-Volksfest eingeladen.

Zu den 5.000 Gästen gehörte auch die deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber. Beim Vergleichsschießen mit den Brooklynern erwies sich Kathrin Zimmermann aus Oerlinghausen als beste Schützin. „Wir haben viele interessante Gespräche geführt", berichtete Baehr. Am Ende wurden die neu gewonnenen amerikanischen Freunde zum Schützenfest nach Oerlinghausen eingeladen. „Mal sehen, was draus wird", zeigte sich Baehr gespannt.

Notbehelf: Bei 33 Grad Celsius mussten die Oerlinghauser Schützen während der lange Wartezeit ihre Hüte ablegen. Auf der Motorhaube dieses Wagens fanden sie einen geeigneten Platz. - © Schützengesellschaft
Notbehelf: Bei 33 Grad Celsius mussten die Oerlinghauser Schützen während der lange Wartezeit ihre Hüte ablegen. Auf der Motorhaube dieses Wagens fanden sie einen geeigneten Platz. (© Schützengesellschaft)

Sicherheitshalber hatten die beiden Organisatoren eine Bescheinigung besorgt, dass die Federn an den Hüten keineswegs gegen den Artenschutz verstoßen. Die Schwanzfedern der Königsfasane stammen aus chinesischer Zucht. Eine andere Sorge galt den Waffen. Die Degen der Offiziere waren gesammelt in einer Holzkiste auf die Reise geschickt worden. Bei der Parade mussten die Schützen dennoch auf die Ehrenzeichen verzichten. Wurden sie vom Zoll festgehalten oder etwa vom FBI konfisziert?

Welch ein Erlebnis: Vom quirligen Times Square zeigten sich auch Ihno Zimmermann, Lutz Gronemeyer, Markus Höhne, Raphael Peters, Felix Baehr, Schützenkönig Sebastian Boer, Alexander Scherlich und Claudius Blume (von links) beeindruckt. - © Schützengesellschaft
Welch ein Erlebnis: Vom quirligen Times Square zeigten sich auch Ihno Zimmermann, Lutz Gronemeyer, Markus Höhne, Raphael Peters, Felix Baehr, Schützenkönig Sebastian Boer, Alexander Scherlich und Claudius Blume (von links) beeindruckt. (© Schützengesellschaft)

Die Wahrheit ist unspektakulär. „Wir haben die Kiste als normales Gepäckstück aufgegeben", sagte Baehr. „Sie war zunächst auf dem Frankfurter Flughafen stehengeblieben und traf erst zwei Tage später ein." Das Fazit: „Wir haben nur positive Eindrücke mitgenommen und hatten Spaß ohne Ende", sagte Baehr. „Jetzt kennen wir uns in New York aus. Die Reise werden wir bestimmt wiederholen."

Ehrung der Einwanderer

Etwa 15 Prozent aller US-Amerikaner sind deutscher Herkunft oder Abstammung. Mit der „German-American Steuben Parade" werden seit 1957 jährlich die deutschsprachigen Einwanderer in den USA geehrt und die deutsche Kultur gefeiert. Der Trachtenumzug wurde nach dem deutschen General Friedrich Wilhelm von Steuben benannt. In Amerika stellte er die preußischen Taktiken vor, mit denen die Armee von General George Washington dann die amerikanische Unabhängigkeit erkämpfte.

An der Parade nehmen jedes Jahr mehr als 50 Gruppen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie den USA teil. Die Marschroute führt über die Fifth Avenue bis zur 86th Street, die umgangssprachlich auch scherzhaft „German Boulevard" genannt wird.

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