Mountainbiker haben es schwer im Bergstädter Wald

Gunter Held

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Blick vom Tönsberg auf die lippischen Wälder, die sich zum größten Teil in Privatbesitz befinden. Die Schneise im Wald ist eine Spur, die der Orkan Friederike vor drei Jahren hinterlassen hat. - © Martin Düsterberg
Blick vom Tönsberg auf die lippischen Wälder, die sich zum größten Teil in Privatbesitz befinden. Die Schneise im Wald ist eine Spur, die der Orkan Friederike vor drei Jahren hinterlassen hat. (© Martin Düsterberg)

Oerlinghausen. Im Umweltausschuss am vergangenen Donnerstag ging es ums Fahrradfahren im Wald. Genauer: Um die rechtlichen Möglichkeiten. Dazu waren Daniel Telaar, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Lippe und Dieter Kube vom Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe des Landesbetriebs Wald und Holz als Gäste in den Ausschuss gekommen.

Telaar erklärte, dass das Allgemeine Betretungsrecht des Waldes auch Radfahrer einschließe. Das gelte auch in Lippe, wo die meisten Waldflächen in privatem Eigentum ständen. Allerdings dürfen Radfahrer nur auf landwirtschaftlichen Wegen und auf pkw-fähigen Wegen fahren. Abseits der Wege zu fahren, sei verboten.

Der Hermannsweg ist nicht nur bei den Oerlinghausern beliebt. Gerade an Wochenenden tummeln sich dort viele Wanderer – und Radfahrer, für die der Weg ebenfalls reizvoll ist. - © Karin Prignitz
Der Hermannsweg ist nicht nur bei den Oerlinghausern beliebt. Gerade an Wochenenden tummeln sich dort viele Wanderer – und Radfahrer, für die der Weg ebenfalls reizvoll ist. (© Karin Prignitz)

Allerdings gebe es auch Ausnahmen, zum Beispiel Downhill-Strecken. Das sind genau die Strecken, die die Mountainbiker im Oerlinghauser Wald verwirklichen wollen. Solche Downhillstrecken, so Telaar weiter, brauchen aber einen besonderen rechtlichen Rahmen. „Jemand muss die Strecke bauen, unterhalten, für die Sicherheit sorgen und die Verantwortung übernehmen", sagte Telaar. Und weiter: Wenn solch eine Downhill-Strecke im Wald entstehen würde, dann würde in dem Bereich die Waldeigenschaft verlorengehen und der Bereich in eine Sportstätte umgewandelt werden. Aus diesem Grund seien Naturschutzgebiete für solche Strecken nicht geeignet. Die Verantwortung für solch eine Strecke könne ein Verein aber auch eine Kommune übernehmen.

Thomas Reimeier ist Verwaltungsleiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt. - © Gunter Held
Thomas Reimeier ist Verwaltungsleiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt. (© Gunter Held)

Dieter Kube ergänzte, indem er ein Negativbeispiel aus Hörste nannte. Dort sei beim Bau der Strecke sogar Beton verwendet worden. Es herrsche eine Diskrepanz zwischen dem freien Betretungsrecht und dem Recht auf Grundeigentum. Er stellte klar: "Unsere Aufgabe ist es, den Wald zu erhalten." Bei den Mountainbikern sah er drei Interessengruppen: die Downhill-Fahrer, die Fahrer, die einen in die Landschaft eingepassten Parcours abfahren möchten und die Trailfahrer, die einfach Strecke machen wollen. Er sagte, dass die Versicherungspflicht beim Waldeigentümer liege. Geplant sei ein Runder Tisch mit der lippischen Bürgermeisterrunde, bei der das Thema erörtert werden soll.

Radfahren ist erlaubt, solange es niemanden stört

Auf Nachfrage von Peter Heepmann (SPD) sagte er, dass Mountainbiker sehr wohl auf dem Hermannsweg fahren dürften, solange sie niemanden gefährden. „Gefragt ist gegenseitige Rücksichtnahme", sagte Daniel Telaar. Auf die Frage, ob es denn möglich sei, Fußgänger und Mountainbiker zu trennen, nannte er als Beispiel den von beiden genutzten Hermannsweg und dem Erschrecken der Fußgänger, wenn plötzlich ein Mountainbike vorbeisausen würde. „Ja", sagte Telaar, „so etwas ist möglich." Das müsse aber in einem Genehmigungsverfahren entschieden werden und dann müssten für den neu angelegten Radweg auch Ausgleichsflächen geschaffen werden. In Bielefeld solle eine Parallelstrecke zum Fußweg für Mountainbiker geplant werden.

Peter Jong (SPD) wollte wissen, ob sich an der Ausgleichsregelung in der Vergangenheit etwas geändert habe und welche Varianten es gebe. Die Antwort gab Dieter Kube: Nein, eine Änderung habe es nicht gegeben. Der Wald müsse erhalten bleiben und wenn etwas gebaut würde, müsse der Verursacher Ersatzflächen schaffen, und zwar im Verhältnis 1 zu 2. Als Varianten nannte er die befristete und die unbefristete Umwandlung des Waldes. Aber auch in diesen Fällen „müssen Kompensationen erbracht werden".

Jens Dreßler (IO) wollte wissen, ob die Verwaltung an den Kreis herantreten könne, wenn ein Konzept für eine Fläche vorliege. Das bejahte Daniel Telaar.

Reiter sollen es im Wald leichter haben. Bisher durften Reiter wohl durch Flur, aber nicht durch Wald reiten, es sei denn, es war, angezeigt durch entsprechende Schilder, ausdrücklich erlaubt. Jetzt hat es eine Gesetzesänderung auf Landesebene gegeben, informierte Thomas Reimeier die Mitglieder des Umweltausschusses. Diese Gesetzesänderung erlaubt das Reiten im Wald grundsätzlich. Nur nicht dort, wo es ausdrücklich verboten ist. Und überall ist es auch nicht erlaubt. Die Reiter müssen auf Straßen und „pkw-fähigen Wegen" bleiben, wie Reimeier erklärte. Ebenfalls verboten ist das Reiten in Naturschutzgebieten und dort, „wo richtig Trubel herrscht", wo also viele Fußgänger unterwegs sind. Es gebe aber bereits eine Klage gegen die Gesetzesänderung, sagte Daniel Telaar. Aus diesem Grund sollen die Kommunen eine Stellungnahme abgeben. Bis dahin gilt eine Allgemeinverfügung des Kreises Lippe.

Julia Eisentraut, (Grüne) wollte wissen, was auf dem Wanderweg 8 in der Nähe der Sandgrube Haßler gebaut werde, denn dort sei ein Graben ausgehoben worden. Thomas Reimeier antwortete, dass die Stadtwerke dort neuen Stromkabel zum Teil durch den Wald verlegen. Die Arbeiten werden jedoch zeitnah abgeschlossen.

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