Ein Blick hinter die Kulissen des Segelflugplatzes Oerlinghausen

Oliver König

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Die vielen Hallen rund um den Flugplatz sind auch bestückt mit Fliegern unter der Decke. - © Oliver König
Die vielen Hallen rund um den Flugplatz sind auch bestückt mit Fliegern unter der Decke. (© Oliver König)

Oerlinghausen. Sie gehören in Oerlinghausen einfach dazu: Segelflieger, die ihre Runden drehen oder sich von hier aus auf eine längere Strecke begeben. Auch im neuen Imagevideo von Oerlinghausen Marketing spielt der Luftsport eine große Rolle. Doch was tut sich eigentlich hinter den Kulissen eines Segelflugplatzes?

Schon bei der Anfahrt wird die Bedeutung deutlich. Am Wegesrand trägt die Grillbude den Namen „Landeplatz", auf der gegenüberliegenden Seite ist das Restaurant unter „Check In" bekannt. Am Parkplatz, auf dem an Wochenenden viel los ist, geht der Blick in die Runde. Das weiträumige Gelände am Stukenbrocker Weg ist ein beliebtes Ausflugsziel oder Ausgangspunkt von Wanderungen.

Flugplatz wird von 13 Vereinen betrieben

„Das ist ein typischer Tag heute, man kann nicht richtig planen", sagt der hauptamtliche Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen (FGOe), Rolf Tiemeyer, zur Begrüßung und blickt in den wolkenverhangenen Himmel. Er hat sein Büro unterhalb des Towers. Nachdem er kurz auf die Wetterstation geschaut hat, geht’s ein paar Treppen hinauf. Dabei erklärt der 61-Jährige, dass der Flugplatz Oerlinghausen von der FGOe, dem Zusammenschluss von 13 Vereinen, betrieben wird.

Rolf Tiemyer vor seinem "Firmenwagen" und vor der Halle der Segelflugschule. - © Oliver König
Rolf Tiemyer vor seinem "Firmenwagen" und vor der Halle der Segelflugschule. (© Oliver König)

Die FGOe besteht seit 1952, in den Mitgliedsvereinen betreiben etwa 1000 Mitglieder Luftsport. Der Flugplatz umfasst etwa 650.000 Quadratmeter und verzeichnet 25.000 bis 30.000 Starts und somit wohl die meisten weltweit. Klar, dass sich viele, viele Ehrenamtliche um große und kleine Dinge kümmern. Etwa 50 Fluglehrer sind es zum Beispiel, dazu kommen Aushilfskräfte als Flugleitung oder als Platz- und Gebäudewarte.

Oben im Tower hat Johannes Auf dem Venne als Flugleiter an diesem Tag seinen Posten bezogen. Er gibt wichtige Informationen wie zu Start- und Landerichtung, Windstärke oder Windrichtung weiter und registriert die Starts und Landungen. „Mein Name spielt im Prinzip keine Rolle. Ich stehe für Funktion und Abläufe. Alle in den Vereinen die den Flugbetrieb ermöglichen, Ausbildung organisieren, Rekorde fliegen, – die machen denFlugplatz aus", sagt Rolf Tiemeyer – oder auch Leute wie Johannes Auf dem Venne.

Ein Blick in den Tower, von dem aus Flugleiter Johannes auf dem Venne alles im Blick hat. - © Oliver König
Ein Blick in den Tower, von dem aus Flugleiter Johannes auf dem Venne alles im Blick hat. (© Oliver König)

Neue Solaranalage wird bald in Betrieb genommen

Und schon wartet im Treppenhaus mit Wolfgang Müller einer der Platzwarte. Zehn Stunden hätten beide am Tag zuvor gemäht, und sie seien fast fertig geworden. Derweil verweist Tiemeyer, auch zuständig für Organisation und Gebäudemanagement, auf die neuen Solaranlagen auf mehreren Flugzeug-Hangars, die bald in Betrieb genommen werden. Bevor es aufs Gelände geht, auf dem auch der Landesleistungsstützpunkt Segelfliegen beheimatet ist, zeigt der in Bad Oeynhausen wohnende Tiemeyer noch das Tank- und Rettungsfahrzeug, das unter anderem mit einem Defibrillator ausgestattet ist und von Wolfgang Müller gepflegt wird.

Tiemeyer setzt sich in seinen „Firmenwagen", fährt voraus und hält bald wieder an. An der Halle 1, die in den 1930er-Jahren gebaut wurde, die älteste auf dem gesamten Gelände ist und nun Heimat von Ultraleichtfliegern ist. In der Halle nebenan hängen etliche Flieger gar an der Decke. Länger ist der nächste Aufenthalt in den „vier Wänden" des Segelflugvereins Oerlinghausen, Sparte Modellflug.

Wolfgang Müller hat ein Herz fürs Modellfliegen, das wird in den nächsten Minuten deutlich. Zurzeit baut er seit eineinhalb Jahren an einer „Wildcat4F4", in den nächsten zwei, drei Monaten will er fertig sein. Gleich gegenüber liegt laut Tiemeyer „ein typisches Vereinsheim", das des Flugvereins Gütersloh. Fallschirme und Geräte sind gelagert, Wartungsarbeiten finden hier statt.

Platzwart Wolfgang Müller hat ein Herz für den Modellflug. - © Oliver König
Platzwart Wolfgang Müller hat ein Herz für den Modellflug. (© Oliver König)

Schon geht’s weiter Richtung Segelflugschule, die mit mehr als 20 Festangestellten ebenfalls der FGOe angehört. Grundausbildungen, Fortbildungen, Ausbildungslehrgänge, Übernachtungsmöglichkeiten: „Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt", sagt Tiemeyer, der auch den Campingplatz vor der Schule verwaltet oder sich um ganz andere Probleme kümmert. Zum Beispiel dann, wenn es um Fluglärm geht. „Da müssen dann Rädchen nachjustiert werden. Wir wollen schließlich das gute Miteinander mit der Bevölkerung", betont der 61-Jährige, der in den 1980er-Jahren mit der Fliegerei begann.

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Einen letzten Zwischenstopp gibt es auf der grünen Wiese am Rande des Platzes. „Dort drüben haben wir rund 3500 Pflanzen gesetzt, und hier vorne sind auch schon mal die Rinder zu sehen", verweist Tiemeyer auf die Zusammenarbeit mit dem Naturschutzgroßprojekt. Zum Schluss zeigt er noch auf die Tankstelle im freien Gelände oder auf die Halle der Segelflugschule, in der Toni die Motorflieger wartet.

Die kurzweilige Flugplatzrunde mit Rolf Tiemeyer geht zu Ende. Es gibt sicher noch viel mehr zu erzählen. „Luftsportzentrum Oerlinghausen abheben...", ist auf einem Flyer zu lesen. Wie passend, so die Eindrücke nach dem Blick hinter die Kulissen.

Fix in der Luft

„Der Segelflugplatz ist ein Aushängeschild und die Einrichtung, die Oerlinghausen international und national bekannt gemacht hat", sagt der Vorsitzende des Marketingvereins, Georg Hemkendreis. Er war einst selbst Geschäftsführer der Flugplatzgemeinschaft Oerlinghausen (FGOe). Für Segelflug-Bundestrainer Wolli Beyer aus Oerlinghausen hat dieser Segelflugplatz seinen Reiz, auch weil hier „eine lockere und entspannte Stimmung herrscht". Zudem sei man durch die Sechs-Trommel-Windenanlagen fix in der Luft.

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