Schieder-Schwalenberg
Störche beziehen ein Appartement mit Aussicht
| von Silke Buhrmester

Im vergangenen Jahr sind Störche gesichtet worden. - © Silke Buhrmester(LZ)
Im vergangenen Jahr sind Störche gesichtet worden. (© Silke Buhrmester(LZ))

Schieder-Schwalenberg/Brakelsiek. In dem kleinen Dörfchen Brakelsiek, gelegen am Fuße des Mörth zwischen Schieder und Schwalenberg, gibt es 16 Männer, denen die Nachwuchsförderung, besser die Nachwuchsproduktion am Herzen liegt. Sie haben geschuftetet, Schweiß und Scherben gelassen – und am Ende steht es endlich, das erste Brakelsieker Storchennest. Noch am selben Tag ziehen die ersten Bewohner ein – allerdings die falschen.

Die Idee hatte Fritz Loke. Es gibt eins in Schwalenberg und in Lothe, und etwas weiter entfernt gibt es in Elbrinxen sogar so viele Nester, dass es für eine „Storchenstation" plus passendem Verein reicht. In Brakelsiek aber wurden immer wieder Störche auf den Feldern ringsherum gesichtet, nur ein Zuhause hatten sie nicht – bis jetzt.

Zwölf Meter hoher Stamm

Die Mitglieder der LTG – ursprünglich „Lippische Trinkgemeinschaft", aber gerne auch „Lipper tun Gutes" genannt, wie Dirk Steinmeier schmunzelnd betont – stellt an diesem Vormittag einen zwölf Meter hohen Stamm, den Loke im Blomberger Forst für einen schmalen Taler erworben hat, mit einigen technischen Geräten und noch mehr technischem Verstand am Rande von Lokes Bauhof auf.

Nicht irgendwo, sondern in unmittelbarer Bach- und Wiesennähe – damit der Meister Adebar, der diese Wohnung wählt, es auch leicht hat, seine Beute zu finden; Frösche gehören dazu, aber auch Mäuse stehen auf dem Speiseplan. Und damit das Vogelpaar auch recht ungestört von Zivilisation und Verkehrslärm brüten kann. Denn das Nest ist von der Ruensieker Straße zu sehen, aber selbst für Fußgänger nicht zu erreichen.

Fundament für den sicheren Stand

Den langen Stamm, der geradeste, der im Blomberger Forst zu finden war, wie Loke betont, nach Brakelsiek zu schaffen, war die erste Herausforderung. Dann verbrachten die LTG-Mitglieder einige Zeit mit den Vorbereitungen: Ein Betonfundament war die Voraussetzung für einen sicheren Stand, der Stamm musste geschält, das Nest aus Weidengeflecht vorbereitet werden. Das kostete einige gesellige Samstage.

Die ehrenamtliche Helfer waren fleißig.  - © Silke Buhrmester(LZ)
Die ehrenamtliche Helfer waren fleißig.  (© Silke Buhrmester(LZ))

„Der Storch setzt sich gerne ins gemachte Nest", sagt Klaus Föste, der sich auf den Seiten des Nabu im Internet schlau gemacht hat. Also ist es allein mit der Aufstellung nicht getan. Denn in luftiger Höhe muss die neue Wohnung, die einen Durchmesser von 1,40 Meter hat, zunächst noch eingerichtet werden. Eine Spezialleiter wird per Trecker über den aufgeweichten, schlammigen Boden herangeschafft. Dass dabei die Heckscheibe des Treckers zu Bruch geht – geschenkt. „Ein bisschen Schwund ist immer", nimmt es Dirk Steinmeier mit Humor, und auch Treckerbesitzer Hartmut Strunk bleibt gelassen.

Das Warten auf die Störche

Die Schubkarre voll Mulch im Nest zu verteilen, während es in elf Metern Höhe ganz schön weht und schwankt, ist Sache von Nils Franke. Er ist Maler, aber „das letzte Mal, dass ich auf einer Leiter in so einer Höhe gestanden hab, ist auch schon ganz schön lange her", gesteht er. Um ihm das Auf und Ab zu ersparen, wird kurzerhand ein Seilzug konstruiert. Jetzt kommt eimerweise Mulch oben an, wo Franke ihn ins Nest balanciert.

Vielleicht ziehen schon bald Störche im neuen Horst ein! - © Silke Buhrmester(LZ)
Vielleicht ziehen schon bald Störche im neuen Horst ein! (© Silke Buhrmester(LZ))

Mit vereinten Kräften justieren die Männer unten am Stamm noch ein bisschen nach, um das Nest noch standfester zu machen. Fertig. „Jetzt müssen wir nur noch hoffen, dass hier demnächst Störche einziehen", sagt Klaus Föste. Im vergangenen Jahr hatte Fritz Loke bereits Anfang Februar, direkt vor dem großen Schneefall, die ersten Vögel gesichtet.

Die unberechenbare Natur

Der Nistplatz ist pünktlich fertig geworden. Allerdings ist er offenbar auch attraktiv für andere Vögel, die schon vor Ort sind. Hausbesetzer lassen nicht lange auf sich warten. Gleich am ersten Tag fliegen Nilgänse den Horst zum Probeliegen an. „Wir hoffen natürlich, dass die wieder verschwinden", sagt Steinmeier.

Die Natur ist unberechenbar. Nilgänsen jedoch wird definitiv kein Einfluss auf die Geburtenrate in ihrem Umfeld nachgesagt. Das könnte den Plan, den die LTG-Mitglieder insgeheim schon gefasst haben, durchkreuzen. „Im Sommer könnten wir ein Fest rund um den Storchenhorst veranstalten und dabei vor allem junge Frauen einladen", hatte sich Loke schon lachend ausgemalt.

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