Sprachunterricht via Internet

Amélie Förster

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Die angehende Englischlehrerin Jana Kley (26) kommt im Netz gerne mit Muttersprachlern ins Gespräch. - © Oliver Krato
Die angehende Englischlehrerin Jana Kley (26) kommt im Netz gerne mit Muttersprachlern ins Gespräch. (© Oliver Krato)

Bielefeld. Jana Kley ist 26 Jahre alt und angehende Lehrerin. Ihre Fächer: Englisch und Pädagogik. Ihre Sprachkenntnisse hat sie während Auslandsaufenthalten in Irland und Schweden verbessert. Als Mutter einer fünfjährigen Tochter, mit der sie auch gerne viel Zeit verbringt, ist es aber schwierig, mit Englischmuttersprachlern in Kontakt zu kommen: „Zu einem Sprachstammtisch zu gehen, ist für mich zeitlich quasi unmöglich", sagt Kley. In ihrer Heimat Bielefeld gibt es zwar einige Angebote, jedoch ist es für sie schwer einzurichten, daran teilzunehmen. Sie hat sich daher im Web eine Lösung gesucht: „italki" heißt die Webseite, über die sie inzwischen zahlreiche Sprachpartner kennengelernt hat. „Und die leben in der ganzen Welt", sagt Kley. Die meisten seien aus Europa, die Zeitverschiebung sei sonst ein Problem. Für die angehende Englischlehrerin ist die Website interessant, weil sie so mit Muttersprachlern in Kontakt treten kann, oftmals lerne man dabei, so Kley, immer noch das ein oder andere spezielle Wort dazu. Besonders wichtig sei ihr, sich über Kultur auszutauschen.

Wie aber funktioniert italki? Nach der kostenlosen Anmeldung auf der chinesischen Plattform gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten, mit Sprachpartnern in Kontakt zu treten. Eine kostenlose, mit Sprachpartnern im Tandem und eine kostenpflichtige, bei der man von einem professionellen Lehrer betreut wird. Professionell bedeutet in diesem Fall, dass ein Zertifikat vorliegen muss, das die Fähigkeit des Lehrers belegt. Für einen Termin bei einem professionellen Lehrer muss man sich online in eine Tabelle eintragen. Die Zeit wird fest verabredet, gezahlt wird vorher – die Preise sind durch die Lehrer festgelegt. Ein Vergleich lohnt sich, da sich die Preise für eine Stunde auch unterscheiden. Rund 15 Euro kostet eine Stunde beim Profi. Günstiger sind die Kurse bei einem Sprachtutor, diese liegen bei etwa 5,50 Euro. Gezahlt wird bei italki allerdings in einer eigens virtuelle Währung, die an den US-Dollar gekoppelt ist.

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Selbst ist die Frau


Über einen italki-Kontakt hat Kley auch die kostenlose App „Duolingo" kennengelernt. Hier können sich User Sprachkenntnisse selbst aneignen. Ähnlich funktioniert auch die kostenpflichtige App „Babbel". Mit dieser App hat sich Kley selbst Schwedisch für ihren Auslandsaufenthalt, den sie mit Tochter Mia und Freund Sebastian absolviert hat, beigebracht. Die App wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. „Ich konnte mich nach dem Kurs schon ein bisschen verständigen", sagt Kley.

Kritisch: Wenn man sich sechs Monate nicht einloggt, ist das aufgeladene Geld weg. Weil es sich um ein privates Unternehmen handelt, kümmert es sich weniger um die Kunden als um sein eigenes wirtschaftliches Interesse. Außerdem wird das Geld für gezahlte Stunden nicht zurückerstattet, was zum Beispiel nötig wäre, wenn der Lehrer den Termin nicht einhält. Es ist also wichtig, die eigenen Finanzen bei italki im Auge zu behalten. Des Weiteren sammelt italki, wie viele andere Onlinedienste auch, personenbezogene und anonyme Daten und stellt diese Drittanbietern, wie zum Beispiel Verkäufern zu Verfügung.

Wer schon gute Sprachkenntnisse und ein größeres Interesse daran hat, eine Kultur kennenzulernen, für den ist ein Tandempartner das richtige. Über die Community können sich Sprachtandems kostenlos finden und Daten zur Videotelefonie austauschen, um sich dann ungezwungen über Gott und die Welt zu unterhalten. Kley hat diese Funktion schon häufig genutzt: „Fast 90 Prozent meiner Skype-Kontakte stammen von italki!". Leider seien viele der User nicht so zuverlässig oder hätten nur kurzfristiges Interesse an einer Sprache. Aber ein neuer Sprachpartner sei immer schnell gefunden.

Susanne Hecht, Leiterin des Fachsprachenzentrums der Uni Bielefeld, hält das Internet insgesamt für eine gute Ergänzung beim Sprachenlernen. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Tandempartner, im Vergleich zum reinen Sprachenlernen am Computer oder mit einer Software, bessere Erfolgserlebnisse bringen. „Im Austausch lernt man am besten", sagt Hecht. Um das Sprachenlernen möglichst erfolgreich zu gestalten, empfiehlt Hecht den Tandemserver der Ruhr-Universität in Bochum. Dieser hält zum Beispiel Tipps parat, wie das Lernen voneinander effektiv gestaltet werden kann. „Zum Beispiel sollte man darauf achten, dass beide Sprachen gleich viel gesprochen werden. Außerdem sollten nicht mehr als zehn Fehler pro Sitzung korrigiert werden", rät Hecht auf Basis des Tandemservers.

Auch das Lernen von professionellen Lehrern via Videounterricht hält Hecht für eine tolle Methode: „So hat man die Chance, an einen super Lehrer zu geraten, der vielleicht am anderen Ende der Welt sitzt." Auch an der Uni habe man gute Erfahrungen mit Onlinekursen gemacht. Vor Ort wird beispielsweise für die Arabischkurse ein Onlinekurs vorausgesetzt, bei dem die arabischen Buchstaben und deren Aussprache geübt werden. Seitdem ist es möglich, dass im ersten Kurs der Stoff aus dem ersten Jahr vermittelt wird. So gut Erfahrungen sind, die Hecht beschreibt, gibt es doch eine Sache, die noch besser beim Sprachenlernen hilft: „Die sinnlichen Erfahrungen eines Auslandsaufenthalts kann das Internet noch nicht ersetzen." Und das sieht auch Kley so. Für sie ist das Web aktuell der bequemste Weg, um regelmäßig mit Muttersprachlern in Kontakt zu treten: „Die Möglichkeiten im Web sind eine super Ergänzung, aber kein Ersatz zum direkten Austausch mit Menschen vor Ort." – Das Internet kann das Reisen in fremde Länder nicht ersetzen.

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