Kleidungstipps für heiße Tage: Was ist im Job erlaubt?

Christine Warnecke

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Ob sich Mitarbeiter im Sommer lockerer anziehen dürfen, entscheidet der Arbeitgeber. - © Andreas Zobe
Ob sich Mitarbeiter im Sommer lockerer anziehen dürfen, entscheidet der Arbeitgeber. (© Andreas Zobe)

Bielefeld. Sommer, Sonne, Hitze – OWL schwitzt derzeit unter hohen Temperaturen. Nicht jeder kann im Job wie ein Bademeister kurze Hosen und Sandalen anziehen, um sich abzukühlen. Eine gewisse Etikette muss in vielen Berufen gewahrt werden.

„Kleidung hat eine Signalwirkung", sagt Inge Wolff, Präsidentin der Umgangsformen-Akademie Deutschlands. Die Bielefelderin bildet auch Knigge-Berater aus. „Über die Kleidung bilden wir uns ein Urteil über unser Gegenüber – und viele hinterfragen das dann nicht."

Wer professionell wirken will, muss sich ordentlich anziehen. Daher ist in allen Berufen, in denen formelle Kleidung dazugehört, auch im Sommer ein Business-Outfit Pflicht. Nicht überall ist dies schriftlich festgehalten – wird aber erwartet.

„Es gibt keine Kleiderordnung bei der Deutschen Bank", sagt Bernd-Christian Balz, Sprecher der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Bielefeld. „Wir vertrauen darauf, dass sich unsere Mitarbeiter so kleiden, wie es auch ihre Kunden von ihnen erwarten. Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht."

In weniger konservativen Bereichen ist ebenfalls Vorsicht bei der Kleiderwahl gefragt. „Sehr leichte, freizügige Outfits bei Frauen – etwa Hotpants, Miniröcke, Sonnentops, große Dekolletés sowie die bereits erwähnte bauchfreie Mode – oder äußerst Lässiges bei Männern – zum Beispiel Achselshirts und Shorts – erweckt bei der Kundschaft vielfach einen negativen Eindruck", sagt Knigge-Expertin Wolff. „Oft wird in Gedanken vor das „Lässige" ein „Nach" gesetzt."

Für Lehrer zum Beispiel gibt es keine landesweit vorgeschriebene Richtlinie, hieß es aus dem Schulministerium. Ein gewisser Stil sollte aber wegen der Vorbildfunktion gewahrt bleiben. „Die Schulen können sich eigenständig eine Weisung geben", so ein Sprecher. „Es gibt aber keine vorgegebene Dienstkleidung. Natürlich haben Lehrer aber auch eine Vorbildfunktion, daher werden angehende Lehrkräfte in ihrer Ausbildung für diese Rolle sensibilisiert. "

Auch für Schüler gibt das Land NRW keine Kleiderordnung vor. „Auch hier können Schulen sich selbst eine Kleidervorschrift geben. Die Schulkonferenz kann das beschließen – selbst dann ist es für die Schüler aber keine Pflicht, dem zu folgen", heißt es vom Schulministerium. So gibt es etwa an der von-Fürstenberg-Realschule Paderborn keinerlei Vorschriften, wie sich Schüler oder Lehrer zu kleiden haben.

„Die brauchen wir auch nicht. Jeder kann selbst über seinen Kleidungsstil entscheiden", sagt Schulleiterin Gabriele Girndt-Sharp. Bei Wärme könnte der auch lockerer sein, etwa mit ärmellosen Oberteilen. Sollte ein Schüler auf seine Kleidung angesprochen werden, könnte das auch temperaturunabhängig passieren. „In den letzten zehn Jahren wüsste ich aber von keinem Fall", so Girndt.

Im Freizeitbereich ist es eher möglich, Legeres zu tragen, erklärt Knigge-Trainerin Inge Wolff. „Das bedeutet jedoch nicht, dass Badekleidung in Einkaufsstraßen oder -passagen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants empfehlenswert wäre. Solche Aufmachungen stören dort sehr viele."

Wo die Kunden gemütlich sitzen und ihr Eis genießen, sollte trotzdem Professionalität bei der Bedienung vorhanden sein, findet auch Marina Fracas, Eiscafè-Besitzerin aus Lemgo. „Kurze Hosen gehen gar nicht. Eine lange Hose wirkt einfach feiner. Wenn es warm ist, dürfen kurzärmelige T-Shirts getragen werden." Die Schürze mit dem Schriftzug des Cafés sei ohnehin Pflicht. „Und man soll ja gleich erkennen, wer der Kellner ist", ergänzt Fracas.

Eine andere Philosophie vertritt das Modehaus Wörmann in Gütersloh. „Unsere Mitarbeiter können alles tragen, was wir verkaufen", so Geschäftsführer Axel Keisinger. „Es gibt keine Kleiderordnung in dem Sinn, denn jeder soll sich in seinem Outfit wohlfühlen. Man tut den Mitarbeitern keinen Gefallen, wenn man ihnen bestimmte Vorschriften macht, mit denen sie sich unwohl fühlen."

Information

Das können Arbeitgeber von Mitarbeitern verlangen

  • Grundsätzlich gilt im Arbeitsrecht stets eine Einzelfallbetrachtung, sagt Thomas Fischer, Anwalt für Arbeitsrecht aus Detmold. Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht und kann verlangen, was das Berufsbild mit sich bringt – Badeshorts sind für einen Bankangestellten unangemessen.
  • Betriebsvereinbarungen gelten grundsätzlich.
  • Im Vordergrund steht, was der Arbeit dienlich ist. Ein Müllwerker sollte seine Schutzkleidung anbehalten, auch bei höheren Temperaturen.
  • Außerdem gilt das Weisungsrecht, um ein gewisses Erscheinungsbild nach Außen zu vermitteln.
  • Eine Kündigung auf Grund unangemessener Kleidung ist möglich, jedoch schwierig. Zunächst müssten Abmahnungen erfolgen.
  • Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht, er muss dafür sorgen, dass der Arbeit nachgegangen werden kann. Räume können mit Klimaanlagen gekühlt werden, es gibt die Möglichkeit der Freistellung.
  • Hält ein Arbeitnehmer die Hitze nicht aus, kann er sich vom Arzt krankschreiben lassen.

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