Paderborn/Berlin. Deutschland sorgt für den Ernstfall vor. Und was ist in Quarantäne unverzichtbar? Toilettenpapier, Nudeln und Pornos. Auf seinem websiteeigenen Blog meldet ein Erotikfilm-Onlinehändler, dass das Coronavirus sein Geschäft so richtig ankurbelt. „Wir hatten am Sonntag einen Wahnsinnsumsatz, mehr als am Black Friday", bestätigt ein Sprecher des Unternehmens erotik.com. Und das ganz ohne Kampfpreise.
Als der Händler mit Sitz in den Niederlanden Ursachenforschung betreibt, fällt auf, „dass besonders aus bestimmten Regionen viele Bestellungen eingegangen sind". Namentlich NRW und Italien. Und, Überraschung, dort gibt es aktuell die meisten Corona-Fälle.
Warenkörbe mit DVDs für mehrere Tausend Euro
„Dass der Pornokonsum an sich ansteigt, ist wenig überraschend: überdurchschnittlich viele Menschen verbringen gerade mehr Zeit zu Hause und alleine als sonst", sagt Pornowissenschaftlerin Madita Oeming vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Paderborn. Der Händler bietet Filme on Demand, zum Download oder auf DVD an. Und es zeigt sich, dass in Zeiten der Krise der Mensch offenbar gerne was in der Hand hat. „Wir hatten mehrere Warenkörbe mit DVDs für mehrere Tausend Euro", berichtet der Sprecher. Bei 25 Euro für den Durchschnittspornofilm kommt da einiges zusammen.
Der Top-Kunde des schlüpfrigen Sonntages freut sich über 250 Datenträger in drei großen Kartons. „Irre", sagt der Sprecher. Dass im Rotlichtbereich des Internets aber tatsächlich auch mehr gekauft wird, findet Madita Oeming interessant. „Vielleicht fürchten einige den Zusammenbruch des Internets und möchten sicherheitshalber analoge Medien parat haben."
Nachgefragt beim Bielefelder Erotik-Onlinehändler eis.de, Amazon, Beate Uhse und Orion. Nur Orion antwortet. Der Händler erlebe bei den Bestellungen „seit einigen Tagen einen erstaunlichen Anstieg im Postleitzahlengebiet acht", wie Unternehmenssprecherin Susanne Gahr berichtet. Mit der Acht beginnen Postleitzahlen vor allem im Süden Bayerns und in Teilen Baden-Württembergs. Nach NRW sind diese Bundesländer am stärksten vom Coronavirus betroffen.
Manche Pornomacher behaupteten, informieren zu wollen
Das Umsatzplus entsteht dort gar nicht einmal bei Filmen. Besonders beliebt sei Liebesspielzeug, so Gahr. Häufig fragten Kunden auch nach Desinfektionsspray – das sei jedoch für die Toys und nicht für die Hände gemacht. „Wir haben tatsächlich auch Masken, die man zweckentfremden könnte, aber das sind eher Fetisch-Masken und nicht unbedingt straßentauglich", sagt Gahr.
Hat das Coronavirus also tatsächlich wirtschaftliche Gewinner, während Airlines Tausende Flüge streichen, eine Veranstaltungsabsage die nächste jagt und sogar Fußball nicht mehr stattfindet? Der Sprecher von erotik.com drückt sich um ein „Ja" herum: Sollten irgendwann die Studios, die die Pornos produzieren, von Covid-19 betroffen seien, dann sehe es jedoch wieder ganz anders aus.
Corona beflügelt jedoch nicht nur die Verkäufe, sondern auch die Kreativität der Pornoschaffenden. Die kanadische Pornoplattform Pornhub beispielsweise spuckt zum Schlagwort „Coronavirus" Hunderte Videos aus. „Das war tatsächlich vorhersehbar. Aktuelle Themen finden sich immer in der Welt der Pornos wieder, es fällt nur oft niemandem auf. Es gab zum Beispiel auch eine Welle an Flüchtlings-Pornos oder es tauchten jede Menge Fidget-Spinner-Clips bei Pornhub auf, als diese in Mode kamen", erklärt Madita Oeming.
Doch warum ist das so? „Dafür gibt es mehrere Erklärungsansätze. Ein wichtiger ist Humor. Wenn man sich diese Corona-Porno-Videos mal anschaut, merkt man schnell, dass die meisten bewusst lustig sind", sagt Oeming.
In einem Video beispielsweise geben zwei Menschen in gelben Ganzkörperschutzanzügen vor, miteinander zu schlafen. Ein anderer Film zeigt nach eigener Aussage, was gegen Corona hilft. Nur so viel: Das gleichnamige Bier spielt dabei eine Hauptrolle. Wieder andere Videos zeigen etwa nackte Frauen beim 30-sekündigen Händewaschen.
„Im Fall von Corona kann tatsächlich auch Aufklärung eine Rolle spielen", sagt Oeming. Manche Pornomacher behaupteten, informieren zu wollen. „Und wenn man die Klickzahlen so ansieht, funktioniert das auch. Die Menschen werden mit Sex angelockt und bekommen dann einen Vortrag über Schutzmaßnahmen. Ziemlich genial eigentlich."