Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck ist nach Haftstrafe wieder frei

Lukas Brekenkamp

2016 versuchte Ursula Haverbeck, den Prozess gegen einen Lagenser SS-Wachmann zu besuchen. Seit 2018 saß die Holocaustleugnerin im Gefängnis. - © Archivfoto: Torben Gocke
2016 versuchte Ursula Haverbeck, den Prozess gegen einen Lagenser SS-Wachmann zu besuchen. Seit 2018 saß die Holocaustleugnerin im Gefängnis. (© Archivfoto: Torben Gocke)

Bielefeld. Ursula Haverbeck (91) ist wieder frei. Die wiederholt wegen Volksverhetzung angeklagte Holocaust-Leugnerin hat am Donnerstagmorgen die JVA Bielefeld-Brackwede verlassen. Das bestätigte der Leiter der Justizvollzugsanstalt auf Anfrage. Nach zweieinhalb Jahren im geschlossenen Vollzug habe sie ihre volle Haftstrafe wegen Volksverhetzung verbüßt, sagte ein Sprecher.

Das Landgericht Detmold hatte die heute 91-Jährige aus Vlotho in Ostwestfalen in zwei Fällen zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Landgericht Verden in Niedersachsen hatte sie wegen Volksverhetzung in acht Fällen zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Beide Haftstrafen waren zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren zusammengezogen worden, die sie seit Mai 2018 in Bielefeld absaß.

Mehrfach verurteilt

Nach Informationen dieser Zeitung hat Haverbeck einen für ihr Alter fitten Eindruck in der JVA in Bielefeld hinterlassen. Abgeholt worden sei sie von Bekannten. Eine Ansammlung von Rechten vor dem Gefängnis, wie befürchtet, hatte es nicht gegeben. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Demonstrationen, initiiert von der Splitterpartei "Die Rechte". Dabei wurde die Freilassung Haverbecks gefordert.

Haverbeck wurde bereits mehrmals wegen Volksverhetzung verurteilt. Weitere Verfahren an Gerichten in Hamburg und Berlin sind noch anhängig. Dabei handelt es sich um Berufungsverfahren: Haverbeck ging gegen Urteile aus der ersten Instanz vor. Teilweise liegen die Verfahren schon seit Jahren an den Gerichten.

Prozess wegen Youtube-Interview folgt

In wenigen Tagen feiert Haverbeck Geburtstag - nur kurze Zeit später steht der nächste Prozess an. Mitte November steht sie vor dem Amtsgericht Berlin. In einem Video-Interview mit dem rechten Youtuber "Volkslehrer" soll Haverbeck ein Mal mehr den Holocaust geleugnet haben. Übrigens: Auch der Youtuber, der zuletzt durch die Teilnahme und Filme von Corona-Demos und dem Sturm auf den Reichstag aufgefallen ist, gilt als Holocaustleugner.

Haverbeck hatte wiederholt behauptet, dass das Konzentrationslager Auschwitz kein Vernichtungslager, sondern ein Arbeitslager gewesen sei. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Lager befreit. Allein in Auschwitz waren etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden.

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