Wegen hoher Holzpreise: Waldbesitzer zum Sägestreik aufgerufen

Matthias Bungeroth

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In der Pandemie boomt die weltweite Nachfrage nach Schnittholz - die Preise steigen kräftig. - © Symbolbild: pixabay
In der Pandemie boomt die weltweite Nachfrage nach Schnittholz - die Preise steigen kräftig. (© Symbolbild: pixabay)

Bielefeld/Detmold. Georg Schirmbeck ist sauer. Wenn der Waldbesitzer aus dem Osnabrücker Land über die aktuelle Situation des Holzmarktes spricht, erhebt er seine Stimme. „Ich kann meine Bäume nicht verschenken", schimpft der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR). Doch diese Wahrnehmung hat Schirmbeck derzeit.

Allein seit Weihnachten sei der Sägeholzpreis, der am Hamburger Hafen für den Weltmarkt gezahlt werde, von 280 auf rund 600 Euro pro Kubikmeter gestiegen. „Davon profitieren alle, nur die Waldbesitzer nicht", schimpft Schirmbeck. Sein Aufruf deshalb an die rund zwei Millionen privaten Waldbesitzer: „Stoppt das Sägen, lasst die Bäume stehen!"

Diskussionen auch in OWL

Ein Appell, der auf große Resonanz in der Branche stößt und auch in Ostwestfalen-Lippe heftig diskutiert wird. Jörg Düning-Gast, Vorsteher des Lippischen Landesverbandes, der rund 15.900 Hektar Forst verwaltet, spricht zwar von einem „guten politischen Signal", das dieser Appell aussende. Er sehe das Thema aber differenzierter: „Jeder Unternehmer muss selbst entscheiden, wann er fällt." Der Landesverband Lippe sei froh, dass er 90 Prozent seines Holzes in die Region verkaufe.

Zugleich zeigt sich Dünging-Gast davon überzeugt, dass es auch eine Perspektive für Preissteigerungen hierzulande gibt. „Wir werden erleben, dass Holz in noch größerem Umfang zum Bauen verwendet wird."

"Harte Arbeit zum Mindeslohnpreis"

Schirmbeck bekräftig indessen seine Position. „Wenn wir derzeit im Teutoburger Wald für Fichtenholz 70 bis 80 Euro pro Kubikmeter bekommen, macht man sich Gedanken, ob das richtig läuft." Um wirtschaftlich arbeiten zu können, sei ein Preis von 120 bis 130 Euro schon am unteren Ende der Skala.

Mit dem sogenannten Sägestreik will Schirmbeck erreichen, dass das Holzangebot verknappt und die Ware somit teurer wird. „Harte Arbeit zum Mindestlohnpreis, das kann es nicht sein", sagt Schirmbeck. Die Holzpreise von heute seien „schlechter als die von 1990". Doch die Waldbesitzer hätten den Auftrag, den Wald umzubauen und klimagerechter zu gestalten. Dies alles koste viel Geld, sagt der Verbandspräsident. „Irgendwann muss mal was in die Kasse kommen."

Information

Holzernte beim Landesverband
Der Lippische Landesverband hat im Jahr 2020 rund 256.000 Festmeter Holz geschlagen. „Eine große Nachfrage nach Schadholz war da", sagt Verbandsvorsteher Jörg Düning-Gast. In anderen Jahren werden beim Landesverband Lippe durchschnittlich 90.000 bis 120.000 Festmeter Holz geschlagen. Der Landesverband ist mit einer bewirtschafteten Forstfläche von rund 15.900 Hektar nach eigenen Angaben der größte kommunale Waldbesitzer in NRW.

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