Bielefeld. Die Geburtenrate in Ostwestfalen-Lippe ist überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich mit den fünf Regierungsbezirken in NRW liegt sie in der Region mit fast 1,5 Kindern, die eine Frau im Schnitt zur Welt bringt, am höchsten. In ganz NRW liegt die Quote bei 1,39 und damit so niedrig wie seit 13 Jahren nicht. Auch wenn der Wert in OWL höher ist, gibt auch hier teils gravierende Unterschiede, wie aus der Auswertung von IT-NRW hervorgeht. In Willebadessen (Kreis Höxter) liegt die Geburtenziffer beispielsweise bei etwa 2,3 und ist damit verhältnismäßig hoch. Eine ähnlich hohe Geburtsrate meldet IT-NRW in den lippischen Kommunen Augustdorf (2,1) und Blomberg (1,9) sowie in Lichtenau im Kreis Paderborn (2,0). Alles andere als hoch sind die Ziffern jedoch in anderen OWL-Kommunen: In den beiden Großstädten Paderborn und Bielefeld liegt der Wert etwas über 1,3, ebenso beispielsweise in Steinhagen (Kreis Gütersloh). Schlusslicht ist derweil Extertal (Kreis Lippe) mit einer Geburtenziffer von 1,1. Welche Faktoren die Geburtenrate positiv beeinflussen Doch was sind Gründe für diese Unterschiede? Während manche Städte und Gemeinden wie zum Beispiel Paderborn oder Augustdorf keine Angaben zu den Zahlen machten, berichtet etwa die Verwaltung in Willebadessen von „vielen jungen Menschen und Paaren“, die Familien gründen. Das zeige sich auch am verhältnismäßig jungen Altersschnitt. Zudem berichtet die Verwaltung von vorhandenen Bildungsangeboten sowie Arbeitsplätzen. Studien zeigten ebenso: In wirtschaftlich stärkeren Regionen, mit guter Wirtschaftsentwicklung und niedriger Arbeitslosigkeit, seien die Raten höher. Solche Faktoren wie in Willebadessen spielen auch für Catherina Hinz, Direktorin des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die zentrale Rolle für eine hohe Geburtenrate. „Gerade die Kinderbetreuung ist eine wichtige Stellschraube. Sie ermöglicht es jungen Familien mit Kinderwunsch, den Nachwuchs sowie Beruf unter einen Hut zu bekommen“, sagt sie. Ein Faktor, der für Sicherheit bei den jungen Familien sorge. .responsive23-douxArpDjWGoKVn2-choro-geburtenraten-der-gemeinden-und { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-douxArpDjWGoKVn2-choro-geburtenraten-der-gemeinden-und { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-douxArpDjWGoKVn2-choro-geburtenraten-der-gemeinden-und { padding-top: 142.86%; } } Sogar gutes Internet spielt eine Rolle Studien wiesen in der Vergangenheit zudem auf andere Umstände hin, die eine höhere Geburtenrate begünstigen: So spielt ein stabiler Wohnungsmarkt eine wichtige Rolle, und zumindest zeitweise war laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) die Geburtenziffer in katholisch geprägten Regionen höher – ein Faktor, der auf manche Teile Ostwestfalen zutreffen würde. Ebenso heißt es immer wieder aus Gemeinden, in denen sich Freikirchen befinden, dass deren Mitgliederfamilien teils größer seien und eine höhere Geburtenrate beeinflussen können. Faktoren wie Glaube seien mittlerweile nicht mehr so ausschlaggebend für eine hohe oder niedrigere Geburtenrate, sagt dagegen Hinz. „Andere Entscheidungsfaktoren sind wichtiger“, sagt sie. Und dazu zählen selbst niederschwellige Gründe, zum Beispiel eine gute Internetverbindung oder eine gute Verkehrsanbindung – auf dem Land nicht überall vorhanden. „Sind solche Dinge nicht vorhanden, dann hält es viele junge Leute, die in absehbarer Zeit Familien gründen könnten, auch nicht in den Orten“, sagt Hinz. Ortscheck lässt punktuelle Rückschlüsse zu Abgesehen von lokalen Faktoren, die die Geburtenziffer beeinflussen, sieht Hinz aber noch ein ganz anderes Phänomen: „In Zeiten von Krisen wird der Kinderwunsch oft nach hinten verschoben“, sagt sie. Immerhin stehen die Deutschen aktuell durch Inflation teils vor finanziellen Herausforderungen, geopolitisch gibt es ebenso viel Unsicherheit durch Kriege. Eine dadurch bedingte Unsicherheit der jungen Bürger, die eine Familie gründen könnten, vermutet die Verwaltung derweil auch in Steinhagen. Es herrsche viel Unsicherheit. Und: „Dass die Geburtenrate niedrig ist, hat keinen exklusiven Steinhagen-Grund“, sagt ein Sprecher. Der aktuelle Ortscheck dieser Redaktion hat erst kürzlich 15.719 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch danach gefragt, wie kinder- und familienfreundlich sie ihren Wohnort empfinden (nicht repräsentativ). Rückschlüsse auf die Geburtenrate lassen sich dabei nur punktuell ausmachen. So liegt Espelkamp mit 1,87 Geburten pro Frau im oberen Bereich. Die Kinder- und Familienfreundlichkeit wird auch im Ortscheck überdurchschnittlich bewertet. .responsive23-dUKa1j4zgxVy07Rx-choro-geburtenraten-nrw-fuer-2024 { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-dUKa1j4zgxVy07Rx-choro-geburtenraten-nrw-fuer-2024 { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-dUKa1j4zgxVy07Rx-choro-geburtenraten-nrw-fuer-2024 { padding-top: 142.86%; } } Ziffer spricht für OWL Doch bei den drei größeren Städten in OWL (Bielefeld, Paderborn, Gütersloh) ist ein Zusammenhang nicht herzustellen. Paderborn hat mit 1,32 Geburten die geringste Rate (Bielefeld 1,36; Gütersloh 1,61). Im Ortscheck liegt jedoch die Paderstadt beim Thema Familienfreundlichkeit deutlich vor Gütersloh und Bielefeld. Für den Entschluss, Nachwuchs zu bekommen ist vermutlich eine Vielzahl anderer Gründe ausschlaggebender als das Image einer Stadt, „kinderfreundlich“ zu sein. Dass die Geburtenrate in OWL derweil laut IT-NRW im Landesvergleich höher ist als in anderen Regierungsbezirken, spricht laut Hinz derweil für die Region. „Es scheint, als seien die nötigen Faktoren für junge Paare mit Kinderwunsch hier gegeben.“