Bielefeld. Das Schlimmste sei der ständige Krach gewesen, sagt eine Anwohnerin. Über ein Jahr hätten sich die Bauarbeiten entlang der Lessingstraße hingezogen, erzählt die Falschparkerin wider Willen, die namentlich nicht genannt werden möchte. Wie alle anderen Anwohner auch, habe sie jeden Abend nach einem Parkplatz gesucht zwischen den abgesperrten Bereichen und den erlaubten Flächen. Die sich im Laufe des Jahres entsprechend des Baufortschritts stetig verändert hätten. Und alle Nachbarn seien auf der Hut gewesen, keinen kostspieligen Fehler zu machen – doch vergangenen Donnerstag sei es dann eben passiert. Zum Finale der Großbaustelle, die als solche gar nicht mehr erkennbar gewesen wäre, müssen über Nacht oder am Tage zuvor in der Lessingstraße plötzlich wieder Schilder vom Format „Absolutes Halteverbot“ aufgestellt worden sein, die schon lange als überstanden gegolten hatten – welch ein Irrtum. Bielefelderin zahlt Knöllchen - unter Protest „Am Donnerstagmorgen klingelte es an der Haustür, ich öffnete, und da fragte mich eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes ganz höflich, ob ich mein Auto umparken könnte. Denn sonst müsste ich 200 Euro fürs Abschleppen statt der jetzt fälligen 40 Euro zahlen“, sagt die Anwohnerin. Verdutzt sei sie gewesen, ob des gut gemeinten Überfalls, und zugleich verärgert, wegen der Vorgehensweise von der Frau vom Amt. „Hätte sie nicht erst klingeln können und dann ein Knöllchen schreiben?“ Leider nein, habe es am Telefon geheißen, als sie sich beim Ordnungsamt über die Methode beschwert hätte. Dabei sei sie am Donnerstagmorgen nicht die einzige vermeintliche Falschparkerin gewesen: Entlang des frisch gepflasterten Bürgersteigs, auf dessen Rand seit Tagen wieder geparkt werden durfte, hätten etliche Autos gestanden. Morgens klingelte es an der Tür – der Bautrupp war da „Und drei oder vier Mitarbeitende vom Amt eilten von Haustür zu Haustür, um die Halter der Fahrzeuge aus den Betten zu klingeln“. Denn um die Ecke habe bereits der Bautrupp gewartet: Der sollte eine schöne neue weiße Linie auf den Steinen aufbringen, um den Parkstreifen auch optisch vom Bürgersteig zu separieren. „Wozu eigentlich der ganze Aufwand? Durch die Pflasterung ist der Parkstreifen doch gut zu erkennen“, erklärt die Anwohnerin ihr Unverständnis über den Alarm an der Haustür. Weil die Straßenmaler angeblich schon die Farbe anrührten und auf ihren Einsatz lauerten, hätte sie sofort verschwinden müssen. Und nicht erst eine Stunde später, wenn sie ohnehin zur Arbeit gefahren wäre. Unter Protest habe sie das Knöllchen gezahlt, doch nur unter der Prämisse, dass die Baustellenbetreiber, Schilderaufsteller und städtischen Kassierer zukünftig kompromissbereiter mit solch kritischen Momenten umgehen. Konziliant seien sie ja gewesen, doch auf die 40 Euro beim Parkplatzroulette hätten sie auch verzichten können.