Bielefeld. „Einen jungen Menschen zu unterrichten, heißt nicht, einen Eimer zu füllen, sondern Leidenschaft zu entzünden.“ Diesen Spruch in seinem Büro hat Mario Fangerow von seiner Vorgängerin übernommen. Er passe zu seiner Vision. Er sei ein leidenschaftlicher Typ, ein Mann klarer Worte – mit einem unkonventionellen Werdegang. „Für mich wurde nicht der rote Teppich ausgerollt“, sagt der 52-Jährige. Fangerow wuchs in Ostberlin auf, machte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Er habe möglichst schnell auf eigenen Beinen stehen wollen. „Aber ich habe dann gemerkt, das war nicht meins.“ Der Zivildienst habe seinen Horizont erweitert. Und so orientierte sich der leidenschaftliche Sportler noch einmal um und studierte Grundschullehramt. Der Beruf sei herausfordernd, in vielerlei Hinsicht. Kinder hätten heutzutage eine „generelle innere Unruhe“, seien übersättigt von unzähligen Reizen und schnell abgelenkt. „Der innere Anreiz, etwas mehr zu investieren, fehlt“, sagt Fangerow, selbst Vater eines 20-jährigen Sohnes. Weil Glücksgefühle ganz einfach per Knopfdruck zu bekommen seien. „Das zieht sich durch alle Schichten.“ Ein Großteil der Erstklässler sei heute einfach nicht mehr schulfähig. Und der Schuleintritt für viele Familien mit großen Herausforderungen verbunden. Vorurteile gegenüber der Bückardtschule Auch die Eltern hätten heutzutage einfach ganz viel um die Ohren. „Und sie werden zugeballert mit Bildern von neuen, besseren Modellen des Lebens“, ergänzt der Pädagoge. Die Bückardtschule sei für viele Familien nicht unbedingt die erste Wahl. Es gebe aufgrund des vergleichsweise hohen Migrationsanteils und der sozialen Herausforderungen Vorurteile. „Aber wenn sie dann erst einmal hier sind, sind sie doch sehr froh“, sagt Fangerow, der an der Bückardtschule auch als Schulleiter noch in drei Klassen Sport unterrichtet und in seiner Freizeit Kampfsport macht. Beziehung sei das Zauberwort. Und das sei viel ausschlaggebender als „die tollsten Methoden oder die tollsten Gebäude“. Schule feiert 150-jähriges Bestehen Denn viele der Kolleginnen und Kollegen hätten sich ganz bewusst die Schule an der Heeper Straße, in der Nähe des Ravensberger Parks, ausgesucht. Am Donnerstag, 9. Oktober, feiert die Grundschule mit einem großen Fest ihr 150-jähriges Bestehen. Das Kollegium sei überdurchschnittlich engagiert, der Zusammenhalt besonders und viele Eltern sehr dankbar. „Hier diskutiert man nicht mit Eltern mit übersteigerten Erwartungen, die mit der ’Zwei’ ihres Kindes nicht zufrieden sind“, sagt Fangerow, der 2014 „aus privaten Gründen“ nach Bielefeld und 2022 als Konrektor an die Bückardtschule gekommen war. Zu seiner Schulzeit habe es in Ostberlin bis zur zehnten Klasse keine Trennung gegeben. „Die, die an die Grenzen stießen, gingen irgendwann ab und ins Berufsleben“, sagt Fangerow. Er würde sich eine längere gemeinsame, so prägende Zeit sehr wünschen – mindestens bis einschließlich der sechsten Klasse, so wie jetzt in Berlin. Viele Kinder entwickelten sich erst dann richtig. Eine Schulformempfehlung im Jahrgang vier sei sehr schwierig. .responsive23-iyc7M5gOFWl3bGPi-bar-horizontal-probleme-an-schulen-in-nrw { width: 100%; padding-top: 100%; } @media (max-width: 600px) { .responsive23-iyc7M5gOFWl3bGPi-bar-horizontal-probleme-an-schulen-in-nrw { padding-top: 100%; } } @media (max-width: 360px) { .responsive23-iyc7M5gOFWl3bGPi-bar-horizontal-probleme-an-schulen-in-nrw { padding-top: 142.86%; } } Reizarmut und klare Strukturen benötigen Zeit Bevor es ans selbstbestimmte, freie Lernen gehen könne, müssten erst einmal wichtige Grundlagen geschaffen werden: Reizarmut und klare Strukturen. Und das benötige Zeit. Sein eigener Weg sei steinig gewesen. Aufgrund von unterschiedlichen Prüfungsordnungen in Ost und West sowie Umstrukturierungen habe er zwischen Studienabschluss und Referendariat sechs Jahre lang mit verschiedenen Aushilfsjobs überbrückt. „Ich habe im Baumarkt, im Wachschutz, am Fließband und in der Nachtschicht in der Druckerei gearbeitet“, berichtet Fangerow. Mehr Tempo, das wünscht er sich jetzt bei der Realisierung des geplanten und dringend benötigten Mensa-Anbaus. Ein Großteil der 187 Schülerinnen und Schüler sei jetzt schon im Offenen Ganztag (OGS) untergebracht. Aufgrund der begrenzten Raumkapazitäten erstrecke sich die Mittagessenszeit für die verschiedenen Klassen über drei Schulstunden. Das sei bei der Stundenplanung eine Herausforderung. Bielefeld: ein bisschen wie ein Berliner Kiez Bielefeld sei ein bisschen wie ein Kiez in Berlin, sagt Fangerow, der immer noch häufig am Wochenende in die Hauptstadt fährt. Aber man merke, dass die Stadt sich entwickele. „Hier wird viel gemeckert, aber auch viel gemacht.“ Aber ein gutes Konzept sei gefragt, damit viele der Investitionen, wie die Sportanlagen auf dem Kesselbrink oder die Neugestaltung der Wilhelmstraße oder des Jahnplatzes, „nicht gleich wieder kaputtgemacht werden“. Leider sehe es da an vielen Ecken schon „sehr versifft“ aus, ergänzt Fangerow, der selbst direkt am Kesselbrink wohnt. „Das ist sehr schade.“