Kreis Höxter/Brakel. Die schaurige Nachricht wandert seit Sonntag von Smartphone zu Smartphone: Ein Bild von einem Schafskadaver, gerissen von einem Wolf. Hinter den Täter, dem grauen gefürchteten Hundeartigen, muss aber noch ein großes Fragezeichen gesetzt werden. Denn vermeintliche Wolfsrisse müssen per DNA-Test nachgewiesen werden. Für die ist in NRW das LANUK (Landesamt für Natur, Umwelt und Klima) zuständig. Doch bis die Proben ausgewertet sind, kann es Wochen und Monate dauern. Was wissen wir also? Ein Landwirt hat am Sonntag ein totes Schaf in Brakel-Auenhausen entdeckt, das augenscheinlich von einem Wolf gerissen wurde. Das soll zumindest der Eindruck der hinzu gerufen Jäger gewesen sein. Ob es wirklich ein Wolf war, wird das Genmaterial verraten. Nach Redaktionsinformationen sind in Auenhausen Proben genommen worden, um diese an das LANUK zu schicken. Bis es so weit ist, handelt es sich bei dem Schaf um einen Wolfsrissverdacht. Dass Wölfe in der Region unterwegs sind, sollte die wenigsten überraschen. Erst vor wenigen Tagen soll ein Wolf im Kreis Lippe eine Fotofalle ausgelöst haben, worauf Landwirtinnen und Landwirte im weiten Umkreis gewarnt worden sein sollen, vorsichtig zu sein. Aber auch diese Wolfssichtung ist noch nicht vom Lanuk bestätigt. Die Fotos müssen genau geprüft werden. Verifizierte Wolfsnachweise im Kreis Lippe 7.10.2023: Bei Schlangen löst eine Fotofalle im Wolfsgebiet Senne aus, die Aufnahmen werden vom LANUV als Wolfsnachweis in NRW geführt. Es handelt sich um einen eindeutig identifizierten Wolf im Bereich der Gemeinde Schlangen. 3.06.2024: Erneut wird bei Schlangen ein Wolf von einer Fotofalle erfasst; der Eintrag erscheint in der offiziellen Nachweis-Liste des Landes NRW (Kategorie C1, sicherer Nachweis). Damit ist belegt, dass sich mindestens zeitweise ein Wolf im südöstlichen Kreisgebiet (Senne-Rand) aufhält. Ende April 2025 (DNA-Nachweis an der Kreisgrenze): Auf einer Weide zwischen Extertal und Rinteln werden drei Schafe gerissen; eine DNA-Analyse weist eindeutig einen Wolf als Verursacher nach. Die LZ berichtet am 03.07.2025 über diesen Wolfsriss „bei Extertal“, der Wolf streife durch das Lippische Bergland und das angrenzende Rinteln. Formal liegt die Weide sehr wahrscheinlich im niedersächsischen Grenzbereich, der Fall wird aber als für den Kreis Lippe relevant diskutiert. Gemeldete Nutztier-Risse in Lippe 15.05.2024: Bei Lügde wird ein gerissenes Schaf gemeldet, zunächst besteht der Verdacht auf einen Wolfsriss. Die Untersuchung ergibt jedoch: Verursacher war ein Haushund, mit zusätzlichem postmortalem Fraß durch einen Rotfuchs – der Fall wird vom LANUV als Falschmeldung (Haushund) eingestuft. 27.09.2024: Ebenfalls bei Lügde werden zwei tote Kälber gemeldet; erneut steht zunächst ein Wolfsangriff im Raum. Laut offizieller Bewertung waren die Tiere vermutlich tot- oder lebensschwach geboren, anschließend kam es zu postmortalem Fraß – ein Wolfsangriff wird ausgeschlossen, der Fall als Falschmeldung geführt. 2020 griff ein Wolf in Willebadessen mehrere Schafe an Erwachsene Wölfe, die in einem bestimmten Territorium leben, legen in der Regel 20 Kilometer am Tag zurück. Jungtiere sind deutlich wanderfreudiger. Sie können die vierfache Strecke am Tag zurücklegen, weshalb es laut Wolfsexperten nicht unüblich ist, dass Wölfe durch die Region streifen. Lesen Sie auch: Mindestens 1.636 Wölfe leben in Deutschland Der letzte nachgewiesene Wolf streifte im Mitte Mai 2020 durch den Kreis Höxter und griff dabei Willebadessen fünf Schafe an. Eines starb. Im Juni 2018 konnte ein Wolf bei Marienmünster sogar fotografiert werden.