„Ebola Village“, das Survival-Horror-Spiel des unabhängigen Indie-Studios Indie_Games_Studio, hat seit seiner Konsolen-Veröffentlichung für PS5 und Xbox Series X|S am 23. Januar 2026 eine unerwartete Welle der Aufmerksamkeit ausgelöst.
Als PC-Titel bereits seit 2023 auf Plattformen wie Steam verfügbar, greift es hemmungslos auf bewährte Formeln der „Resident Evil“-Reihe zurück – von der isolierten Dorfkulisse bis zu ressourcenarmen Kämpfen gegen infizierte Horden – und verortet sie in einem makabren Szenario rund um einen Ebola-Ausbruch. Dabei reist die Protagonistin Maria in ein russisches Hinterwald-Dorf, um nach ihrer Familie zu suchen, und gerät in einen Albtraum aus blutigen Begegnungen und primitiven Rätseln.
Besonders denkwürdig ist der Marketing-Fehltritt von Playstation: Das Unternehmen bewarb den „Resident Evil“-Klon offiziell auf seinem YouTube-Kanal mit einem Trailer, der stark an „Resident Evil Village“ erinnerte und AI-generierte Assets nutzte. Nach massiven negativen Reaktionen – von Spott über Plagiat-Vorwürfen bis zu Vorschlägen wie „COVID City“ als Folgetitel – stellte Sony das Video offline. Dieser Vorfall wirft Fragen zur Qualitätskontrolle und Grenzen der Indie-Förderung auf, inmitten einer Branche, die mit einem wachsenden Strom billiger Copy-Paste-Spiele kämpft.
Mit einer Laufzeit von unter drei Stunden, inklusive ambitionierter Speedrun-Herausforderungen, positioniert sich „Ebola Village“ als schneller Horror-Schub – roh, ungeschliffen und polarisierend. Es reflektiert die Ambivalenz des modernen Gaming-Markts: Wo Indie-Entwickler mit minimalen Mitteln etablierte Genres nachahmen, entsteht manchmal Unterhaltung, die trotz Mängeln fesselt.
Worum geht’s in „Ebola Village“?
„Ebola Village“ versetzt Spieler in die Rolle der toughen Maria, die nach einem alarmierenden Fernsehbericht in ein russisches Dorf eilt, um ihre infizierte Mutter und den eigenen Ex-Partner Ruslan zu bergen. Im First-Person-Modus erkundet man eine Welt aus verfallenen Hütten und nebligen Pfaden, wo ebolaverseuchte Dorfbewohner als torkelnde Zombies angreifen. Mal schwingen sie eine Axt, mal sind sie parasiteninfizierte Bestien, die explodieren, wenn man sie niederstreckt.
Die Kernmechanik dreht sich ums nackte Überleben: Munition und Heilung sind rar, Kämpfe fordern präzises Zielen, während Puzzles wie das Umpositionieren von Statuen den Fortschritt sichern.
Die narrative Schicht fügt noch ein Familiendrama hinzu – Verrat, Verlust und eine apokalyptische Bedrohung –, bleibt jedoch durch holprige Cutscenes und steife Dialoge zweidimensional. Das russische Setting mit orthodoxen Ikonen erzeugt eine klaustrophobische Atmosphäre, die von der Low-Poly-Optik des Äußeren zu detaillierten, labyrinthischen Interieurs wechselt. Das Ziel: Entkommen in einem kompakten Run – Trophäenjäger sollten das unter drei Stunden schaffen.
Was hat uns gefallen?
Was „Ebola Village“ trotz seiner Herkunft zu einem kuriosen Highlight macht, ist die pure, ungeschminkte Essenz des Survival-Horrors, die es schafft, mit minimalen Mitteln intensive Momente zu erzeugen. Es ist eine Art destillierte Nostalgie an die Wurzeln von „Resident Evil“, wo jede Patrone zählt und jeder Schatten eine Bedrohung birgt.
Die Schleife aus Erkundung, knappen Ressourcen und brutalen Nahkämpfen hat uns erstaunlicherweise in unseren Bann gezogen; man schleicht durch stickige Stuben, hört das Gurgeln infizierter Kehlen und erlebt den Kick eines perfekten Headshots, der Ressourcen für den nächsten Schwarm aufspart – es fühlt sich roh und authentisch an, als ob ein passionierter Fan mit Minimal-Budget die Formel neu belebt hätte, ohne sich um Perfektion zu scheren.
Besonders überzeugt die Kompaktheit: In zwei bis drei Stunden durchläuft man eine vollständige Kampagne ohne aufgeblähtes Füllmaterial, was die Speedrun-Trophäe zu einem adrenalingeladenen Meisterwerk macht – präzises Laufen, optimierte Routen und risikoreiche Gefechte belohnen Geschick mit Triumph.
Die Ebola-Thematik – kontrovers hin oder her – bringt eine frische, wenn auch derbe Note in das Zombie-Genre, die traditionelle Untote überflüssig macht. Es ist Unterhaltung pur, die trotz Plagiat-Vorwürfen ihren eigenen, schrägen Charme entfaltet.
Was hat uns nicht gefallen?
Der gnadenlose Low-Budget-Charakter durchzieht jedes Element und untergräbt die Immersion: Die Steuerung ist vom PC übernommen, was Controller-Nutzer frustriert – und das obligatorische L3-Drücken zum Rennen verwandelt Speedruns unter drei Stunden in einen schmerzhaften Finger-Marathon, der physisch ermüdend wirkt.
Dazu das omnipräsente Hühnergeschrei, das überall im Dorf zu hören ist und das Spannung durch Lärmbelästigung killt und wie ein ungewollter Sound-Gag daherkommt, der uns nach wenigen Minuten die letzte Geduld raubt.
Puzzles beleidigen unsere Intelligenz, Zombies sind uniform animierte Modelle ohne taktische Tiefe und Cutscenes stocken oder springen abrupt, was statt Furcht eher Gelächter erzeugt – und völlig absurd wirkt es, als unsere Heldin Maria angesichts ihrer zombiefizierten Mutter total gelassen bleibt. Kollisionsfehler wie Zombies, die durch Wände rutschen und eine flache Story ohne emotionale Tiefe runden das Bild eines Copy-Paste-Spiels ab, der „Resident Evil“ plündert, ohne originelle Akzente zu setzen – sympathisch als Kuriosum, aber journalistisch ein Mahnmal für Qualitätsstandards in der Indie-Szene.
Unser Fazit zu „Ebola Village“
„Ebola Village“ erweist sich als Guilty Pleasure im Survival-Horror: Es destilliert Spaß aus Klon-Formeln, obwohl wir in jeder Sekunde daran erinnert werden, dass für dieses Spiel kein Geld da war. „Ebola Village“ eignet sich jedoch in keiner Weise als Vorbereitung auf „Resident Evil: Requiem“ – Capcoms Rückkehrer mit Leon und Grace in einem polierten Raccoon-City-Nahkampf (Release: 27. Februar 2026), der Innovation und Produktionswert atmet.
Ob der nächste „Ebola“-Teil wohl „Ebola: Requiem“ heißen wird? Dann bitte mit Hühnerzombies, die eine KFC-Filiale zerlegen. Unser Urteil zu „Ebola Village“: ein witziger Zeitvertreib für Genre-Fans, der uns zum Schmunzeln gebracht hat, aber keine Empfehlung jenseits der Neugier.
„Ebola Village“ ist seit dem 19. Juni 2023 auf PC und seit dem 23. Januar 2026 auf Playstation 5 und Xbox Series X|S erhältlich und kostet rund 20 Euro. Das Spiel ist ab 18 Jahren freigegeben.
Transparenzhinweis: Für den Test wurde uns vom Publisher ein kostenloser Review-Code zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf unsere Wertung. Wir haben das Spiel auf der Playstation 5 Pro getestet.